RaulRaúl González Blanco saß auf der Auswechselbank, schrieb in der Halbzeit und nach Spielschluss Autogramme und schwieg ansonsten. Zum Verdruss von 3000 Zuschauern spielte er nicht.

Aber auch ohne seinen spanischen Sympathieträger gewann Fußball-Bundesligist FC Schalke am Stimberg. 7:1 (4:0) hieß es am Ende im Freundschaftsspiel gegen die Spvgg. Erkenschwick.

 

Und danach hatten bis auf die beinharten Raúl-Fans alles das Gefühl, etwas vom großen Fußball-Kuchen abbekommen zu haben. Die Fans sahen ein streckenweise kurzweiliges Spiel. Der katastrophal in die Saison gestartete Erstligist tanke ein wenig Selbstvertrauen. Die Erkenschwicker dürfen sich über außerplanmäßig Einnahmen freuen, die in einem nennenswerten fünfstelligen Bereich liegen dürften. Und ganz am Ende, als das Schauspiel beinahe beendet war, gab es für die schwarz-gelbe Fraktion auf dem Platz und auf den Rängen auch noch etwas zum Händereiben. Erkenschwicks Einwechselspieler Thorben Menne köpfte beinahe mit dem Schlusspfiff nach ein Eckball zum 1:7-Endstand ein und freute sich diebisch darüber. „Na klar, ich bin Dortmund-Fan“, sagt er und blickte versonnen auf die Tribüne, wo seine Kumpels ihn ausgelassen feierten.

Viel Spaß hatten die Schwarz-Roten ansonsten wohl nicht in einem Spiel, dass sie mit großem Respekt angingen und in dem sie erst nach dem Seitenwechsel etwas forscher agierten. Vor allem die Abwehrspieler hatten zunächst Mühe, ihre Manschetten abzulegen. Die Königsblauen durften erst mal schalten und walten sie wollten. José Manuel Jurado Marín etwa, im Sommer verpflichteter Spanier mit Spielmacher-
anlagen. Er schoss nach gut einer Stunde das schönste Tor des Tages, als er mit einem beherzten Solo erst Jan Schmidt und Dennis Drontmann umkurvte wie Fahnenstangen und dann auch noch Keeper Christian Götz mit einem frechen Außenristschuss bezwang. 4:0 aus Sicht Schalkes hieß es zu diesem Zeitpunkt, nachdem Edu, Lukas Schmitz und Alexander Baumjohann früh die ersten Treffer erzielt hatten.

„Für uns war das ein schöner Start in die Trainingswoche“, ließ Felix Magath später wissen. Ohne seine 16 zu Länderspielen abgestellten Akteure wie Jan-Klaas Huntelaar, Manuel Neuer, Ivan Rakitic oder Jermaine Jones will er vor allem im konditionellen Bereich arbeiten. Dass Raúl sich aufs Autogramme schreiben am Erkenschwicker Tribünenzaun beschränken musste, sei eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen. „Er musste schon zur Halbzeit in Nürnberg behandelt werden und hat muskuläre Probleme. Nichts ernstes“, sagte Schalkes Trainer, der sich artig über die freundliche Aufnahme und das „schöne Stadion“ äußerte, aber auch Stellung nehmen musste zur Situation in der Bundesliga.

München unten, Stuttgart unten, Schalke unten. Welchen Grund es dafür gebe, wurde der Meistermacher gefragt. Und er ließ wissen: „Es gibt nie nur einen Grund.“ In den vergangenen vier Spielen habe es einen klaren Aufwärtstrend gegeben. „Und den wollen wir fortsetzen.“

Stabiler geworden in seinen Leistungen ist auf jeden Fall der viel gescholtene Christoph Metzelder. Gestern stand er eine Halbzeit lang auf dem Feld, ohne mit seinen Nebenleute ernsthaft gefordert zu werden. Ein Distanzschuss von Stefan Oerterer nach einer Viertelstunde. Mehr kam in die Nähe des Tores von Mathias Schober, einem vier Vest-Akteure in der Schalker Startelf. Christoph Metzelder erinnerte sich, dass er zum letzten Mal in der C-Jugend am Stimberg gespielt hatte.

„Und beinahe wäre ich auch hier gelandet.“ Der 1. FC Recklinghausen und Erkenschwick hatten damals Interesse an dem Nachwuchsspieler des TuS Haltern bekundet. „Aber dann kam das Angebot aus Schalke und dann war klar, wo ich hingehen würde.“ Er war froh, immerhin eine Halbzeit dabei gewesen sein. „Wenn ich schon dabei bin, will ich spielen.“ Warum Raúl denn nicht auflaufen, beantwortete der 29-Jährige erst mit einem Achselzucken, um dann noch einen süffisanten Kommentar nachzulegen. „Dann hat er wenigstens mehr Zeit zum Autogramme schreiben.“ Ein bisschen Spaß muss schließlich sein.


Spvgg. Erkenschwick: Götz (46. Müller), – Drontmann (46. Kokot), Schmidt (65. Ostdorf), Falkowski, Schurig (81. Bozjak), Makarchuk, Menne, Batman (81.Reinert), Simon, Opitz (46. Glembotzki), Oerterer (65. Brüggenkamp)

FC Schalke 04: Schober – Höwedes, Plestan, Metzelder (46. Kayaoglu), Escudero, Kluge, Stevanovic, Baumjohann, Jurado (46. Darwiche), Schmitz, Edu (46. Hoffmann)

Schiedsrichter: Altgeld (Witten)

Zuschauer: 3000

Tore: 0:1 Edu (5.), 0:2 Schmitz (8.), 0:3 Baumjohann (18.), 0:4 Jurado (30.), 0:5 Höwedes (48.), 0:6 Hoffmann (70.), 0:7 Darwiche (84.), 1:7 Menne (90.)

von Andreas Rorowski

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