jubilinerndtebrueckManchmal muss man großen Fußballern einfach nur dankbar sein. Wie Oliver Kahn. Sein Freudenschrei nach einem der vielen gewonnenen DFB-Pokalfinals: „Da ist das Ding!“, ist längst kult. Ob es Jürgen Wielert auch einmal am Stimberg zu solch großer Ehre oder gar zum Kulttrainer auch ohne Trainerlizenz bringen wird, ist zwar ungewiss.


Das erlösende 1:0 von Tobi Bockhoff wird vom Anhang frenetisch gefeiert 


Doch in der Stunde des größten Triumphs der jüngeren Vereinsgeschichte, da bemühte auch Jürgen Wielert Olli Kahn. „Da ist das Ding!“, rief der Trainer, von mehreren Sektduschen nass bis auf die Haut, und reckte die Kopie einer Meisterschale, die Fans in weiser Voraussicht mitgebracht hatten, in die Höhe.
Da stand er nun, inmitten der Spieler und mitgereisten Fans, und genoss den Augenblick. Das 2:2 (1:2) bei Verfolger TuS Erndtebrück war der krönende Abschluss einer Saison, wie sie sich kaum einer besser hätte ausmalen können. Meister. Sportlicher Aufsteiger in die NRW-Liga. „Im letzten Jahr haben wir, als wir drin geblieben sind, alle gedacht: Das ist das Größte. Und jetzt das…“, japste Wielert, völlig fertig mit den Nerven. Der Pulverwald war nicht erst in diesen Minuten fest in „Schwicker“ Hand. Unter den 786 Zahlenden waren die Anhänger der Schwarz-Roten nicht zuletzt stimmlich die klar dominierenden.
„Das ist doch der Wahnsinn. Als ich die Schlangen an der Kasse gesehen habe, hätte ich vor Freude fast heulen können“, meinte mit Kapitän Thomas Falkowski einer, der die guten wie auch die schlechten Zeiten am Stimberg hautnah miterlebte.
„Für solche Momente pöhlt man doch“, schlug auch Marvin Schurig in die gleiche Kerbe. Mannschaft und Fans standen auch im 150 Kilometer entfernten Pulverwald eng zusammen – einmalig in dieser Liga. Die Stimmung unter den Fans hätte kaum besser sein können.
Noch nicht einmal zehn Minuten waren gespielt, da führten die Gäste schon mit 1:0. Sascha Leicher hatte einen Flankenball von Tobias Bockhoff ins eigene Netz geköpft. Nach gut 30 Minuten gar die scheinbare Vorentscheidung: Der fleißige Stefan Oerterer flankte auf Zouhair Allali, dessen Kopfball aus nächster Nähe den Weg ins Netz fand – 0:2.
„Kling Glöckchen klingelingeling, kling Glöckchen kling: Erkenschwicker wird Meister, Erndtebrück wird Zweiter…“, sangen die Fans in altbewährter Manier. Auch der Erndtebrücker Anschlusstreffer vor der Halbzeitpause konnte die Party nicht stoppen, die zwischenzeitlich auch im strömenden Siegerländer Regen weiter ging.
Doch ehe die Stimmung ihrem Höhepunkt zuschwappte der Dämpfer: Erndtebrück erhöhte den Druck, kam in der 83. Minute mittlerweile auch verdient zum 2:2 durch Markus Waldrich. Das große Zittern begann, die Anfeuerungen wurden zwar noch leidenschaftlicher, aber irgendwie auch etwas nachdenklicher: Drohte gar das schier Unfassbare, nämlich die dritte Niederlage in Folge?
Die ganze Energie entlud sich erst mit dem Schlusspfiff nach zwei quälend langen Zusatzminuten, die Schiedsrichter Marcel Neuer aus Gelsenkirchen dem Spitzenspiel gewährt hatte. Ein Spiel, an dessen Ende die Erndtebrücker mit dem Unparteiischen haderten. Weil einmal die Hand von Jan Schmidt im eigenen Strafraum zum Ball gegangen war (75.) und einmal Thomas Falkowski Waldrich recht rustikal am Sechzehner gestoppt hatte (78.).
„Machen wir das 3:1, passiert nichts mehr“, meinte dazu Trainer Jürgen Wielert und spielte auf zahlreiche Kontermöglichkeiten zwischen der 50. und 65. Minute an. Bei der besten, herausgespielt durch Dennis Warncke, rutschte Oerterer im Erndtebrücker Fünfmeterraum in den Ball, traf ihn aber nicht voll, sodass TuS-Keeper Göran Renner im letzten Moment klären konnte.
„Ein verdienter Sieg und eine verdiente Meisterschaft“, meinte am Ende daher nicht nur Zouhair Allali.
Der gläubige Moslem feierte die Meisterschaft auf seine Art und Weise: Mit einer Flasche stillen Mineralwassers. Auf die hatten die anderen aus seiner Mannschaft irgendwie keine Lust.
Verständlich, nach dieser Saison und einem Finale, in dem die Schwarz-Roten schon zwei Matchbälle liegen lassen hatten…

Quelle: Stimberg-Zeitung
 

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