oerterer31Minutenlang stand Magnus Niemöller fast regungslos einsam auf dem Rasen des Stimberg-Stadions. Raufte sich die Haare, hielt die Hände vors Gesicht, schüttelte den Kopf oder starrte einfach vor sich hin. Kurz vorher hatte seine Spvgg. Erkenschwick Sekunden vor dem Abpfiff noch das 2:2 gegen den SV Lippstadt kassiert.

 

Auf dem Weg zum 2:1: Auch der zweite Treffer von Stefan Oerterer (r.) reichte am Ende nicht zum Sieg. Foto: Maiß

Die Erkenschwicker waren so nah dran, die Lippstädter Serie mit 17 ungeschlagenen Spielen zu beenden. So nah dran am Sieg in einem wirklich hochklassigen Spiel, das ein spektakuläres Ende fand: Die Hausherren lagen 2:1 vorn, da blies Lippstadt zum letzten Angriff. Benjamin Kolodzig drosch das Leder nach vorn, direkt auf Marcel Ramsey, und dessen Kopfball-Bogenlampe senkte sich unhaltbar zum 2:2 in die Erkenschwicker Maschen.

 Schiedsrichter Thomas Altgeld pfiff direkt ab und ließ nicht nur Magnus Niemöller fassungslos zurück.

„Das ist so bitter. Wir haben heute unser bestes Spiel in der Rückrunde gezeigt“, konnte auch Stefan Oerterer kaum glauben, dass seine beiden Treffer nicht zum Sieg reichten. Einziger Trost für die Spvgg.: Sie bleibt daheim ungeschlagen.

 Und nimmt man beiseite, dass ein Ausgleich in der Schluss-Sekunde immer bitter ist, geht das 2:2 in Summe in Ordnung. Denn beide Mannschaften begegneten sich auf Augenhöhe, verlangten einander alles ab.

Und so waren sich beide Trainer nach dem Abpfiff einig, ein tolles Oberliga-Spiel gesehen zu haben, das alles hatte, was ein solches eben auch ausmacht: vier Tore, wechselnde Führungen und hochkochende Emotionen. Letztere aber erst in den Schlussminuten.

 Denn bis auf die üblichen Schmähgesänge aus beiden Fan-Blöcken verlief das im Vorfeld als „Sicherheitsspiel“ eingestufte Duell friedlich. Erst kurz vor dem Ende, als sowohl einige Spieler auf dem Platz als auch die beiden Auswechselbänke aneinander gerieten, wurde es ein wenig kribbelig. Schnell kehrte aber auch wieder Ruhe ein.

„Hier war einfach alles drin, eben auch Emotionen. Natürlich ist so ein Ausgleich immer glücklich, das Ergebnis passt aber“, betonte Lippstadts Trainer Daniel Farke, der viel Lob für den Gegner hatte: „Erkenschwick hat ganz viel Qualität, ist eine Top-Mannschaft der Oberliga und wird meiner Meinung nach in der nächsten Saison noch weiter oben mitspielen.“ Farke wird das eventuell nur als „normaler“ Zuschauer beobachten, hatte schon im Winter erklärt, dass für ihn als Trainer am Ende der Saison in Lippstadt Schluss sei.

Auch Magnus Niemöller musste nach dem ersten Schock eingestehen, „dass wir ja auch das eine oder andere Spiel in dieser Saison erst spät entschieden haben. Das gehört einfach dazu.“ Der Coach war sichtlich stolz auf seine Elf. „Wir haben heute noch einmal alles rausgehauen. Unser Plan ist voll aufgegangen – zumindest fast“, konnte Niemöller bei der Pressekonferenz seinen Frust über das späte 2:2 doch nicht ganz runterschlucken.

In den 90 Minuten davor hatten beide Teams tollen Fußball gezeigt. Nach anfänglicher Erkenschwicker Druckphase kam Lippstadt besser ins Spiel und zum 1:0. Nach Pfostentreffer von Ardian Jevric staubte Marcel Ramsey zur Führung ab (33.). Doch die Hausherren brauchten nur drei Minuten, um zurückzuschlagen. Nach Flanke von Deniz Batman stand Stefan Oerterer einmal mehr goldrichtig, traf den Ball nicht optimal, aber doch gut genug, dass dieser an Gäste-Keeper Marcel Höttecke vorbei zum 1:1 über die Linie trudelte.

Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich eine sehr ausgeglichene Partie, in der die Erkenschwicker nach dem 2:1 und dem zweiten Oerterer-Treffer eine Viertelstunde vor Schluss lange wie der Sieger aussahen. Doch dann kam Ramseys Kopfball-Bogenlampe.

Quelle: Stimberg-Zeitung

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