mannschaft 1916Am 9. Juni 1916 wurde die Spielvereinigung Erkenschwick gegründet. Viele Bürger der Stimbergstadt erinnern sich an die „goldenen Zeiten“. Wie auch Bernd Böker. Der heutige Vorsitzender der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung Oer/Erkenschwick ist von Kindesbeinen an Fan.

 

  

Die Mannschaft aus dem Gründerjahr 1916.

Böker erzählt: „Eigentlich war die Spvgg seit meinem achten Lebensjahr Zentralpunkt meines sportlichen Interesses. Mein Vater und ich haben über Jahrzehnte die Heimspiele besucht. Im Rückblick muss man sagen, dass dort dann Verwandtschaftstreffen war. Wir standen bis zum Umbau des Stadions immer an der Seite zur Engelbertstraße (Eingang ehemalige Gaststätte Schimankowitz). Da haben wir dann sonntags meinen Opa und drei meiner Onkel getroffen. Wenn wir kamen, sagte einer von den Onkeln immer: „..ah, da kommen Böker senior und junior“. Meine Großeltern wohnten in RE-Speckhorn. Wenn da Geburtstag gefeiert wurde, ist die Feier von den Männern auch schon mal kurzfristig verlassen worden, wenn ein wichtiges Heimspiel anstand. Denn einer hatte ein Auto. Urlaub oder Teilnahme an Feiern orientierten sich zwar nicht immer an den Terminen der Heimspiele. Das wurde, wenn möglich, aber berücksichtigt.

 Ganz klar, neben dem Sport verbinde ich mit dieser Zeit auch Erinnerungen an Menschen, die ich gemocht habe. Über die Besuche im Stimbergstadion habe ich erfahren, dass Fußball „in echt gucken“ besser ist als übers Fernsehen. Es gibt viele, viele begeisternde Spiele, an die ich mich erinnere. Ein ganz besonderes ist für mich eine Begegnung gegen RW Essen. Vor meinem inneren Auge sind noch ganz viele Bilder von diesem Spiel so gespeichert, als wenn es in der vergangenen Woche gewesen wäre. Das Spiel fand an einem Mittwochabend im Sommer 1971 statt (ich hatte im Juli meine Ausbildung begonnen). Es war eine Zeit also, in der man nicht sieben Tage die Woche Fußball aus allen Ligen dieser Welt 24 Stunden am Tag gucken konnte. RWE kam mit Spielern, die damals als Stars galten.

 Der bekannteste wohl Willi „Ente“ Lippens. Er spielte gegen Gerd Ortmann. Der war rechter Außenverteidiger. Sein Vater hatte ein kleines Fuhrunternehmen, das unter anderem auch den Kohlenhausbrand auslieferte. Da hatte ich ihn bei den Auslieferungsfahrten schon mal gesehen und er wirkte auf mich immer sehr nett. Das Essener Spiel hatte zu Beginn eine gewisse Arroganz. Und gerade Lippens versuchte mit seinen Drehungen und Dribblings mal zu zeigen, wie man mit einem Außenverteidiger vom Dorf umgeht. Da hatte er aber die Rechnung ohne Gerd Ortmann gemacht. Was der an diesem Abend in klassischer Manier abgegrätscht hat, war schier unglaublich. In der ersten Halbzeit fiel das 1:0. Danach spielte sich ein fantastischer Fight ab. Essen bekommt einen Elfmeter, gehalten vom Torwart Breuer. Jubel wie bei einem Tor für uns. Die Stars erhöhen die Schlagzahl. Auch Lippens. Immer wieder fast schon verzweifelte Angriffsversuche von und über ihn. Da bekommt er aber so was von seine Grenzen aufgezeigt. Und wenn er mal an unserem rechten Außenverteidiger vorbei ist, ist ein anderer da, der dann mit höchstem Einsatz zur Hilfe kommt. An diesem Abend hab ich mit 7 000 weiteren Zuschauern den wahren Stimberggeist erlebt. Man muss mal dabei gewesen sein, wenn 7000 Menschen laut den Namen ihrer Stadt rufen und zwar noch Minuten nach dem Spiel. Da brannte die Luft.

 Die Mannschaft ging, für die damalige Zeit nicht unbedingt üblich (man küsste auch nicht das Vereinswappen auf dem Trikot), nochmal zu jeder Seite des Stadions und bedankte sich für die Unterstützung. Winkte in die Menge. Dort ging der Jubel dann noch mal richtig hoch. Auf dem Weg nach Hause und auch Tage danach waren alle, mit denen man über dieses Spiel sprach, geradezu euphorisch. Haben wir’s den Großstädtern mal wieder gezeigt. Nicht mit uns, nicht in unserem Stadion. Vor einiger Zeit bin ich mit einer Männergruppe der KAB in der Nähe von Monschau gewesen. Auf der Terrasse einer kleinen Dorfgaststätte fragt uns der Wirt: „….na, wo kommt ihr denn her?“. Bescheiden die Antwort: „….aus der Nähe von Recklinghausen“. Seine Antwort: „…hab ich schon mal gehört“. Wir näher erläuternd: „…aus Erkenschwick“. Wiederum er: „…ach da gibt’s doch nen Fußballverein. Spielvereinigung Erkenschwick“.

Quelle: Stimberg-Zeitung

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