niemoeller4Bruchlandung im Siegerland: Mit einer 1:2-Niederlage im Gepäck kehrte Westfalenligist Spvgg. Erkenschwick vom Gastspiel beim 1. FC Kaan-Marienborn zurück.


Aber nicht nur das: In der hektischen Nachspielzeit sah Sebastian Westerhoff noch die Rote Karte. „Wester“ hatte den Käner Florian Friedrichs zu Fall gebracht, der den ruhenden Ball gesperrt hatte. „Das ist noch schlimmer als die Niederlage selbst“, stöhnte Trainer Magnus Niemöller laut auf.

Allerdings symbolisierte diese Szene aufs vortrefflichste, woran es der Spvgg. im Breitenbachtal gehapert hatte: Cleverness. Hier ein taktisches Foul, da eine kleine Spielverzögerung – Kaan-Marienborn griff gestern vor 350 Zuschauern ganz tief in die Trickkiste. „Die waren einfach viel abgezockter als wir. Das alles fehlte uns ganz einfach“, meinte Niemöller.

Dabei schien zunächst alles für die Gäste zu laufen. Die hatten in den ersten 20 Minuten das Spiel voll unter Kontrolle und früh durch Thorben Menne auch die Führung erzielt. Der Innenverteidiger drosch den Ball in der zehnten Minute aus kurzer Entfernung in die Maschen.

Wer weiß, welchen Verlauf die Partie genommen hätte, hätte sechs Minuten später Alexander Glembotzki nicht die Riesenchance zum 0:2 fahrlässig vergeben. Stark in Szene gesetzt von David Sawatzki, war Glembotzkis Schuss aus zentraler Position 14 Meter vor dem Käner Tor aber einfach zu harmlos.

Die Gastgeber befreiten sich zunehmend und kamen vor allem über die starke rechte Angriffsseite immer wieder zu guten Flanken. Eine nutzte der im Erkenschwicker Strafraum sträflich frei gelassene Marius Jung, um nach exakt einer halben Stunde per Kopf den Ausgleich zu markieren.

Siegtreffer aus spitzem Winkel ins kurze Eck

Kurz nach dem Seitenwechsel zwei weitere Schlüsselszenen. Wieder begannen die Gäste stark, wieder hatten sie eine Großchance. Aber weder Glembotzki noch Westerhoff und Basile schafften es in der 48. Minute, im Strafraum den Ball auch über die Torlinie zu drücken. Im direkten Gegenzug – die Erkenschwicker Mannschaft war weit aufgerückt – kam Menne im Duell mit Klöckner einen Schritt zu spät. Der Käner Angreifer legte ab auf Henrik Blecker und der traf aus spitzem Winkel ins kurze Eck zum 2:1. Erkenschwicks Keeper Marcel Müller, der offenbar eine Flanke erwartet hatte, sah bei dieser Aktion nicht gut aus.

Den routinierten Platzherren um Ex-Profi Michael Kügler (u.a. Dynamo Dresden, SF Lotte) spielte die Führung natürlich in die Karten. Zwar hatte die Spvgg. mehr vom Spiel, richtig zwingend wurde sie aber nur höchst selten.
„Das war das erste Mal, dass wir uns schwer taten, zum Abschluss zu kommen“, kommentierte Magnus Niemöller eine von beiden Seiten verbissen und ziemlich hektisch geführte zweite Hälfte.

Dem Erkenschwicker Trainer fehlten im Siegerland die personellen Alternativen. Deniz Batman scheint den Verein kurzfristig in Richtung Wuppertaler SV Borussia verlassen zu wollen und stand gar nicht zur Verfügung, dazu durften Marcel Siwek und Marvin Piechottka nur zusehen, weil die Spvgg. und der FC 96 Recklinghausen bis zum Wochenende um die Transferentschädigung feilschten. So kam es, dass Dennis Warncke unverhofft in die Startformation rutschte. Der Linksfuß hatte weite Teile der Vorbereitung berufsbedingt verpasst.

Die aussichtsreichste Chance der Gäste wurde in der 71. Minute von Jarred Jörgens zunichte gemacht, der den eingewechselten Christopher Weißfloh im letzten Moment im eigenen Strafraum stellte. Zuvor hatte der bereits verwarnte Verteidiger in Höhe der Mittellinie ein Handspiel begangen, das aber nicht geahnt wurde.
„Hätte sich Weißfloh beim anschließenden Laufduell fallen lassen, wäre das Spiel unterbrochen gewesen und der Schiedsrichter nicht um die Gelb-Rote Karte herum gekommen. Aber wir sind eben zu lieb und nett. Er wollte unbedingt das Tor machen und ist dafür bestraft worden“, haderte Trainer Niemöller. 

von Olaf Krimpmann


 

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