fc guetersloh2000 ab 2010Langjährige Heidewald-Besucher glaubten, beim FC Gütersloh schon alles erlebt zu haben. Haben sie nicht. Gestern Nachmittag schlug der FußballOberligist einen neues Kuriositäten-Kapitel auf. Eine 3:0-Führung gegen die SpVgg Erkenschwick endete nach derben Schnitzern in der Defensive in einem 5:8 (4:4)-Desaster. »So eine Anzeigetafel habe ich hier noch nie gesehen«, sagte ein nachdenklich wirkender Thomas Birkenhake, beim FCG für den Bereich Spielbetrieb und Stadion zuständig, nach dem Abpfiff.

Erst vor drei Wochen die höchste Niederlage der Vereinsgeschichte beim 0:7 in Rödinghausen, jetzt erstmals in der Historie acht Gegentreffer im heimischen Heidewald – der FCG ist in dieser Saison auf Rekordjagd der negativen Art. »5:8 habe ich zuletzt beim Tipp-Kick gespielt. Da war ich zehn Jahre alt«, sagte FCG-Trainer Holger Wortmann mit einem Anflug von Galgenhumor: »Wenn es nicht so traurig wäre, dann könnte ich darüber lachen.«

Dabei fing alles so gut. Mit Hilfe der tief stehenden Sonne, die Gästetorhüter Christopher Ditterle beim 1:0 (12.) und 2:0 (16.) behinderte, sowie dank eines antrittsschnellen Gianluca Marzullo (24.) legt der FCG innerhalb von zwölf Minuten drei Tore vor. Sicherheit gibt dieses Zwischenresultat vor allem der Hintermannschaft indes nicht. Die bekanntermaßen brandgefährlichen Sebastian Westerhoff und Stefan Oerterer erfreuen sich der Freiräume, die ihnen die schlecht postierten Gütersloher geben. Nur sechs Minuten benötigt das Erkenschwicker Duo, um zum 3:3 auszugleichen. Fünf Minuten später heißt es gar 3:4. »Es kann nicht sein, dass wir bei so viel Erfahrung und Routine auf dem Platz so einen Vorsprung binnen kürzester Zeit aus der Hand geben«, sagt Holger Wortmann, der Manuel Bölstler aus seiner Kritik ausdrücklich herausnimmt.

Erfreulich ist zudem die Entwicklung bei Tugay Yilmaz, dessen Stärke bei Standardsituationen den FCG mit dem Pausenpfiff wieder zurück in die Partie bringt. Matthäus Wieckowicz vollendet per Kopfball zum 4:4. Die erste Heimniederlage der Saison brocken sich die Gütersloher dann selbst ein. »Wir haben das Spiel in den zehn Minuten nach der Halbzeit verloren. Da hatten wir die Möglichkeit, Ruhe ins Spiel zu bekommen und aus der Ordnung heraus zu agieren. Aber zwei unnötige Fehler haben uns dann das Genick gebrochen«, sagt Holger Wortmann nach dem zweiten schweren Rückschlag seiner im Wachstum befindlichen Truppe: »Im Defensivverhalten haben wir uns fürchterlich blöd angestellt. Das war katastrophal.«

Doch auch die Erkenschwicker offenbaren große Probleme in den hinteren Reihen, die eines Tabellendritten der Oberliga Westfalen unwürdig sind. Bezeichnend, das die erste Chance der gestrigen Partie erst in der 77. Minute von Michael Joswig gegen Oerterer vereitelt wird. Zuvor heißt es: Jeder Schuss ein Treffer. Somit ist auch einiges über das Niveau in dieser Spielklasse gesagt, die bis auf die beiden Ausnahmeteams Rödinghausen und Arminia Bielefeld II keine Konstanten zu bieten hat. Im 40. Vergleich mit der SpVgg. Erkenschwick kassierte der bislang 21 Mal siegreiche FC Gütersloh seine sicherlich bitterste Niederlage.

Von Dirk Heidemann / Westfalenblatt

Zum Seitenanfang