Kein Elfmeter? Ludwig Kofo-Asenso stoppt mit dieser Aktion Sebastian Westerhoffs Vorstoß in den Schermbecker Strafraum. Foto: Krimpmann Magnus Niemöller strahlte, verteilte fleißig Komplimente an sein Team, und auch die sicher 100 mitgereisten Fans spendeten warmen Applaus: Oberligist Spvgg. Erkenschwick hat die Hürde SV Schermbeck gemeistert und mit dem am Ende ganz schwer erkämpften 1:0 (1:0) den ersten Auswärtssieg seit dem 23. September eingefahren.


Für das Tor des Tages zeichnete Philipp Rosenkranz verantwortlich, der in der 42. Minute nach einem Eckball am zweiten Pfosten aus der Drehung traf. Soweit die Fakten. Was die Fakten nicht aussagen: Die 250 Zuschauer sahen zwei grundverschiedene Halbzeiten. Und sie sahen ein Ende, wie es sich niemand wünscht: In der Nachspielzeit eilte SVS-Keeper Pascal Kurz aus seinem Tor, um einen Pass in die Spitze zu klären. Auf dem stumpfen Rasen knickte der Marler um und musste mit einem dick angeschwollenen Knie ins Krankenhaus gebracht werden.

Ausgerechnet Kurz, der erst zu Jahresbeginn aus einer sechsmonatigen Verletzungspause zurückgekehrt war! Gestern in den Minuten zuvor war der Schlussmann die Schermbecker Lebensversicherung gewesen, parierte aus nächster Distanz gegen Davide Basile (18.) und Stefan Oerterer (37.), auch Sebastian Westerhoffs fulminanten Distanzschuss (41.) oder in der 45. Minute stark gegen Timo Ostdorf, der aus zwölf Metern freie Schussbahn hatte.

Was ein Stück weit die Chronologie des Spiels widerspiegelt: Schermbeck fand 45 Minuten lang mit Ausnahme seines Besten im Tor nicht statt – und die Gäste vom Stimberg grämten sich, nicht schon vor der Halbzeit alles klar gemacht zu haben. Sogar als Kurz ausgespielt war, traf Schwarz und Rot nicht! Stefan Oerterer etwa köpfte mit dem Halbzeitpfiff unbedrängt aus drei Metern ans Außennetz.

Mit Wiederanpfiff wurde es endgültig ein Spiel der Gegensätze: Erkenschwick gab ohne Not weite Teile des Mittelfelds preis und reagierte nur noch. Dass Schermbeck dennoch nur zu wenigen Schussmöglichkeiten kam, lag in erster Linie „an unserer überragenden Mannschaftsleistung“, wie Schlussmann Christopher Ditterle meinte.

Ähnlich wie sein Kompagnon auf der Gegenseite hatte auch Ditterle Probleme mit dem stumpfen Rasen in Schermbeck, den der Keeper als Ursache vielerlei Übels ausmachte. Bei einem Abschlag zog sich „Fisch“ Mitte der ersten 45 Minuten eine schmerzhafte Leistenverletzung zu, konnte nach Behandlung aber weiterspielen. Erst als Ditterle in der 47. Minute die erste Schermbecker Großchance des Spiels von Ouro-Akpo zunichte machte, waren alle Schmerzen vergessen. Ditterle: „Da war dann so viel Adrenalin in mir, da habe ich nichts mehr gespürt.“

Trotz viel Ballbesitz sollte die Mannschaft von Trainer Holger Aden allerdings kaum zu weiteren Abschlüssen kommen. Auch wenn bei den „Schwickern“ etliche Akteure auf der letzten Rille liefen und einige in einer kampfbetonten Partie kurz vor der Gelb-Roten Karte standen, warfen sich die Rothemden hingebungsvoll in etliche Flanken und Schüsse. So zitterte sich die Spvgg. Erkenschwick, die sich erst in der Schlussphase noch zwei, drei gute Kontermöglichkeiten erspielte, buchstäblich zum ersten Auswärtssieg seit sechs Monaten.

„Die drei Punkte heute nehmen wir gerne mit, gerade im Anbetracht der kommenden Aufgaben“, meinte Erkenschwicks Trainer Magnus Niemöller. Nächsten Sonntag geht die Reise zu Spitzenreiter SV Lippstadt 08. Und dort hofft der Trainer, dass seine Jungs die Zeit zur Regeneration genutzt haben.

Dass Schermbeck gestern in Durchgang zwei derart viel Ballbesitz hatte und auch Räume vorfand, hatte Niemöller schließlich beinahe befürchtet: „Wir hatten heute viele Spieler auf dem Platz, die verletzungsbedingt die Vorbereitung nicht haben mitmachen können. Die haben alles aus sich rausgeholt und waren am Ende ganz einfach am Zenit.“

Von Olaf Krimpmann

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