nrw-liga-logo-144Soll keiner sagen, der DFB sei der Basis entrückt und dessen Beschlüsse seien nicht weit reichend für den Amateurfußball. Beim Bundestag in Essen wurden mindestens zwei solcher Entscheidungen getroffen.



 
Während die Regionalliga-Reform erhebliche Konsequenzen sogar über die NRW-Liga hinaus haben dürfte, betrifft die Verschärfung des Vertragsamateur-Status auch etliche Bezirks- und sogar Kreisligisten direkt.
Seit geraumer Zeit ist es leicht möglich, Spieler mit sofortiger Wirkung von Vereinen abzuwerben ohne eine Ablöse zu zahlen. Dazu muss man sie zu Vertragsamateuren machen. Die Mindestvergütung, die nach Paragraf 8, Absätze 1 und 2 der DFB-Spielordnung entrichtet werden muss, beträgt 150 Euro.
In die Röhre schaute stets der abgebende Verein, der sich um die Ablöse gebracht sah. Leidtragende waren nicht nur Verbands- und Landesligisten, sondern auch etliche Kreisligavereine.
Diesen „Wildwuchs“ will der DFB bekämpfen – und zwar zum Schutz der kleinen Vereine, wie Dr. Rainer Koch, Vizepräsident Recht im DFB, es gestern formulierte. Einmütig stimmte der Bundestag dafür, dass das Mindestentgelt für Vertragsamateure ab dem 1. Juli 2011 250 Euro betragen muss. Zuzüglich Steuern und Sozialabgaben hat ein Verein dann je Spieler rund 400 Euro pro Monat zu entrichten.
„Dann werden sich einige Vereine wohl sehr gut überlegen, ob eine Ablöse nicht doch der bessere Weg ist“, so der Kreisvorsitzende Hans-Otto Matthey.
Der Recklinghäuser war als Delegierter des FLVW in Essen dabei und unterstützt die neue Regelung: „Die macht auf jeden Fall Sinn.“ Sinn macht in diesem Zusammenhang auch der außerdem gefasste Beschluss, mit dem der Verband die Möglichkeit erhält, den Nachweis über die tatsächlichen Zahlungen über die gesamte Vertragslaufzeit einsehen zu dürfen.
Angedacht war ursprünglich sogar, die Gehaltsmindestgrenze für Vertragsspieler auf 400 Euro anzuheben. Die sei rechtlich aber wohl nicht haltbar, wie Koch sagte.
Dass Vertragsamateure selbst in unteren Ligen keine Seltenheit sind, belegt die Tatsache, dass alleine die heimischen Bezirks- und Kreisligisten in dieser Saison bereits mehr als 50 Vertragsspieler eingesetzt haben.
Positiv für die Klubs ist: Bestehende und über den 1. Juli 2011 hinaus laufende Verträge sind von der Neuregelung ausgenommen.
Auf Vertragsamateure bauen auch die NRW-Ligisten VfB Hüls und Spvgg. Erkenschwick. Die dürften in naher Zukunft noch mit anderen Problemen zu kämpfen haben: Wo liegt ihre Zukunft?
Durch die gestern mit 25 Gegenstimmen verabschiedete Regionalliga-Reform wird es ab der Spielzeit 2012/2013 eine Regionalliga West geben, die unter Verwaltung des Westdeutschen Fußball- und Leichathletikverbandes stehen wird. Nur: Wozu soll der WFLV dann noch eine NRW-Liga unterhalten?
Für Hans-Otto Matthey liegt die Sache auf der Hand: „Jetzt sind die Regionalverbände am Zug. Ähnlich, wie es eine Nieder- und eine Mittelrheinliga gibt, wird es zu einer eingleisigen Westfalenliga kommen, die die höchste Spielklasse im FLVW sein wird.“ Die Folge: Es wird in einem absehbaren Zeitraum zur lange angekündigten Liga-Reform auch in Westfalen kommen, an deren Anfang ein verstärkter Abstieg steht.
Und der dürfte sich bis in die Kreisligen ziehen. Für die NRW-Ligisten VfB Hüls und Spvgg. Erkenschwick stellt sich die Frage, ob die sportlichen wie finanziellen Möglichkeiten ausreichend sein werden, um den Kampf um einen der zusätzlichen Plätze in den Regionalligen aufnehmen zu können, ober ob die Westfalenliga die neue Heimat werden wird.
Die dann kaum etwas anderes sein wird als die alte Oberliga Westfalen – nur tiefer.

von Olaf Krimpmann

 

 

Zum Seitenanfang