jubel gegen siegen 2016In Bundesliga und Champions League hätte es Glitzerfontänen geregnet und Starlets hätten einen Pokal gebracht. Am Stimberg wurde am Sonntag nach alter Väter Sitte gefeiert, auf dem Zaun – und das doppelt und dreifach. Oberligist Spvgg. Erkenschwick setzte einen bemerkenswerten Schlusspunkt unter eine bemerkenswerte Saison, besiegte den neuen Oberliga-Meister SF Siegen verdient mit 2:0 (1:0) Toren und hätte als neuer Vizemeister damit erneut den sportlichen Aufstieg in die Regionalliga West geschafft.

Am Ende hieß es: Alle auf den Zaun. Sogar Co-Trainer Stefan Mross (5. v. r.) zeigte erstaunliche athletische Qualitäten.  Foto: Olaf Krimpmann

Nur war im großen Jubel auf beiden Seiten der Tribüne – Siegen bekam in der Tat für die Meisterschaft einen Pokal des Fußballverbandes Westfalen überreicht – im schwarz-roten Lager ein großer Schluck Schwermut dabei: Bekanntermaßen löst sich diese Mannschaft auf. Entsprechend emotional erlebten Fans, Trainer und Spieler diese letzten Oberliga-Minuten der Saison 2015/2016.

 Tränenreich war der Abschied schon zu Beginn des Spiels, als Spvgg.-„Vize“ Andreas Giehl die Namen aller verlas, die den Verein verlassen werden. Davide Basile wirkte besonders mitgenommen, dabei war es der Verteidiger, der als Erster seinen Weggang bekannt gegeben hatte. „Ehrlich gesagt, habe ich sogar im Spiel einige Tränen wegdrücken müssen. Wenn einem auf dem Platz klar wird, was das für eine geile Mannschaft war, dann tut es einfach weh“, so Basile.

 Auch Stefan Oerterer hatte sich über Wochen auf den Moment vorbereiten können. „Aber wenn es dann wirklich so weit ist, wenn der Trainer die letzte Besprechung ansetzt, wenn du das letzte Mal ins Stadion fährst, nimmt dich das mit.“

Wenigstens ist die Zeit von „Ö“ nach sieben Jahren Spvgg. standesgemäß geendet: Mit dem Treffer zum 1:0 (43.), der ihm zum dritten Mal in Folge die Krone des Torschützenkönigs der Oberliga beschert. Dass er die mit dem Hülser Michael Smykacz teilen muss, nahm der Erkenschwicker Stürmer gelassen: „Sich so zu verabschieden ist jedenfalls ein Traum.“

Stehende Ovationen gab es bei Oerterers Auswechslung in der 90. Minute, aber was anderes hätte es sonst auch geben sollen? Auch wenn es unter den Anhängern im Vorfeld Diskussionen gegeben hatte, wie man die Mannschaft verabschieden wolle: Am Sonntag standen alle wie ein Mann hinter Trainern und Team.

 Daniel Feldkamp, den Fuß noch immer dick bandagiert, trugen sie gar in den Fanblock – dass Feldkamp, der demnächst für den SC Roland Beckum spielen wird, den Zaun nicht erklimmen konnte, war logisch.

 An diesem waren aber auch am Ende viele bedröppelte Gesichter zu sehen. Was kommt jetzt? Diese Frage stellten sich viele im Stadionrund nämlich auch. Wie Jürgen Meinders, Dauerkarteninhaber seit zig Jahren. „Es bricht mir einfach das Herz“, sagte Meinders.

 Auch Manfred Langanki, seit fast 50 Jahren Mitglied im Traditionsverein, hatte die Mundwinkel nach unten gezogen: „Solch eine charakterstarke Mannschaft habe ich lange nicht gesehen.“

Das erkannte auch Siegens Trainer Ottmar Griffel an. Theoretisch hätte die Sportfreunde die Niederlage gegen Erkenschwick die Meisterschaft kosten können: „Die Spvgg. Erkenschwick hat in der Rückrunde gezeigt, dass sie zur Beletage der Oberliga gehört.“ Am Sonntag im Übrigen vor den weltmeisterlichen Augen von Christoph Kramer: Der Profi ist ein Kumpel von Stefan Grummel.

 Nun geht’s wohl erst einmal ein Stück weit bergab am Stimberg. Das Niveau dieser Mannschaft dürfte kaum zu halten sein. Spvgg.-Trainer Magnus Niemöller war es vorbehalten am Ende seiner Amtszeit daher zu appellieren: „Steht zusammen, vertragt euch auf allen Ebenen, dann wird der Verein im Kreis wieder der sein, der seinesgleichen sucht.“

Von Olaf Krimpmann

Zum Seitenanfang