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Wielert7Erkenschwicker Gastspiele an der Essener Hafenstraße bieten reichlich Raum für Erinnerungen – für gute wie schlechte. Dass die Spielvereinigung heute Abend erstmals seit zwölf Jahren wieder ihre Visitenkarte im Georg-Melches-Stadion abgeben (Freitag, 19.30 Uhr - Georg-Melches-Stadion) wird, empfindet Trainer Jürgen Wielert als große Ehre. „Rot-Weiss Essen“, sagt der Erkenschwicker Trainer, „gehört doch gar nicht in diese Liga.“

 

Auf Augenhöhe sind sich die beiden Traditionsverein in den vergangenen 60 Jahren immer wieder begegnet. Mal mehr und mal weniger.
Am 25. Januar 1953 setzte es für die über ihren Zenit gekommenen „Himmelsstürmer“ an der Hafenstraße ein 0:9. Süß war hingegen die Niederlage im letzten Pflichtspiel beider Mannschaften am 17. Mai 1998: Am letzten Spieltag der Regionalliga West/Südwest war die Spvgg. bereits gerettet – und RWE abgestiegen.
Trotz des bedeutungslosen 2:4 skandierten die mitgereisten Spvgg.-Fans: „Absteiger, Absteiger!“ Und es gab aus Sicht der Schwarz-Roten unvergessene Momente, wie etwa beim 6:4 am 27. Januar 1952.
Wie auch immer: RWE - Spvgg. Erkenschwick elektrisiert die Zuschauer. Rund 6 000 werden heute Abend erwartet, vom Stimberg aus werden neben zwei Fan-Bussen auch etliche Pkw unterwegs sein. Auf die Unterstützung der eigenen Zuschauer kann die Mannschaft also bauen, auch wenn der Glanz früherer Zeiten hier wie dort längst verblasst ist. NRW-Liga heißt die Gegenwart. Für das insolvente Essen zu wenig, für die Spvgg. aktuell das Äußerste der Gefühle, wofür die Mannschaft und der ganze Verein schwer kämpfen müssen.
So, wie es auch heute Abend der Fall sein dürfte. Für Jürgen Wielert stellt sich die Favoritenfrage erst gar nicht, und vom klaren 4:1-Erfolg in der Vorbereitung lässt sich der 50-Jährige schon gar nicht blenden: „Das Spiel kommt nicht in die Wertung.“ Denn sehr wohl habe er bereits im Sommer erkennen können, dass bei RWE Potenzial schlummere: „Wenn man die herausragenden Kräfte der ersten Hälfte und die der zweiten zusammennimmt, dann hat man eine ganz starke Mannschaft. Und das hat mein Trainerkollege getan.“
Lobende Worte gibt es aber auch von der Hafenstraße. Der Tabellen-17. Erkenschwick, so sagte es Waldemar Wrobel unlängst, habe doch das mit Abstand schwerste Auftaktprogramm gehabt. In der Tat trifft die Spvgg. heute im neunten Spiel auf die sechste Mannschaft, die sich unter den Top sieben der Liga befindet. Und auch Wielert weiß: Der Druck, gegen die Kellerkinder unbedingt siegen zu müssen, steigt mit jeder weiteren Niederlage.
„Das alles wussten wir doch vorher“, sagt der Trainer. „Wir dürfen uns jetzt nicht verrückt machen lassen.“ Natürlich wurme es auch ihn, wie leichtfertig seine Truppe schon einige Punkte habe liegen lassen, wie etwa beim 0:2 am letzten Sonntag gegen Westfalia Herne. „Aber sollen wir deshalb jetzt aufhören Fußball zu spielen?“
Zugute kommt den Gästen heute, dass sich das Lazarett gelichtet hat. Thorben Menne und Timo Ostdorf befinden sich wieder im Mannschaftstraining, was Wielert vor allem im Mittelfeld neue Optionen eröffnet. Letztmals pausieren muss Keeper Marcel Müller, der nach seiner Roten Karte am vergangenen Mittwoch in Speldorf für zwei Spiele gesperrt wurde. Entwarnung gab es bei Mirko Talaga. Dessen Knieverletzung stellte sich „nur“ als Kreuzband- und Innenband-Anriss heraus.
INFO Rot-Weiss Essen - Spvgg. Erkenschwick
Freitag, 19.30 Uhr - Georg-Melches-Stadion

von Olaf Krimpmann