(thb) Es hat schon fast Tradition: Wenn die Not bei der Spvgg. Erkenschwick besonders groß ist, dann helfen die Junioren dem Verein aus der Patsche. Die A-Jugendlichen Alexander Glembotzki und Dominik Ernst haben längst ihr Debüt in der Westfalenliga gegeben.

Und am Sonntag, beim überraschenden 2:2 gegen den SC Paderborn 07 II, fand sich unversehens Marcel Siwek in der Startformation wieder. Der machte seine Sache so gut, dass hinterher alle voll des Lobes waren.

Trainer Jürgen Wielert bescheinigte "den jungen Wilden" eine tadellose Vorstellung. Und Arek Grad, einer der wenigen Routiniers, die es noch gibt im Klub, empfahl, das Trio aus der A-Jugend auf Dauer in den Kader zu integrieren. "Eigentlich können wir gar nicht mehr auf sie verzichten", meinte der Mittelfeldmann nach dem unverhofften Punktgewinn gegen den Tabellenzweiten.

Solches Lob hört Magnus Niemöller gern. "Es ist doch auch unsere Pflicht, Spieler nach oben zu bringen", sagt der Trainer der Erkenschwicker A-Jugend. "Vor allem in einer Phase, in der es dem Verein nicht so gut geht."

Ausdrücklich sagt Niemöller "wir", wenn er über die Arbeit bei den A-Junioren redet. Der 34-Jährige, seit 2002 als Jugendtrainer im Klub, sieht sich als "Teamspieler": Zusammen mit Andreas Letzner und Klaus Maßmann hat er die A-Junioren als eine der erfolgreichsten Mannschaften der letzten Jahre in der Westfalenliga etabliert. 2006 schaffte der Klub gar den Aufstieg in die Bundesliga.

Trainingsarbeit, Talente sichten, junge Spieler in den Klub holen - das sei allein nicht zu schaffen. Wie erfolgreich Niemöller und sein Team gearbeitet haben, zeigt ein flüchtiger Blick auf die Aufstellung der Spvgg. vom vergangenen Sonntag.

Schurig, Ljustina, Krupke, Siwek, Wels, Ernst, Bockhoff, Glembotzki, die angeschlagenen Brüggenkamp, Bönighausen, Ersatztorhüter Kunz - kaum ein Spieler findet sich im Team, der nicht Niemöllers Ausbildungsbetrieb durchlaufen hat. Rechnet man die Spieler dazu, die den Verein verlassen und in Herne, Hüls, Recklinghausen und anderswo kicken, käme ein erstklassige Mannschaft zusammen.

Und: Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Verein mit Hilfe seiner A-Jugend regeneriert. "Ein schöneres Kompliment kann es für einen Jugendtrainer doch gar nicht geben", sagt Magnus Niemöller. Keine Frage, ohne A-Junioren ginge es dem Verein, der ein Insolvenzverfahren durchläuft, noch weitaus mieser.

Allerdings: Niemöller ist viel zu ehrgeizig, um sich allein als Zuarbeiter fürs Seniorenteam zu verstehen. Die A-Junioren der Spvgg. spielen in der Westfalenliga eine ansprechende Saison. Neun Punkte beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Preußen Münster aktuell. Die Spvgg. hat aber noch ein Nachholspiel bei Eintracht Dortmund auszutragen. Die Gelegenheit, den Abstand auf sechs Punkte zu verkürzen.

Vom Titel will Niemöller nicht reden. "Aber die Tabellenspitze wäre bei einem Erfolg in Reichweite", sagt der Trainer. "Und wir wären nicht die Ersten, die bei dieser Ausgangslage noch mal für Spannung gesorgt hätten." Die Chance, in dieser Spielzeit noch etwas zu erreichen, sei einfach zu verlockend.

Droht da ein Interessenkonflikt zwischen den Ambitionen von A-Jugend und dem Abstiegskampf in der Westfalenliga? "Ich halte es für falsch, da ein Konkurrenzdenken aufkommen zu lassen", sagt Trainer Niemöller über Abstellungen für die 1. Mannschaft. "Wir werden uns im Januar zusammensetzen, in Ruhe diskutieren und eine Lösung finden, die beiden Seiten gerecht wird."

Die will gut überlegt sein: Am 1. Februar holt die Spvgg. in der Westfalenliga ihr Spiel bei SuS Neuenkirchen nach. Für den gleichen Tag ist die Partie der A-Junioren bei Eintracht Dortmund angesetzt.


22.12.2008 | Quelle: Medienhaus Bauer

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