Am Dienstagmittag hat bei der Spvgg. Erkenschwick eine neue Zeitrechnung begonnen. Der Verein schloss das seit knapp zwölf Monaten laufende Insolvenzverfahren vor dem Amtsgericht Bochum erfolgreich ab und kann nun unbelastet in die Zukunft blicken. 
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Insolvenzverwalter Ulrich Zerrath (Recklinghausen): „Der Verein ist damit saniert.“ Rechtskräftig wird der Beschluss in 14 Tagen. Möglich wurde dies durch das Einlenken vieler Gläubiger. In zwei der drei Gruppen (die Stadt Oer-Erkenschwick als kommunale Behörde; Gläubiger mit Forderungen über 1000 Euro und Gläubiger mit Forderungen von unter 1000 Euro) wurde ein einstimmiges Ergebnis erzielt. In einer Gruppe gab es ein Stimmenverhältnis von 12:8 für den Sanierungsplan, wobei sich ausgerechnet der frühere Vorsitzende Achim Trautmann vehement zur Wehr setzte, wie Zerrath und der Vorsitzende des Notvorstandes, Anton Stark, übereinstimmend berichten. Gläubiger mit Forderungen von unter 1000 Euro werden nun mit 30 Prozent abgefunden, die anderen mit sieben Prozent. Die Stadt hatte über ihre Bürgschaft über den Kunstrasenplatz bereits einen großen Batzen übernommen und verzichtete wie weitere große Gläubiger ganz. Insgesamt, so sagt Ulrich Zerrath, sei der Verein gestern um 650000 Euro entschuldet worden. Knapp ein Jahr nach dem Gang zum Amtsgericht Bochum hat der Verein damit die wohl schwierigste Klippe in seiner 93-jährigen Geschichte umschifft. Wie sehr der Fortbestand des Vereins am seidenen Faden gehangen hatte, verdeutlicht der Rückblick: Erst auf Drängen von Ehrenpräsident Anton Stark war vor zwölf Monaten ein Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens gestellt worden. Achim Trautmann, bis dahin Vorsitzender des Vereins, wurde am 12. Juni 2008 zum Rücktritt gezwungen, nachdem die riesigen Löcher nicht mehr länger zu leugnen waren. Über die Höhe der Außenstände gab es lange Zeit keine verlässlichen Angaben. Erst nach und nach war durchgesickert, dass den Verein Schulden in Höhe von rund 845.862,07 Euro drückten. Insgesamt 71 Gläubiger hatten mit Stand 30. Juni 2008, dem Datum der Antrags auf Verfahrens-Einleitung, Forderungen angemeldet, wie Anton Stark bei einer Mitgliederversammlung am 10. Oktober 2008 sagte, wobei einige der Forderungen erfolgreich angefochten werden konnten. Damals hatte Insolvenzverwalter Zerrath bereits festgestellt: „Die Insolvenzreife war spätestens im Oktober 2007 gegeben.“ Zur Erinnerung: Zu diesem Zeitpunkt kämpfte die Spvgg. sogar um den Aufstieg in die Regionalliga, schob aber Personalkosten von satten 30000 Euro pro Monat vor sich her. Das Gastspiel des Bundesligisten FC Schalke 04 am 8. Juli 2008 am Stimberg wie Spiele von weiteren prominenten Vereinen wie FC Porto und Galatasaray Istanbul wurden dann im Sommer letzten Jahres zum rettenden Strohhalm. Dadurch wurde „Masse“ erwirtschaftet, mit der der Insolvenzverwalter einen Plan aufstellen konnte. Auch schoss der Vorstand selbst im Laufe der Monateselbst Gelder nach. Trotzdem war das Verfahren, von dem die Vereinsspitze gehofft hatte, dass es im letzten Dezember schon beendet gewesen wäre, kein Selbstläufer. Noch während der Gläubigerversammlung versuchte vor allem Ex-Vorsitzender Trautmann, der offenbar hohe Beträge selbst in den Verein gepumpt hatte, das Ende des Verfahrens zu verzögern. Nicht nur Anton Stark, der am Abend bei der Jahreshauptversammlung mit stehenden Ovationen gefeiert wurde, atmete gestern Mittag nach dem erfolgreichen Abschluss tief durch, wobei der Dank des 76-Jährigen an Insolvenzverwalter Ulrich Zerrath ging: „Er hat eine tolle Figur abgegeben, wie er sich heute für den Verein ins Zeug gelegt hat.“ Wie angekündigt, traten am Abend neben Anton Stark aus dem Notvorstand auch die zweiten Vorsitzenden Heinz Kuhlmann und Paul Kantak sowie die Kassierer Klaus Klocke und Walter Silla ab. Erwartungsgemäß votierten die Mitglieder der Spvgg. Erkenschwick für Hermann Silvers als neuen Vereinsvorsitzenden.Der 68-Jährige, gleichzeitig Jugendleiter und Altherren-Obmann, war der einzige Kandidat und wurde einstimmig gewählt. Silvers zur Seite stehen als 2. Vorsitzende Carsten Wewers und Frank Hanses, als Geschäftsführer Wolfgang Urbanczyk, Schatzmeisterin Birgit Löw, Sportlicher Leiter Klaus Bockhoff, Koordinator Öffentlichkeitsarbeit Josef Schulz, Internetbeauftragter Torsten Waschul, Pressesprecher Dieter Lapp, Fanbeauftragter André Oberlin und als Sicherheitsbeauftragter Ewald Krajewski.
Quelle: Medienhaus Bauer

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