niemoeller11Wattenscheid und Erkenschwick – zwei klangvolle Namen mit bewegter Geschichte. Beim Duell der beiden Traditionsklubs fehlte über weite Strecken der große Glanz. Stattdessen wurde Fußball „malocht“, und am Ende des Tages hatten die 09er die wichtigen drei Punkte in ihrer Lohntüte.

Besonderen Dank richtete Trainer André Pawlak an die Adresse von Schlussmann Lukas Fronczyk, der sich gegen Stefan Oerterer (5.), David Sawatzki (59.) und Sebastian Westerhoff (62.) auszeichnen konnte. Für Kevin Brümmer, Linksverteidiger und dennoch torgefährlichster Akteur an der Lohrheide, fand Pawlak ebenfalls lobende Worte: „Das was er aus dieser Position heraus macht, ist einfach nur sensationell. Das war sein drittes Pflichtspieltor.“

Jenes fiel in der 35. Minute nach einem Ballverlust vom Erkenschwicker Davide Basile. Brümmer war zur Stelle und ließ Marcel Müller im Tor der Schwicker keine Chance. „Das war unser Ballbesitz, sowas darf nicht passieren“, ärgerte sich Trainer Magnus Niemöller, der danach eine stark verunsicherte Erkenschwicker Mannschaft sah und die Pause herbeisehnte: „Dieser Pfiff war Gold wert.“

Im zweiten Durchgang schüttelten sich die Gäste zwar nochmal, es fehlte aber an der Durchschlagskraft. „Wir haben jetzt zum zweiten Mal in Folge unglücklich Punkte aus der Hand gegeben“, befand Niemöller, der seiner Mannschaft aber nichts vorwerfen wollte: „Wir haben viel investiert, da hätte eigentlich mehr bei herauskommen müssen.“

Am Ende stehen drei Punkte für die Lohrheidekicker, die es aber nicht schafften, die Partie vorzeitig zu entscheiden. Sven Preissing scheiterte aus kürzester Distanz am Aluminium (40.), Brümmer (55.) und Samet Davulcu (88.) an Keeper Marcel Müller. Pawlak: „Da muss man mal im Strafraum querlegen, dann ist Ruhe. Es war sicherlich keine gute zweite Halbzeit, aber wir haben toll gekämpft.“

SG Wattenscheid 09: Fronczyk – Rathmann, Keller, Melchner, Brümmer – Issa, Zajas – Preissing, Sarisoy (74. Demirbay), Trisic (84. Davulcu)– Rocys (88. Luvuezo)
SpVgg Erkenschwick: Müller – Basile (87. Siwek), Brüggenkamp, Eisen, Kokot – Menne, Kilian – Rosenkranz (74. Glembotzki), Westerhoff, Sawatzki – Oerterer
Tor: 1:0 Brümmer (35.)
Rote Karte: Keller (86., grobes Foulspiel)
Zuschauer: 442
Schiedsrichter: Mehmet Ercan (Hamm) 

Splitter zum Spiel:


Das Duell der Traditionsklubs sahen 442 Zuschauer – ein Rekordwert seit dem Abstieg aus der NRW-Liga 2010. Im Laufe der ersten Halbzeit mischten sich zusätzlich 25 Polizeibeamte unter das Volk. Die wurden alarmiert, nachdem es zu leichten Handgreiflichkeiten in der Kurve kam. „Es ist aber alles glimpflich abgelaufen“, erklärte Geschäftstellenleiter Gerd Abstins nach dem Abpfiff.

Den erlebte Wattenscheids Innenverteidiger Jascha Keller aus der Kabine. Fünf Minuten vor Schluss sah das Urgestein den roten Karton. „Mein erster Platzverweis“, schüttelte Keller den Kopf. „Völlig überzogen“, befand Pawlak, selbst Erkenschwicks Sebastian Westerhoff attestierte dem Schiedsrichter keine gute Leistung: „Man kann so ein Spiel auch zerpfeifen.“

Insgesamt aber hielt sich der Frust bei Erkenschwicks Nummer Zehn in Grenzen. „Wir haben gut dagegen gehalten. Auch wenn der Saisonstart in die Hose gegangen ist, noch ist nichts verloren“, zeigte sich Westerhoff optimistisch. „Wir müssen schauen, dass sich die personelle Situation entspannt.“ In der Tat ist die Spielvereinigung mit gerade mal zwölf gesunden Feldspielern angereist.

Lukas Fronczyk freute sich über das erste Spiel ohne Gegentor in dieser Saison. „Eine gute Mannschaftsleistung“, befand der Schlussmann, der seine eigene Leistung humorvoll kommentierte: „Da bin ich wohl zwei oder dreimal angeschossen worden.“ Er hatte viel zu tun, seinen Vorderleuten wollte er trotzdem keinen Vorwurf machen: „Man muss sich mal den Altersdurchschnitt anschauen. Das ist völlig normal. Keiner kann von uns verlangen, dass wir durch die Liga marschieren und Erkenschwick aus dem Stadion schießen.“

Das Saisonziel der Erkenschwicker, die einen Platz unter den ersten fünf anpeilen, bleibt trotz des Fehlstarts mit einem Zähler aus drei Partien weiterhin aktuell. Westerhoff: „Der Rückstand ist da, aber noch ist die Saison jung.“ Die finanzielle Lage am Stimberg soll sich indes beruhigt haben, wie der Angreifer erklärt: „Alles im grünen Bereich. Die Gehälter fließen pünktlich.“

von Christian Pozo y Tamayo

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