bassile  niemoellerUnverhofft kommt bekanntermaßen durchaus oft, und dass an diesem späten Pfingstmontagnachmittag irgendwann noch einmal ein Tor fallen würde im Oer-Erkenschwicker Stimberg-Stadion, hätten selbst kühnste Optimisten nicht für möglich gehalten. Bis zur 84. Minute.

 

Davide Basile Magnus Niemöller Spvgg. Erkenschwick Fußball Oberliga Westfalen Torjubel Saison 2014/2015 Später Jubel am Stimberg: Davide Basile und Trainer Magnus Niemöller klatschen nach dem Siegtreffer in der 84. Minute ab. Foto: Olaf Krimpmann

Dort staubte in Gerd-Müller-Manier der aufgerückte Spvgg.-Innenverteidiger Davide Basile den Ball aus fünf Metern Torentfernung ins Neuenkirchener Netz ab. Bei diesem einen Treffer blieb es dann auch bis zum Schluss: Schwarz-Rot besiegte die Gäste aus dem Münsterland 1:0.

 Ob verdient oder nicht, diese Frage stellte sich Erkenschwicks Trainer Magnus Niemöller erst gar nicht: „Mehr als drei Punkte waren heute für uns eh’ nicht drin. Ich habe der Mannschaft daher gesagt, sie solle sich mal so richtig freuen.“

Neuenkirchens Trainer Stefan Rother nahm das 0:1 als das, was es aus Neuenkirchener Sicht war: Ärgerlich hoch zehn. „Ich habe ein typischen 0:0-Spiel gesehen mit vielleicht fünf Chancen auf beiden Seiten.“ Und damit hatte der Übungsleiter auch ziemlich gut gerechnet.

 Es war ja nicht so, das sich vor etwa 250 Zuschauern zwei Mannschaften gegenüber standen, die nicht wüssten, wie ein guter, flotter Ball gespielt wird. Irgendwie plätscherte die Partie aber von Beginn an dahin – sie schmeckte bildlich gesprochen, als ob man einen guten Bordeaux-Rotwein in eine billige Pappverpackung gefüllt und diese kräftig geschüttelt hätte – nur dass am Ende der Rausch komplett fehlte.

 Erkenschwicks gefährlichster Angreifer war zunächst David Sawatzki, der mit einem Kopfball aus kurzer Distanz die Reaktionsschnelligkeit von Neuenkirchens Schlussmann Jonas Gottwald testete (31.). Die war schon exorbitant gut, aber nicht minder schlecht war die Parade, die Erkenschwicks Goalie Tim Oberwahrenbrock bei einem Schuss von Fabian Sandmann zeigte (53.). Nur sechs Minuten später rettete Oberwahrenbrock per Fußabwehr gegen den allein auf ihn zustürmenden Julian Knocke.

 Stefan Rother trauerte diesen Chancen mit einigem Recht hinterher, denn weitere nennenswerte gab es in dieser Partie für sein Team nicht mehr. Weil Erkenschwick wie Neuenkirchen nach gut einer Stunde wieder ihre Ordnung fanden und sich bis auf den letzten Zentimeter neutralisierten. Spät kamen die Schwarz-Roten leicht auf: Erst setzte Stefan Oerterer einen Freistoß aus 20 Metern knapp über die Querlatte (76.), dann trat „Ö“ den Freistoß, der zum 1:0 führte.

 Neuenkirchens Abwehr konnte den Ball zwar klären, aus dem Hintergrund aber kam Tim Kilian zum Schuss. Abermals verfing sich der Ball in der Abwehr, nur dass diesmal Davide Basile zur Stelle war (84.). Es war weit weniger die Entstehung dieses Tores an sich, die Neuenkirchens Coach Stefan Rother wurmte, sondern die Aktion zuvor: Ein Foulspiel von Lars Brechler an David Sawatzki.

„Völlig überflüssig“, ärgerte sich Rother. Ihm wie seinem Trainerkollegen Magnus Niemöller war da nämlich längst klar: Entweder ein Geniestreich oder aber ein kolossaler Fehler würde diese Partie entscheiden. Zu ersterem waren an diesem Tage aber beide Teams nicht in der Lage.

von Olaf Krimpmann

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