tor_im_stimberg-stadionNeun Zentimeter – für einige sind sie nicht die Welt. Für die Spvgg. Erkenschwick können sie im Abstiegskampf noch ziemlich wichtig werden. Und das in doppelter Hinsicht.

 


Stein des Anstoßes: Die Tore im Stimberg-Stadion. Foto: Krimpmann 

 
Um exakt neun Zentimetern fehlt es den Toren im Stimberg-Stadion an Höhe (wir berichteten gestern). Das stellte der Schiedsrichter der NRW-Liga-Partie am Sonntag gegen Westfalia Herne, Nikolaus Athanassiadis, fest. Hätten die Schwarz-Roten ihr Spiel gegen Herne gewonnen, der Gegner hätte einen Grund gehabt für einen Einspruch.
Dass der in ziemlich weiter Ferne lag, verdankt der Verein den kulanten Gästen. Spvgg.-Geschäftsführer Wolfgang Urbanczyk: „Wir haben vor dem Spiel mit den Herner Verantwortlichen gesprochen, die hatten keine Bedenken.“ Auch Schiri Athanassiadis pfiff die Partie an und vermerkte die fehlenden neun Zentimeter nicht einmal im Spielbericht.
Trotzdem ist nun die Stadt als Eigentümer des Stimberg-Stadions am Zuge. Schließlich tobt am Stimberg der sportliche Überlebenskampf gleich für zwei Mannschaften. Nicht auszudenken, auch die U19 würde in der Bundesliga West ein Opfer der fehlenden Zentimeter. Wenn etwa Wuppertal, Düsseldorf oder Bochum – allesamt Konkurrenten im Tabellenkeller – nur unter Protest am Stimberg aufliefen? Oder die zu niedrige Latte, wie sie Stefan Oerterer am Sonntag bereits anvisierte, einem eigenen Torerfolg im Wege steht?
Einen ähnlichen Fall hatte es im August 2007 im Sportpark Dattenfeld gegeben. Dort monierte der SV Straelen die Torgröße. In der Tat maßen die Gehäuse in der Höhe nur 2,30 Meter statt der vorgeschriebenen 2,44 Meter. In der Mitte hing die Torlatte sogar bis auf 2,27 Meter durch.
Straelen, in Windeck mit 0:4 unterlegen, schuf einen Präzedenzfall und drückte am 5. November 2007 vor dem Verbandsgericht des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes ein Wiederholungsspiel durch.
Dass es dazu nicht kam, verdankte Windeck dem DFB. In der Revision am 23. Januar 2008 kassierte das Bundesgericht das Urteil des WLFV-Gerichts. Glück für Windeck, das um die Qualifikation für die neue NRW-Liga kämpfte. Der Vorsprung auf den ersten Nicht-Qualifikationsplatz betrug am Saisonende vier Punkte. Selbst eine Niederlage in einem Wiederholungsspiel hätte den Verein nicht aus der Bahn geworfen – wohl aber für noch etwas mehr Spannung im Saisonendspurt gesorgt. Auf die können sie am Stimberg gerne verzichten.
Gestern Nachmittag rückten die Mitarbeiter des Bauhofs aus, an einer Lösung wird nun bis zu den nächsten Heimspielen mit Hochdruck gearbeitet. Am 5. Oktober kommt Bundesligist FC Schalke 04 mit seinem Stürmerstar Raúl – und der weiß nun wirklich ganz genau, wie groß ein Tor zu sein hat. Bei der Stadtverwaltung war man schlichtweg erstaunt.
„Neun Zentimeter sind schon heftig“, räumte der städtische Sprecher Peter Raudszus ein. „Aber der Schiedsrichter hat richtig gemessen.“ Natürlich würden während der Platzpflege im Sommer auch die Tore auf den Plätzen der Stadt kontrolliert. Umso unerklärlicher sei es nun, dass solch eine Diskrepanz entstanden sei, so Raudszus. „Die Kollegen vor Ort sind auch ganz fertig.“
Dass sich im Laufe einer Saison die Torhöhe sogar bis zu wenigen Zentimetern verändern kann, ist nicht ungewöhnlich. Durch Ausbesserungen des besonders beanspruchten Torraumes, aber auch durch natürliche Wurzelbildung des Rasens steigt die Oberfläche stetig an, heißt es bei einem führenden Tor-Hersteller. Nur das Aluminium wächst nicht mit.

von Olaf Krimpmann

 

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