sawatzki144:0 gegen FC Eintracht Rheine, 3:2 gegen SC Hassel: Besser hätten Spvgg. Erkenschwick und TSV Marl-Hüls nun wirklich nicht fürs Kreisderby werben können. Das Bemerkenswerte an dem Traumstart: Bei den Schwarz-Roten und den Blau-Weißen regiert das Prinzip „Jugend forsch“. Spvgg. und TSV spielten ihre Auftaktsiege mit der jeweils jüngsten Elf ihrer jüngeren Oberliga-Geschichte heraus. 21,8 Jahre war die Erkenschwicker Start-Elf, die den so heimstarken FC Eintracht Rheine am Sonntag nach allen Regeln der Fußballkunst auskonterte.

 

Kapitän und Führungskraft: David Sawatzki soll im defensiven Mittelfeld das Erkenschwicker Spiel ordnen. Foto: Krimpmann

 

Dass der Schnitt überhaupt bei knapp 22 Jahren lag, ist den beiden Routiniers in der Erkenschwicker Elf geschuldet: Dennis Konarski, Neuzugang vom SV Zweckel, ist 28 Jahre alt – David Sawatzki, der Kapitän, immerhin 29.

„Sawa“ hat seine neue Rolle als Leader nicht gesucht, aber gerne angenommen: „Klar ist das jetzt eine besondere Situation bei uns. Aber die jungen Spieler sind total neugierig und lernwillig. Wenn ich als routinierter Spieler helfen kann, mache ich das gerne.“

Ohnehin, versichert der Linksfuß, liege ihm der Verein und schlussendlich auch seine Mission am Herzen: „Wenn’s sportlich am Schönsten ist zu gehen, kann jeder. Ich wollte mithelfen, dass dieser Verein nicht sofort absteigt. Und ganz ehrlich: Ich hab’ mit den Jungs auch richtig Bock drauf.“

Der Schnitt beim TSV war beim Anpfiff des Oberliga-Eröffnungsspiels gegen Hassel nur unwesentlich höher als der Erkenschwicker: Er lag bei 22,1 Jahren. Auch hier war der Kapitän der „älteste“ Akteur: Sebastian Westerhoff ist 30. Der zweiterfahrenste Spieler war schon Lukas Diericks – mit 24.

Spaßfaktor ist auf beiden Seiten hoch

„In der Konstellation habe ich noch nie Fußball gespielt. Das ist schon extrem“, gibt Sebastian Westerhoff zu, der gegen den SC Hassel seinen 278. Einsatz in Ober- oder NRW-Liga absolvierte. „Aber so viel ändert das nicht.“

Diericks, Tobias Hötte oder Davide Basile seien doch schon jahrelang in der Oberliga oder sogar in der Regionalliga am Ball. „Und unsere ganz jungen Spieler sind nette, intelligente Jungs“, sagt Westerhoff. „Es macht einfach Spaß, mit ihnen zusammenzuspielen.“

Dass die Oberligisten aus dem Kreis so konsequent auf junge Kicker setzen, ist dabei nicht allein das Ergebnis einer überlegten Strategie. Die Spvgg. musste in Mai und Juni bekanntlich auf die Schnelle neu aufbauen – weil der komplette Kader fluchtartig den Klub verließ.

Was blieb da übrig, außer auf junge Spieler zu setzen, die anderswo schwerlich eine Chance in der Oberliga Westfalen erhalten hätten?

Auch der TSV Marl-Hüls, der jahrelang gern „prominent“ eingekauft hatte, hat den Etat für die erste Mannschaft gesenkt und besinnt sich auf den Nachwuchs. Zwölf Eigengewächse haben inzwischen den Sprung in den Oberliga-Kader geschafft.

Die Entwicklung schlägt sich auch in der Altersstruktur der kompletten Kader nieder. Dem Fachportal „transfermarkt.de“ zufolge ist der Hülser Kader sogar noch jünger als der Erkenschwicker: 22,6 zu 22,9 Jahre. Aber das liegt unter anderem daran, dass sich angesichts des rasanten Umbruchs bei der Spvgg. auch Trainer Zouhair Allali in die Spielerliste hat aufnehmen lassen. Vorsichtshalber. In der letzten Saison war der 34-Jährige noch beim SV Gescher als Spielertrainer aktiv.

Dass sich der Übungsleiter am Sonntag selbst in seine Elf rotiert, scheint ausgeschlossen: Allali wird seinen Kurs fortsetzen und im Derby gegen den TSV auf seine jungen Wilden um Benkovic, Erdem und Co. setzen, die in Rheine so überzeugt haben.

Und auch Michael Schrank hat beim TSV Marl-Hüls keinen Anlass, seine Elf umzukrempeln. Zumindest einen neuen Namen dürfte der Fußball-Lehrer präsentieren. Tim Forsmann, Neuzugang von der Spvgg., steht bereit und könnte sein Oberliga-Debüt für den TSV feiern. Den Altersschnitt deutlich nach oben treiben würde er nicht: Der Abwehrspieler ist auch erst 23.

Quelle: Stimberg-Zeitung

Spvgg. Erkenschwick - TSV Marl-Hüls, So., 15 Uhr, Stimberg-Stadion

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