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fc eintracht rheineManche Fußballspiele sind ihr Eintrittsgeld nicht wert. Gestern hätte der FC Eintracht Rheine Sammelbüchsen aufstellen können, um von den 506 Zuschauern einen Extra-Obolus für 90 Minuten Fußball-Wahnsinn zu erbitten, der sich die nächsten zehn Jahre so nicht wiederholen wird. Mit 5:5 (3:2) boten die Kontrahenten aus Rheine und Erkenschwick das spektakulärste Unentschieden der jüngeren Oberliga-Geschichte.

„Für die Zuschauer war es ein fantastisches Spiel, für die Trainer eine Achterbahnfahrt“, fasste Gästetrainer Magnus Niemöller das Geschehen treffend zusammen und brachte es auf den Punkt: „Das war ein fantastisches Spiel!“

Wohl wahr. Schon nach 5:40 Minuten stieg der Adrenalinpegel. Christian Bußmann legte nach innen zu Rafael Figueiredo ab. Der Deutsch-Portugiese nahm Maß und traf zum frühen 1:0 unten rechts. Die Gäste wirkten defensiv zu sorglos und jubelten zu früh, als ihr Torjäger Stefan Oerterer aus dem Abseits erfolgreich war (7.). Weniger später verhinderte Mirco Heger mit einer Grätsche gegen Oerterer das fast sichere Gegentor.

Es ging rauf und runter. Figueiredo wollte nach innen flanken, traf aber den Arm von Tim Forsmann. Schiedsrichter Michael Negri entschied auf Handelfmeter und zeigte Forsmann Gelb. Manuel Dieckmann erhöhte vom Punkt auf 2:0 (13.). Es lief rund für den FCE, der sehr gutes Pressing spielte und Erkenschwick kaum Luft zum Atmen ließ. Nach Pass von Dieckmann entwischte Figueiredo seinem Schatten Davide Basile, umlief auch noch Torhüter Marcel Müller und schob ins Netz – 3:0 (28.).

Die Vorentscheidung lag in der Luft, aber Kevin Grewe stand der Sinn nach Spannung. Rheines defensiver Mittelfeld-Abräumer hatte bei seinem Rückpass auf Epker übersehen, dass Oerterer den Braten roch. Der Torjäger nahm das generöse Geschenk an und verkürzte auf 3:1. Es kam noch dicker, weil der FCE jetzt zu sorglos verteidigte: Erkenschwicks Spielmacher Westerhoff entwischte der Viererkette und nahm aus halbrechter Position erfolgreich Maß – die Kunstlederkugel zischte über Epkers Hände zum 3:2 in den Winkel (35.). Verwundert rieben sich die Zuschauer die Augen und blickten gespannt dem zweiten Durchgang entgegen.

Und der bot kein Stück weniger Drama. Wieder waren die Gäste an der Reihe: Oerterer passte nach innen, wo Linksaußen Janos Bluhm im zweiten Versuch das 3:3 markierte (56.).

Vier Minuten später schlugen die Platzherren zurück. Dieckmann, gestern mit einer Gala-Vorstellung auf dem Rasen, lupfte in den Lauf von Julius Hölscher, der aus spitzem Winkel zur erneuten Führung vollendete.

Figueiredo hätte nach Hölscher Flanke erhöhen können, wenn nicht gar müssen, wählte aber das falsche Mittel, indem er mit links abzog, anstatt den Kopf zu nehmen (75.). Erkenschwick kam erneut zurück: Wieder war es Oerterer, der aus dem Gewühl abschloss – 4:4 (80.). Die Heimniederlage drohte, als Florian Fricke die Oerterer-Flanke zum 4:5 über die Linie drückte (83.). Aber wieder spielte das Schicksal verrückt. Denn als Christopher Thomassens Flanke am ausgestreckten rechten Arm von Forsmann endete, pfiff der Schiedsrichter erneut Handelfmeter. Wieder verwandelte Dieckmann und rettete mit seinem zehnten Saisontor den verdienten Punkt.

„Hier haben zwei Mannschaften gegeneinander gespielt, die unbedingt gewinnen wollten“, urteilte Uwe Laurenz nachher und zog durchaus einen Nutzen aus der Partie: „Das bringt meine junge Mannschaft weiter.“

Von Dirk Möllers

Ein Video von der Partie FC Eintracht Rheine vs. Spielvereinigung Erkenschwick finden Sie auf herein.tv.