sawatzki18Selten in der langen Historie beider Mannschaften war die Spvgg. Erkenschwick an der Hammer Straße ein willkommenerer Gegner als an diesem Sonntag. Preußen Münster, in der 3. Liga bislang glücklos, feierte unter Interimscoach Cihan Tasdelen einen 7:0 (2:0)-Erfolg im Westfalenpokal. Ausgerechnet im Klassiker vor 1691 Zuschauern kapitulierten die Schwarz-Roten nach einer Stunde und kassierten damit auch eine ziemlich derbe Klatsche.

Erkenschwicks Kapitän David Sawatzki ist sichtlich bedient.  Foto: Olaf Krimpmann

Immerhin wagte sich die Erkenschwicker Mannschaft nach Abpfiff geschlossen in Richtung des eigenen Fanblocks, wo es von den knapp 100 mitgereisten Anhängern keine Pfiffe gab, sondern aufmunternde Worte. Eugene Ofosu-Ayeh stimmte gar die Humba an, die man bei der Spvgg. aber auch schon deutlich lautstärker und ausgelassener intoniert hatte.

Fans wie Mannschaft wussten, dass in diesem Pokalspiel nichts drin sein würde. In diesem Sinne ist auch nichts „passiert“. Oder etwa doch? Etwa eine Stunde lang durfte man dem Erkenschwicker Ensemble keinen Vorwurf machen, was auch der Trainer nicht tat – nur die Zeit danach schmerzte richtig: „Die Jungs haben das 50, 55 Minuten richtig gut gemacht. Leider haben wir uns dann alles selbst kaputt gemacht. Das 0:7 ist definitiv zu hoch für uns“, befand Zouhair Allali.

Dessen Matchplan ging lange Zeit auf. Hinten ließ sein Team wenig klare Schüsse zu. Nur in der Anfangsphase durfte Tobias Warschewski zweimal frei über den Kasten zielen. Vorne setzten die Gäste ein, zwei Nadelstiche.

So mit zwei Schüssen von Ibrahim Erdem (8.) und Dennis Weßendorf (14.), die für Preußen-Keeper Maximilian Schulze Niehues aber kein allzu großes Problem waren. Einmal wuselte sich gar Eugene Ofosu-Ayeh durch, schoss aber frei den Münsteraner Schlussmann an (16.). „Ein 1:0 wäre möglich gewesen“, fand Allali.

Dann aber waren seine Mannen nicht im Bilde, als der aufgerückte Verteidiger Sebastian Mai einen Eckball völlig frei zum 1:0 einköpfen konnte (34.). Es war ein Treffer, der Wirkung zeigte, denn bis zur Pause liefen die Gäste den Bällen nun weit häufiger hinterher als in sämtlichen Minuten seit Anpfiff zuvor. Das 2:0 durch Warschewski (44.) noch vor der Halbzeit fiel damit zwangsläufig.

Das 3:0 zeigte besondere Wirkung

Dennoch konnte Erkenschwicks Trainer da noch zufrieden sein mit seinen Mannen. Das änderte sich nach 58 Minuten, als Warschewski alle Zeit der Welt hatte, um aus 15 Metern zum 3:0 einzuschießen. Das war nach des Trainers Geschmack viel zu einfach. Den Schalter umzulegen vermochten seine Mannen allerdings nicht mehr.

Immer häufiger überrannten die Preußen das Erkenschwicker Mittelfeld, fanden Räume vor, in die der Erkenschwicker Busfahrer locker ohne in den Rückspiegel zu sehen hätte rückwärts einparken können. Anstatt mit einem respektablen Resultat den Heimweg anzutreten, lief diese blutjunge Truppe damit mitten in ihr Verderben.

Die weiteren Münsteraner Treffer in der 65. Minute (Sebastian Mai), 79. (Warschewski per Kopf), 80. (Lennart Stolle) und 85. (Edisson Jordanov) waren die logische Folge. „Man hat gespürt, dass das 3:0 den Jungs wehtat. Die Schritte wurden schwerer, die Köpfe gingen nach unten“, erkannte Trainer Allali, der von der Bank aus nur wenig ändern konnte.

So komisch es bei einem 0:7 klingt: Torhüter Tim Oberwahrenbrock bewahrte sein Team sogar vor einer noch Niederlage, als er einen Elfmeter (Foul von Dennis Konarski an Mehmet Kara) parierte (77.).

von Olaf Krimpmann

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