hammer spvgIn der 57. Minute der Oberliga-Partie gegen die SpVgg. Erkenschwick war die Welt der Hammer SpVg noch in Ordnung. Daniel Schaffer hatte soeben nach einem herrlichen Spielzug das 2:0 geschossen – der dritte HSV-Sieg in Folge schien zum Greifen nah. 40 Minuten später standen Hamms Spieler jedoch mit versteinerten Gesichtern auf dem Rasen der Evora Arena und mussten mit ansehen, wie Erkenschwicks Torhüter Christopher Ditterle auf dem Zaun des Gästeblocks saß und mit 40 mitgereisten Fans einen 4:2-Auswärtssieg feierte.

 

„Du führst mit 2:0, alles läuft für uns, und am Ende stehst du mit leeren Händen da“, sagte Michael Oscislawski nach Spielschluss, suchte kurz nach Worten und fand drei: „Das ist katastrophal“, schloss der HSV-Verteidiger nach einer ebenso unterhaltsamen wie denkwürdigen Partie, in der noch viel mehr Tore hätten fallen können.

Hamms Trainer Goran Barjaktarevic hatte dieselbe Formation wie zuvor bei den Siegen über den SC Roland Beckum (3:1) und den TuS Heven (5:1) auf den Rasen geschickt – also mit Daniel Schaffer, Jochen Höfler und Eymen Brahim als Sturmtrio. „Volles Feuer“ kündigte der HSV-Coach an. Weder Hamm noch Erkenschwick hielten sich zurück, so dass sich vor den Augen von 450 Zuschauern von Beginn an ein Spiel mit viel Tempo und zahlreichen Chancen entwickelte. Schaffer (15.) und auf der Gegenseite Erkenschwicks Torjäger Stefan Oerterer (17.) hatten die besten Gelegenheiten der Anfangsphase. Beide scheiterten am Fuß des gegnerischen Torhüters. Bitter für Hamm: Kurz vor Oerterers Schuss zog sich Sefa Arslan ohne Einwirken des Gegenspielers einen Muskelfaserriss zu. Barjaktarevic war gezwungen umzubauen: Oscislawski wechselte in die Innenverteidigung, Luc Ndjock besetzte fortan die linke Seite der Abwehrkette. Der HSV-Coach bezeichnete den Verlust Arslans später als „Riesenbruch“ im Spiel.

Davon war zunächst nichts zu merken. Schaffer scheiterte mit einer Direktabnahme (22.) und war nur vier Minuten später der entscheidende Mann beim 1:0 durch Jochen Höfler. Nach einem präzisen Steilpass von Pascal Harder lupfte er den Ball über Ditterle hinweg Richtung Tor. Höfler griff nur ein, weil der Ball gegen den Pfosten zu prallen drohte (26.). Die Führung spielte den konterstarken Hammern eigentlich in die Karten – eigentlich. Allerdings kamen sie fortan kaum noch gefährlich vor das Tor der Gäste, die nun mit Macht auf den Ausgleich drängten: Sebastian Westerhoff (33.) und Stephan Nachtigall (36.) feuerten Volleyschüsse ab, die gefährlicher aussahen, als sie waren. Weitere drei Minuten später rettete bei einem Freistoß von Westerhoff die Latte für den geschlagenen HSV-Schlussmann Trifon Gioudas, der nun sehr viel häufiger im Zentrum des Geschehens stand, als ihm lieb war. Sein Kasten blieb trotz weiterer Chancen durch Oerterer (41.), Westerhoff (45.) und Nils Eisen (45.+2) sauber. Der Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Dennis Magne kam für Hamm zur rechten Zeit. „In den letzten Minuten der ersten Halbzeit haben wir die Führung gerettet“, sagte Barjaktarevic.

Die Pause tat seinen Spielern gut. Nach Wiederanpfiff war die Partie wieder ausgeglichener. Die erste zwingende Torchance der zweiten Halbzeit bescherte Hamm sogar das 2:0. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison bewiesen Höfler und Schaffer fast blindes Verständnis. Diesmal war Höfler der Vorbereiter. Seine scharfe Hereingabe drückte Schaffer zum 2:0 ins Netz (57.). Das war der Höhepunkt des Nachmittags aus HSV-Sicht. Von nun an ging es bergab – und zwar sehr viel schneller und steiler, als sich das jemand hätte vorstellen können.

Der Zerfall begann mit einem Ärgernis. Schiedsrichter Magne ließ das Spiel nach einem Foul an Brahim weiterlaufen. Den blitzschnellen Erkenschwicker Konter gegen weit aufgerückte Hammer vollendete Oerterer (63.) zum 2:1. Keine zwei Minuten später war es Christopher Weißfloh, der nach Oerterer-Zuspiel das 2:2 folgen ließ. Zum 2:3 durch den eingewechselten Deniz Batman (66., 67./Innenpfosten) fehlten nur Zentimeter. Kaum hatten sich die Hammer aus der Schockstarre gelöst und selbst viel versprechende Angriffe initiiert (Höfler/71., Hönicke/74.), zog ihnen Westerhoff mit seinem Kopfballtor zum 2:3 (78.) die Füße wieder weg. Oerterer setzte mit dem 2:4 (88.) den Schlusspunkt. - sst

Quelle Westfälischer Anzeiger 

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