ritzDie zwei Herzen, die in ihren Brüsten schlagen, sie kommen nicht von ungefähr: Dass sich Tobias Ritz als Stammkeeper bei ETB SW Essen und Martin Setzke als langzeitverletzte Offensivkraft bei den Essenern mächtig auf die NRW-Ligapartie am Sonntag gegen die Spvgg. Erkenschwick freuen, liegt jedenfalls auf der Hand.


Stammkraft zwischen den Pfosten bei ETB Schwarz-Weiß: Tobias Ritz freut sich am Sonntag auf ein Wiedersehen mit der Spvgg. Erkenschwick. Foto: Krimpmann 
 
Setzke, Ur-Erkenschwicker mit unverändert guten Kontakten zu den Schwarz-Roten („Irgendwann will ich wieder hier spielen“), tut’s ohnehin. Und auch Tobias Ritz drückt den Schwarz-Roten die Daumen – nur nicht am Sonntag.
„Ich wünsche der Spvgg. alles Gute. Dort habe ich vier meiner besten Jahre als Sportler verbracht“, sagt der mittlerweile 29-Jährige. Nur am Sonntag, da müsse die Spvgg. wohl mit leeren Händen vom Uhlenkrug heimfahren. „Verlieren dürfen wir nicht. Wenn’s hoch kommt, könnte ich vielleicht mit einem 0:0 leben“, sagt Ritz.
Am Stimberg hat sich der Keeper in den Jahren von 2002 bis 2006 ein kleines Denkmal gesetzt. „Der Aufstieg in die Oberliga damals war schon mit das Größte, was ich erleben durfte“, meint der Essener. Als die Spvgg. im letzten Mai die Meisterschaft in der Westfalenliga feiern durfte, war Tobias Ritz einer der ersten Gratulanten.
Die „Ritz-Ritz-Ritz“-Rufe der Erkenschwicker Fans klingen ihm schließlich noch heute wie Musik in den Ohren. Seitdem hat am Stimberg kein weiterer Torhüter über einen solch langen Zeitraum seinen Stammplatz im Tor behaupten können.
Aber auch ETB Schwarz-Weiß hat es Ritz offenbar gut getroffen. Zwischen den Pfosten hat sich der Bankkaufmann seit Jahren als erste Kraft etabliert, und auch am Uhlenkrug gab es so manchen Höhepunkt zu feiern. Wie etwa den 2:1-Pokalsieg vor 11 000 Zuschauern an der Hafenstraße. Oder aber das NRW-Liga-Duell mit dem in Essen weit populäreren Arbeiterklub RWE am heimischen Uhlenkrug vor 10 000. „Da habe ich sogar einen Elfmeter gehalten“, blickt Ritz zurück. Genutzt hat es wenig, ETB verlor trotzdem mit 0:1.
Mit dem Nachholspiel am Sonntag gegen seinen alten Verein will Schwarz-Weiß eine kleine Aufholjagd starten. Zehn Punkte sind’s bis zum ersten Aufstiegsplatz, wobei ETB zwei Spiele weniger auf dem Konto hat als die Führenden Germania Windeck und RWE. „Planen kann man das zwar alles nicht“, sagt Tobias Ritz. „Aber versuchen wollen wir es schon. Abwarten, wie die Rückrunde laufen wird.“
Am Torhüter liegt es jedenfalls nicht, dass die Elf von Trainer Dirk Helmig als Tabellenvierter schon einen beträchtlichen Rückstand aufs Spitzen-Duo aufweist. Mit 13 Gegentoren in 14 Spielen hat ETB die drittbeste Abwehrbilanz nach dem Führungs-Duo vorzuweisen. Nur vorne drückt der Schuh: 19 Tore in 14 Spielen sind nicht die Welt.
Doch ganz so verbohrt, wie er vielleicht früher war, ist Tobias Ritz heute nicht mehr. „Vor ein paar Jahren noch wäre es für mich das Größte gewesen, mal in der Regionalliga zu spielen. Aber das ist heute vorbei.“ Der Beruf stehe nun mal im Vordergrund, auch wenn sich Ritz mit 29 Jahren aktuell im besten Torhüter-Alter befindet.
Immerhin dürfte der Zerberus froh gelaunt ins Spiel gegen seinen Ex-Verein gehen. Am Donnerstag legte Ritz erfolgreich eine berufliche Qualifizierungsprüfung ab. Qualifiziert, die Erkenschwicker Torschüsse zu stoppen, ist der 29-Jährige ebenfalls genug. Hoffnung hat Ritz für die Spvgg. trotzdem: „Die Mannschaft ist nicht so schlecht. Sie wird die Liga halten, auch wenn sie am Sonntag nicht gewinnen wird.“ Wozu er sorgen will – schweren Herzens.

von Olaf Krimpmann

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