pappas dimitrios2Der Befreiungsschlag schien nur eine Formalie, doch statt Freiheit zu feiern, schob die Spvgg. Erkenschwick auf der Heimfahrt aus dem Ostwestfälischen nur Frust. 1:0 in Überzahl geführt, ein halbes Dutzend erstklassiger Torchancen ausgelassen und so 1:2 bei Aufsteiger SC Paderborn II verloren: Das ist in aller Kürze das Resultat einer Dienstreise, die – soviel ist bereits jetzt sicher – nachhaltige Wirkung entfalten wird.

 

Auch er durfte sich versuchen: Dimitrios Pappas bleibt mit diesem Schuss aber in der vielbeinigen Paderborner Hintermannschaft hängen. Foto: Krimpmann

Kapitän Nils Eisen nahm Minuten nach dem Abpfiff kein Blatt vor den Mund, brüllte mehr, als dass er schrie, was ihm alles so auf diverse Körperteile geht, die an dieser Stelle besser nicht namentlich genannt werden sollten.

 Tugenden, die die Schwarz-Roten in den vergangenen Jahren ausgezeichnet hatten, scheinen der Spvgg. aktuell völlig abzugehen. Coach Magnus Niemöller erlebte Eisens Schimpftirade nicht mehr mit, er war bereits in die Kabine gegangen oder besser: Gefrustet geflüchtet.

 Sein Trainerkollege Mirko Dickhaut war zu diesem Zeitpunkt in bester Laune. „Ich glaube, dass es den Jungs nach den letzten Wochen richtig gut tut, dass sie heute der Fußballgott geküsst hat“, wurde der Ex-Profi prosaisch.

 Nun war es nicht der Fußballgott alleine, der dem SCP den ersten Saisonsieg bescherte, sondern zwei ganz banale Umstände: Torhüter Jonas Brammen, Leihgabe aus der Paderborner Zweitliga-Mannschaft, der sein Team mit fantastischen Aktionen im Spiel hielt. Und Erkenschwicker Nachlässigigkeit vor dem eigenen wie Ineffizienz vor dem SCP-Tor.

 Brammen lenkte früh den ersten Schuss durch Oerterer mit den Fingerspitzen um den Pfosten (5.) und war auch in der 31. Minute reaktionsschnell zur Stelle, als Oerterer noch einmal Maß nahm. Zuvor hatte David Sawatzki den Paderborner Torpfosten getroffen und das mögliche 0:1 ebenso knapp verpasst.

 Der SCP spielte in Gleichzahl gut mit, scheiterte in Form von Admir Saric am ebenfalls glänzend reagierenden Spvgg.-Schlussmann Marcel Müller (14.) und leistete sich dann einen Blackout.

 Nach einem vom guten Schiedsrichter Christopher Schütter mit Gelb geahndeten Foulspiel von Nils Eisen an Mirnes Pepic brannten bei Khaled Narey, der ebenfalls dem SCP-Profikader angehört, die Sicherungen durch.  Narey griff Timo Erdmann rustikal an den Hals, was nicht ungesühnt bleiben konnte – die Rote Karte wegen Tätlichkeit war daher nur folgerichtig (43.).

 In Durchgang zwei und in Überzahl legten sich die Gäste den Gegner zurecht. Oft gescholten wegen der chronischen Chancenarmut, schien die Spvgg. in Paderborn nun alles vergessen machen zu wollen. Wäre da nicht Jonas Brammen gewesen.

 Der SCP-Keeper klärte mit einem starken Reflex gegen den nur drei Meter vor dem Tor postierten Arda Nebi (48.) und gegen Oerterer und Nebi gleich im Doppelpack (59.). Brammen hatte das Glück des Tüchtigen, als ihn Kapitän Ahmet Aydincam beinahe selbst überlistete, der einen Schuss unhaltbar abfälschte, und war erst geschlagen, als Nebi – von Kevin Kokot bedient – das überfällige 0:1 markierte (56.).

 Auch im Anschluss blieb der Druck aufs Paderborner Tor groß, ehe die Heimelf in der 73. Minute die erste Offensivaktion seit gefühlt einer Stunde startete. Es war eine mit Folgen. Denn die führte zu einem Eckstoß, der von Sergio Taveiro Pinto getreten wurde. Der traf punktgenau auf den Kopf von Ahmet Aydincan, der am zweiten Pfosten nur einzunicken brauchte. Den Paderborner Kapitän bei der Zuteilung zu übersehen, dazu brauchte es schon einige Bräsigkeit!

 Mit dem Ausgleich wurde die Partie eine andere, die Chancenhäufigkeit ließ nach. Tim Forsmann verzog für Erkenschwick aus guter Position (77.), und Stefan Oerterer scheiterte einmal mehr an Brammens Flugkünsten (80.). Das entscheidende Tor fiel auf der anderen Seite: Mirnes Pepic legte bei einem Konter uneigennützig quer auf Marcel Rump, der nur zum 2:1 einzuschieben brauchte (83.) – womit der SCP gleichzeitig bewies, wie mannschaftsdienlicher Fußball geht.

von Olaf Krimpmann

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