rw ahlenNun ist es doch passiert. Das Wersestadion war bisher eine uneinnehmbare Bastion für alle Gästemannschaften. Doch der Spielvereinigung Erkenschwick ist geglückt, was in der Liga noch keiner anderen Mannschaft gelungen ist. Mit 4:1 bescherte sie Rot-Weiß Ahlen die erste Heimpleite. Und das auch noch völlig verdient.  

 

So lange haben die rot-weißen Ritter ihre Festung tapfer verteidigt. Kein Angreifer konnte die Burg erstürmen. Jeder, der es doch versucht hat, musste frustriert von dannen ziehen. Doch vorbei. Gegen die Belagerung der Spielvereinigung Erkenschwick hatten die Ahlener keine Chance. Die Bastion Wersestadion ist zum ersten Mal in dieser Saison gefallen. 1:4 lautete das Ergebnis der Oberliga-Partie. Vielleicht war das um ein Tor zu hoch. Andererseits ließen die Gäste in der Schlussphase zwei hervorragende Möglichkeiten liegen. Es hätte also auch eine richtige Klatsche geben können.

Dementsprechend bedient war Carlos Castilla. Nicht nur, dass seine Mannschaft keinen vernünftigen Spielaufbau zustande bekam und sich kaum Chancen erspielte. In der Defensive zeigten die Rot-Weißen erstmals auch zu Hause die selbe Fehleranfälligkeit, die sie sich bisher nur in der Fremde geleistet hatten. Dem 0:1 und 0:2 gingen jeweils zwei unnötige Ballverluste voraus – einmal ließ sich Justin Braun natzen, beim zweiten Gegentreffer unterlief Max Dahlhoff einen Kopfball und leitete so den Konter ein. „Und beim 0:3 sind drei Verteidiger nicht in der Lage, einem Stürmer den Ball abzunehmen“, zürnte Castilla. „Nicht mal in der Kreisliga A werden solche Fehler gemacht.“

Der Tabellendritte Erkenschwick übernahm schnell das Kommando. Die erste schöne Flanke von Janos Bluhm in den Ahlener Strafraum verpasste Christopher Weißfloh noch um Haaresbreite, sonst wäre es bereits in der 10. Minute brandgefährlich geworden. Fünf Zeigerumdrehungen später boxte Philipp Hinkerohe eine Flanke Richtung Strafraumgrenze, von wo sie gleich zurück kam: Sebastian Westerhoffs Kung-Fu-Pass schien zwar völlig verunglückt, landete aber punktgenau bei Stefan Oerterer, der von rechts scharf am linken Pfosten vorbeizog.

Nach 25 Minuten war es dann doch passiert: Bluhm zog aus 17 Metern trocken ab und platzierte den Ball schön im kurzen Eck. Der sah haltbar aus, war jedoch spät zu sehen.

Auf der Gegenseite versuchte es Faysel Khmiri auch mal mit einem Fernschuss, nachdem Max Dahlhoff ihn in Szene gesetzt hatte (28.).

Drei Minuten später spielte Dahlhoff erneut die Hauptrolle, doch dieses Mal mit einem dicken Fehler. Als er auf Höhe der Mittellinie auf seiner rechten Seite unter dem Ball durchsegelte, wusste er wohl schon, was kommen würde. Kopfschüttelnd musste er dem enteilenden Stefan Oerterer hinterher schauen. Der hatte Platz, zog in den Strafraum, legte dort auf Sebastian Westerhoff ab und prompt stand es 0:2 (31.). Zwei weitere Möglichkeiten hatte Erkenschwick noch bis zur Pause. Doch einmal war Hinkerohe gegen Oerterer auf dem Posten und David Basile kam einen Schritt zu spät.

Es wäre wohl die endgültige Entscheidung gewesen. So aber gab es noch einen Funken Hoffnung, dass RW Ahlen mit einer Aufholjagd die eigene Festung zurückerobern könnte. Dafür jedoch hätte es eines schnellen Tores bedurft. Die Möglichkeit dazu hatte Faysel Khmiri in der 50. Minute. Doch die Flanke von Felix Backszat rutschte ihm über den Schlappen. Stattdessen der dritte Erkenschwicker Lanzenstoß: Oerterer zog die komplette Ahlener Verteidigung auf sich und bediente Weißfloh auf links. Der machte mit einem schönen Schuss rechts zum 0:3 oben in den Knick alles klar (67.).

Zehn Minuten später musste Castilla wegen Meckerns auf der Tribüne Platz nehmen und sah von dort, wie Faysel Khmiri per Kopf den 1:3-Ehrentreffer einnickte (79.) und Vadim Baumbach wegen eines Fouls am eigenen 16er mit Gelb-Rot vom Platz flog (82.). Es folgte das 1:4 durch Westerhoff – auch das noch. Doch dieses Mal konnten die Rot-Weißen nichts dafür. Dem Treffer war ein Foulspiel voraus gegangen. Und die Erkenschwicker zeigten sich dafür bei zwei noch folgenden Großchancen sehr gnädig.

Weniger gnädig soll es nach Schlusspfiff auf dem Parkplatz zugegangen sein. Augenzeugen berichten von einer Massenschlägerei zwischen Erkenschwicker und Ahlener Fans sowie einer verletzten Person. Die Polizei Warendorf bestätigte das jedoch nicht und hat keinerlei Hinweise auf eine Straftat.

Von Henning Tillmann / Ahlener Zeitung

Zum Seitenanfang