pappas dimitriosDer Erkenschwicker Neuzugang Dimitrios Pappas hat im Fußball schon einiges erlebt. 35 Jahre ist der (Wahl-) Westerholter inzwischen alt. Er hat für Rot-Weiss Essen gespielt. Mit RW Oberhausen ist der Abwehrspieler von der Ober- in die 2. Bundesliga durchmarschiert, war schließlich sogar Kapitän der Kleeblätter.

 

Aber vor dem Oberliga-Derby zwischen der Spvgg. Erkenschwick und dem TSV Marl-Hüls am Freitag hat der Routinier eine neue Erfahrung gemacht. „Dass ich ein paar Tage vor so einem Spiel mit dem Gegner gemütlich beim Cappuccino zusammensitze, das ist mir noch nie passiert.“

Die Sportredaktion des Medienhauses Bauer hat es möglich gemacht. Selbstverständlich auf neutralem „Platz“, dem Altstadtmarkt in Recklinghausen. Für die Spvgg. sind Dimitrios Pappas und Julian Sammerl gekommen, für den TSV Alexander Thamm und David Sdzuy. Jeweils Routinier und Nachwuchsmann, Verteidigungsexperte und Offensivkraft.

 So entspannt, wie dieses Quartett über das Derby und die Oberliga spricht, kann man sich schwer vorstellen, dass im Stimberg-Stadion am Freitag „die Luft brennt“. Eine verbale Spitze hier, ein Spaß auf Kosten des Gegners dort – dabei bleibt’s.

"Für uns ist das ein Highlight"

 Pappas würde nicht darauf wetten, dass es auch am Freitag so freundlich zugeht. „Ich bin ja noch nicht so lange hier. Aber dass das kein Spiel wie jedes andere ist, habe ich schon mitbekommen.“

Einen Vorgeschmack habe das Duell beim Cranger-Kirmes-Cup geliefert. Da sei es schon emotionaler zugegangen als in einem normalen Test. „Und wenn man sieht, dass beim TSV einige Ex-Erkenschwicker spielen: Das kann schnell hochkochen.“

Auch der Hülser David Sdzuy findet: Dieser Oberliga-Start ist alles andere als ein gewöhnlicher Auftakt. Einer, der sportlich gerade alles andere in den Schatten stellt. „Ein Punktspiel des TSV in Erkenschwick – wie lange gab es das nicht?“, fragt der Außenstürmer. „Für uns als Mannschaft, für den ganzen Verein ist das ein Highlight.“

Ein Spiel, bei dem gute Nerven gefragt sind. Für die Stürmer Julian Sammerl und David Sdzuy offenbar kein Problem, noch nie in ihrer jungen Laufbahn haben sie eine Rote Karte gesehen. Selbst Alex Thamm, ein gestandener Abwehrrecke von 32 Jahren, hat eine weiße Weste. „Ich habe mich immer im Griff gehabt.“ Allein Dimitrios Pappas kann einige „wilde“ Jahre nicht verleugnen. „Rote Karten? Oh, das waren leider einige, muss ich zugeben. Aber ich bin ruhiger geworden.“

Was nicht bedeutet, dass der 35-Jährige am Freitag einem knackigen Zweikampf oder einer Rudelbildung aus dem Weg gehen würde. „Wenn ein Kollege Stress mit dem Gegner hat, dann darf man den doch nicht allein lassen“, sagt Pappas schmunzelnd.

Wegweisend ist das Spiel nicht

 Alex Thamm empfiehlt, bei allen Emotionen den Bogen nicht zu überspannen. „So ein Auftaktspiel verliert keiner gern. Aber man sollte auch nicht zu viel hinein interpretieren.“ Wegweisend sei das Spiel kaum. „Im Moment ist es alles noch einfach. Die Vorbereitung ist zu Ende, alle haben ihren Spaß. Warten wir mal ab, wie es immer Winter wird, wenn es bei miesem Wetter nicht mehr so viel Spaß macht, zum Training zu gehen.“ So eine Saison verlange Stehvermögen.

 Vor dem Start gilt die Spvgg. Erkenschwick als Mitfavorit auf den Aufstieg. Dimitrios Pappas, gerade mit Velbert in die Regionalliga aufgestiegen, will das nicht wegdiskutieren. „Wenn man mich fragt: Platz eins bis drei – das sollte unser Ziel sein.“

Die Mannschaft sei eingespielt, gezielt verstärkt worden und qualitativ breit aufgestellt. „Aber klar: Es nützt nichts, darüber zu reden. Wir müssen es auf den Platz bringen. Hungrig sein, heiß auf den Erfolg. Dann könnte es eine gute Saison werden.“

Aufstiegsanwärter und Geheimfavorit?

 Als graue Oberliga-Maus fühlt sich auch der TSV Marl-Hüls nicht. Ein normaler Aufsteiger sei der Klub nicht, gibt Alex Thamm zu. „Wir haben Spieler dabei, die schon in der Oberliga und höher gespielt haben. Aber dass man versucht, uns die Rolle des Geheimfavoriten anzudichten, ist doch übertrieben.“ Der TSV müsse erst mal in der Liga ankommen.

„In der letzten Saison haben Sebastian Westerhoff und Christian Erwig für den TSV in der Westfalenliga mal eben 50 Tore erzielt. In der Oberliga darf man das nicht erwarten.“

Die Routiniers Pappas und Thamm brauchen sich derzeit keine große Sorgen um ihren Platz im Team zu machen. Bei Julian Sammerl und David Sdzuy sieht das etwas anders aus.

 Vor allem Sammerl wird sich im aufgerüsteten Erkenschwicker Kader strecken müssen. Das weiß der 21-Jährige, der vor einem Jahr aus der A-Jugend von Preußen Münster zur Spvgg. gekommen ist. „Ich will mich im Training anbieten, dem Trainer zeigen, dass ich es kann.“

Möglichst oft spielen – so lautet das persönliche Saison-Ziel von David Sdzuy beim TSV. Am liebsten schon am Freitag. „Im Westfalenpokal in Haspe habe ich mit der Mannschaft am letzten Sonntag ein ordentliches Spiel gemacht. Der Trainer weiß, was er von mir erwarten kann“, sagt der Student. „Wenn er mich aufstellt, gebe ich natürlich Vollgas.“

Und wie steht’s mit einem Tipp für Freitag? Eine klare Ansage traut sich keiner zu. „Mir als Abwehrspieler ist wichtig, dass wir zum Auftakt ohne Gegentor bleiben“, sagt Dimitrios Pappas. „Wenn vorn dann etwas gelingt, ist das der Bonus.“

„Okay, dann sage ich: 0:0!“, nimmt TSV-Abwehrmann Alexander Thamm den Pass auf. Woran wiederum Pappas nicht recht glauben will: „Nee, irgendeiner macht’s am Freitag. Und das werden hoffentlich wir sein!“

Quelle: Stimberg-Zeitung

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