Nebi ardaNach 86 Minuten durfte Björn Traufetter endlich den Rasen des Stimberg-Stadions verlassen. Doch bevor sich Lippstadts Doppeltorschütze rund angereisten 100 Fans zuwendete, hielt er kurz inne, lief eine kleine Kurve und tätschelte den Erkenschwicker Arda Nebi. Der Torjäger wusste: Sein ehemaliger Kollege braucht Trost.

 

Auch die Treuesten unter den Erkenschwicker Anhängern ahnten: Die Mannschaft nach dieser kapitalen 1:4-Pleite auch noch herunterzuputzen, bringt gar nichts. Also spendeten sie warmen, aufmunternden Applaus. Zumindest den Schwarz-Roten, die nicht umgehend und mit hängenden Köpfen in die Kabine gestapft waren.

 Keine Frage: Am Stimberg herrscht nach fünf Oberliga-Spieltagen Frust. Eine Spitzenmannschaft wollen beide sein: Spvgg. Erkenschwick wie SV Lippstadt 08. Dem Anspruch gerecht werden aktuell aber nur die Gäste. Lippstadt gewann auch in der Höhe verdient und zeigte einen Klassenunterschied auf.

 Die Mannschaft von Trainer Stefan Fröhlich präsentierte sich am Stimberg ball- und passsicher, laufbereit und zweikampfstark. Und vor allem war sie bestens organisiert. Fast immer hatten die Gäste in Ballnähe Überzahl und wussten, brenzlige Situation spielerisch aufzulösen. So tritt eine Mannschaft auf, die aufsteigen will und kann.

 Von dieser sportlichen Klasse ist die Spvgg. weit entfernt. Mehr noch: Zum großen Ärger von Trainer Magnus Niemöller öffnete sie den Gästen auch noch Tür und Tor zum Erfolg am Stimberg. Mit mieser Abwehrarbeit und teils grotesken Fehlpässen.

 So brauchte Björn Traufetter nicht mal 60 Sekunden, um den SV Lippstadt in der 7. und 8. Minute mit 0:2 in Führung zu bringen. Tödlich gegen eine so selbstsichere Elf.

 Einmal verloren allerdings auch die Gäste die Übersicht: Deniz Batman durfte in der 12. Minute eine Flanke des emsigen Arda Nebi zum 1:2 frei stehend ins Tor drücken. Signalwirkung ging von dem Treffer aber nicht aus – Lippstadt kontrollierte weiter Ball und Gegner.

 Und als kein Erkenschwicker meinte, den starken Danilo Fernando Evangelista De Souza stören zu müssen, hielt der Brasilianer aus 30 Meter drauf – 1:3 (24.).

Oerterers Freistoß ist noch die beste Gelegenheit

 In der zweiten Hälfte machten die „Schwicker“ ihre Sache etwas besser: Sie ließen Lippstadt nicht mehr ganz so viel Raum. Auch sank die Fehlpassquote. Wirklich voran kam das Spiel aber auch nicht: Um Erkenschwicker Angriffe zu verteidigen, brauchte es gestern nicht viel. Der Offensive fehlen derzeit Ideen, Tempo, Wucht und Präzision.

 Nach 51 Minuten strich ein Freistoß Stefan Oerterers 30 Zentimeter über Lippstadts Kasten. Das war noch die beste Erkenschwicker Chance nach der Pause. Bemüht, aber wirkungslos – so fiel das Urteil über die schwarz-roten Offensivbemühungen aus.

 Wie zur „Strafe“ wurden die Hausherren in der Nachspielzeit noch einmal abgewatscht: Adrian Jevric, vielleicht Lippstadts Bester am Stimberg, lupfte den Ball nach einem Konter lässig über Torhüter Marcel Müller ins Netz (90.+1).

Quelle: Stimberg-Zeitung

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