Ab sofort ziehen all wieder am gleichen Strang (im Bild von links): Robert Mazurek, Tobias Rawers, Dr. Rainer Bassier, Anton Stark, Paul Kantak, Hermann Silvers, Birgit Löw und Geschäftsführer Wolfgang Urbanczyk. Foto: Krimpmann  Im Jahr ihres 97-jährigen Bestehens hat die Spvgg. Erkenschwick eine ihrer schwersten Abschnitte für beendet erklärt. Der Traditionsklub „sieht wieder Land“, wie der Vorsitzende des Notvorstandes, Hermann Silvers, spürbar erleichtert sagt.



Was im Angesicht der Ereignisse der vergangenen zwei Jahre gelinde gesagt etwas untertrieben wirkt.

So wurde ein für allemal der Streit beigelegt, der im Zuge der Nachwehen der NRW-Liga-Saison entstanden war. Aber nicht nur das: Anton Stark, Dr. Rainer Bassier, Frank Staffel und Klaus Bockhoff verzichten auf sämtliche Forderungen, die sie im Zuge der Prozesse an den Verein hätten stellen können.

Die Summe, die im mittleren fünfstelligen Bereich liegt, wie Rechtsanwalt Paul Kantak, der die Beklagten vertrat, durchblicken ließ, hätte zumindest für den Oberliga-Fußball am Stimberg das Aus bedeuten können. Jetzt legt Hermann Silvers ein klares Bekenntnis zur Oberliga ab, obwohl er die finanzielle Lage der Spvgg. weiter als schwierig bezeichnet: „Die Konsolidierung ist damit zwar noch nicht beendet, aber das hat uns gewaltig geholfen, dass wir in der Lage sind, weiter Oberliga zu spielen. Und eine Spvgg. Erkenschwick muss Oberliga spielen.“

Vor allem der Graben, der sich durch die Prozesse zwischen Silvers und dem Ehrenvorsitzenden Anton Stark aufgetan hatte, ist ein für allemal zugeschüttet. Silvers räumt auch eigene Fehler ein: „Die Situation damals war verheerend. Wir waren erschlagen von den Dingen. Aus heutiger Sicht sieht man vieles anders.“

Anton Stark ist versöhnt und betont: „Irgendwann muss man über seinen eigenen Schatten springen und sagen, dass der Verein wichtiger ist als das persönliche Ego.“

Auch Anwalt Kantak, ehemals Vorsitzender des mittlerweile aufgelösten Fördervereins, ist froh, „dass alle wieder an einem Tisch sitzen“.

Am 20. März wird nun definitiv gewählt

Die wiedergefundene Harmonie, die für Anton Stark womöglich ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk zum nahenden 80. Wiegenfest ist, hat sich mittlerweile auch in handfesten Entscheidungen niedergeschlagen: Am 20. März wird es nun definitiv zu einer Mitgliederversammlung kommen.

Die war bereits zweimal verschoben worden, weil es keine Kandidaten für den Vorstand gegeben hat. Der Notvorstand darf aber laut Beschluss des Amtsgerichts nur noch bis zum 30. Juni tätig sein.

Mittlerweile hat der Verein Kandidaten gefunden. Die beiden Oer-Erkenschwicker Jungunternehmer Tobias Rawers (27) und Robert Mazurek (23) werden sich Mitte März als Kandidaten für den geschäftsführenden Vorstand aufstellen lassen. „Wobei unsere Priorität immer auf dem Bereich des Marketings liegen wird“, wie Mazurek betont.

Beide gehören seit Jahren zur treuen Fanszene der „Schwicker“ und wollen nun helfen, auch die strukturellen Probleme des Vereins zu lösen. Längst sind Rawers und Mazurek in der Marketingabteilung des Vereins eingebunden. Da aber beide wegen ihres jungen Alters die Verantwortung an der Spitze verständlicherweise noch scheuen, hat sich Hermann Silvers bereiterklärt, am 20. März letztmals für das Amt des Vorsitzenden zu kandidieren. Silvers hatte diesen Schritt bislang immer ausgeschlossen.

Jetzt sagt Silvers: „Ziel ist ein Vorstand zu finden, der Zukunft hat. Wir brauchen keine Rentnerband, sondern wir brauchen junge Leute. Von heute auf morgen kann man aber solch einen Verein nicht führen. Deshalb sind wir bereit, diese jungen Leute am Anfang zu begleiten.“

Neben Silvers werden sich auch weitere Mitglieder des amtierenden Notvorstandes am 20. März dem Votum der Mitglieder stellen.
INFO Das Nachholspiel gegen Westfalia Herne ist nun für Dienstag, 30. April, angesetzt. Der Anstoß im Stimberg-Stadion soll um 18 Uhr erfolgen. Im Anschluss plant die Spvgg., mit Anhängern und Freunden am Vereinsheim zünftig in den Mai zu feiern.

von Olaf Krimpmann

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