kasak christoph1Ganz gleich, wie jeder das 4:3 (3:3) zwischen Westfalia Herne und der Spvgg. Erkenschwick einordnet – als Herner Triumph des Willens in einem rassigen Derby oder als Erkenschwicker Fehltritt im Stadion Strünkede –, eins ist unbestritten: Dieses Revierderby bietet noch lange Gesprächsstoff. Dass es das 50. war und damit der Jubiläums-Schlager, rundet die Sache nur ab.

 

Wo aber anfangen und wo aufhören mit der Schilderung wichtiger wie entscheidender Szenen in einem Derby vor 474 Zuschauern, das in den ersten 45 Minuten so turbulent verlief wie mancher Besuch auf der Palmkirmes?

 Dreimal waren die Gäste in Führung gegangen, zugegeben dreimal unter tätiger Mithilfe des SCW. Beim 0:1, das Stefan Oerterer früh per Kopf markierte (9.), fühlte sich niemand für die Erkenschwicker Strafraumspieler zuständig, wie beim 2:3, ebenfalls per Kopf von Janos Bluhm erzielt (40), beides im übrigen Co-Produktionen der beiden Erkenschwicker Offensivkräfte. Geradezu haarsträubend war der Fehlpass von Christian Luvuezo, der Oerterer zum 1:2 einlud (33.).

 Aber auch die Gäste hatten die Spendierhosen an. Etwa in der 12. Minute, als Tim Forsmann an einem Freistoß vorbei rauschte und Dennis Gumpert freie Bahn zum 1:1 hatte. Oder in der 35. Minute, als Fatmir Ferati zwar eine schöne, aber doch ziemlich vorhersehbare Körpertäuschung genügte, um sich Platz zu schaffen zum 2:2.

 Ganz zu schweigen vom Ausgleichstreffer in der 45. Minute, als Erkenschwicks Christoph Kasak einen Schuss von Sebastian Mützel unglücklich in die eigenen Maschen abfälschte. Denn: Es war der Treffer, der die stärkste Wirkung entfaltete.

„Das 3:3 mit dem Pausenpfiff war ein richtiger Runterzieher, von dem haben wir uns nicht mehr erholt“, so ein Erkenschwicker Trainer Magnus Niemöller, der eine solch wacklige Erkenschwicker Mannschaft wie gestern selten gesehen haben dürfte – wobei nicht nur die Defensive oft nicht im Bilde war.

Wortmann sicher: "Wir bleiben drin"

 Offensiv hatten die Schwarz-Roten bis zur Pause sogar noch etwas zu bieten, fanden aber zweimal im glänzend parierenden SCW-Schlussmann Benjamin Carpentier (gegen Eisen und Oerterer) ihren Meister.

 Dass beide Teams nach der Pause den Rückwärtsgang einlegten, kam angesichts des „Tags der offenen Tür“ zuvor nicht überraschend. Die Partie verlor an Unterhaltungswert, wurde dafür allerdings intensiver, was zu vielen Unterbrechungen, Rudelbildungen und Freistoß-Situationen führte. Einen Freistoß aus 20 Metern Torentfernung nutzte Fatmir Ferati in der 61. Minute, um den Gästen den Todesstoß zu versetzen.

 Mit Leidenschaft rettete der SCW gegen allerdings recht blind anrennende Erkenschwicker das 4:3 ins Ziel. Die Ampelkarte für Davide Basile (88.; wiederholtes Foulspiel) spielte keine Rolle mehr.

 Ein Sieg, den sich Herne nicht nur für Magnus Niemöller verdient hatte und der dort ausgiebig gefeiert wurde. Die Stimmung im Vereinsheim „Tilkowski“ war so prächtig, dass Hernes stets mahnender Trainer Wortmann („Der Abstiegskampf ist kein Sprint, sondern ein Marathon“) sicher ist: „Am Ende des Tages möchte ich sagen: Wir bleiben drin!“

von Olaf Krimpmann

Am Rande:

• Kuriose Szene in der 45. Minute: Deniz Batman sieht die Gelbe Karte – auf der Bank! Der Erkenschwicker Ersatzspieler hatte sich an der Seitenlinie ein Wortgefecht mit Hernes Kapitän Fatlum Zaskoku geliefert. Der Auslöser nach Worten von Deniz Batman: „Er hat unseren Trainer als Hampelmann bezeichnet.“

• Für Batman war’s die fünfte Gelbe Karte. Er ist am Samstag im Heimspiel gegen Gütersloh (Anstoß: 16 Uhr) ebenso gesperrt wie Davide Basile.

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