BierNicht nur die Leistungen auf dem Rasen waren meisterlich. Nach dem 2:2 beim TuS Erndtebrück haben die Spvgg. Erkenschwick und ihre Fans auch auf der Meisterschafts-Party bewiesen, dass sie reif für die NRW-Liga sind. 


 
Den Weg aus Erndtebrück zurück an den Stimberg hatten alle vier Reisebusse – einen mit der Mannschaft, drei mit den Fans – zusammen angetreten. Am Stimberg angekommen, wurde kurzerhand der Kreisverkehr am Berliner Platz im Zentrum von den schweren Bussen lahm gelegt. Minutenlang feierten die Fans und ließen sich die Spieler feiern – Hupkonzert inklusive.
Dass bis in die Nacht am Vereinsheim weiter gefeiert wurde, verstand sich da von selbst. Überraschend war es dabei kaum, dass ausgerechnet die das größte Standvermögen bewiesen, die den Verein am Saisonende verlassen werden, wie Dominik Ernst, Max Bönighausen, Timo Ostdorf oder Marvin Schurig.
Sie alle wussten: Sie hatten etwas Einmaliges geschaffen und erlebt. Und diese Begeisterung sucht in vielen Klubs ihresgleichen. Sicher 400, manche sprechen gar von 500 Fans waren es, die die Mannschaft auf ihrer letzten schweren Fahrt bis ins Siegerland begleitet hatten. Und alle hatten einen Riesenanteil am geglückten Aufstieg, wie Klaus Bockhoff, der Sportliche Leiter, meinte.
Im Pulverwald-Stadion ist es so, dass die Spielerkabinen außerhalb des Eingangsbereichs liegen, die Kicker also an der Kasse vorbei auf den Platz marschieren müssen. Als die „Schwicker“ endlich um kurz vor 15 Uhr am Pfingstmontag aus der Kabine kamen, „waren alle sofort einen Kopf größer“, wie Bockhoff berichtet. „Vor Stolz.“

Fans sorgen für Gänsehaut-Feeling

Schließlich musste jeder Spieler ein Meer von in Schwarz und Rot gekleideten Fans durchschreiten, die ihre Spieler schon vor Anpfiff feierten und Mut zusprachen für das Finale, „das wir unbedingt gewinnen wollten. Für uns gab es nichts außer Erndtebrück, kein Dröschede oder sonst was“, wie Trainer Jürgen Wielert sagte. „Gänsehaut-Feeling“, nannte das Arek Grad, wobei der 32-jährige Routinier schon einige sportliche Stationen durchlaufen hat. „Aber das hier ist einmalig.“
Nur einer dachte schon ans letzte Saisonspiel am Sonntag in Dröschede: Stefan Oerterer. Der Torjäger ist nun seit drei Spielen ohne Torerfolg und will im bedeutungslosen Match in Iserlohn endlich einen runden Erfolg perfekt machen. „29 hört sich doch blöd an. 30 klingt viel besser“, so „Ö“ über seine bisherige Trefferbilanz.
Dass weitere Treffer des Stürmers aus Recklinghausen höherklassige und potentere Vereine auf den Plan rufen könnten, liegt in der Natur der Sache. Zum Glück hat Oerterer für zwei weitere Jahre am Stimberg verlängert. „Wenn ein Verein kommt um ihn zu holen, wird’s teuer“, meinte augenzwinkernd Geschäftsführer Wolfgang Urbanczyk, einer der Väter des Erfolgs. Das einzige, was nun noch zum vollkommenen Glück fehlt, ist die Lizenz für die NRW-Liga.
Doch die, glaubt man allen Verantwortlichen, dürfte nur noch Formsache sein. „Wir haben nachgebessert und alle Anforderungen erfüllt“, sagte Klaus Bockhoff, während Wolfgang Urbanczyk zum Schluss folgende Anekdote preisgab: Westfalenliga-Staffelleiter Alfred Link, der der Spvgg. zur Meisterschaft in Erndtebrück Glückwünsche und einen Strauß Blumen überreichte, sei gar nicht so böse über den Erkenschwicker Aufstieg gewesen. „Ein Verein mit diesen Fans ist doch eine Bereicherung für die NRW-Liga“, soll Link gesagt haben. Ob sie das im Lizensierungsausschuss auch so sehen?

von Olaf Krimpmann

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