avci ridvan3Die Spvgg. Erkenschwick hat die „Last-Minute-Niederlage“ der Vorwoche auf bemerkenswerte Art und Weise verarbeitet: Mit einem 3:1 (0:1)-Sieg beim SV Brackel. Das Spiel stand lange Zeit auf keinem guten Niveau, doch viele Aktionen der Hausherren unterboten dieses sogar noch. Gleich drei (!) Feldverweise sprach Schiedsrichter Ali Senol gegen die Gastgeber aus. Der Unparteiische bewies damit eine Konsequenz, wie sie Brackel auch zeigte – nur eben auf eine etwas andere Art und Weise.

 

Es ist vollbracht: Ridvan Avci bejubelt den Treffer zum 1:3. Foto: Olaf Krimpmann  

Den ersten roten Karton zückte Senol in der Nachspielzeit der ersten Hälfte: In einer insgesamt ziemlich ruppigen und hitzigen Partie hatte Dennis Weßendorf in Höhe der Mittellinie Mirza Basic zu Fall gebracht – kein schönes, aber auch kein brutales Foul, das Wirkung zeigte: Denn Can Bozkurt stürmte auf den Erkenschwicker zu und stieß diesen einfach zu Boden (45. + 3).

 Auch das zweite „Rot“ war vollauf verdient: Yamoussa Sylla, der zuvor schon mit mehreren heiklen Aktionen (u.a. gegen Spvgg.-Keeper Philipp Kunz) aufgefallen war, wurde in der 65. Minute durch seine Auswechslung ein drohender Platzverweis zunächst erspart. Dumm nur: Die Spielpause dürfte für ihn doch etwas länger ausfallen.

 Nach dem Wechsel zeigte er einen nicht ganz unberühmten Finger in Richtung Spvgg.-Trainer Zouhair Allali. Der hatte den Angreifer an der Seitenlinie zuvor zum zügigen Wechseln aufgefordert; Brackel hatte zu dem Zeitpunkt 1:0 vorne gelegen.

 Emotionen auf dem Feld sind dabei gut und wichtig, aber hier schienen wohl sämtliche Dämme zu brechen: Beide Platzverweise waren so berechtigt wie dumm. Und sie spielten den Gästen in die Karten, wie im Übrigen auch die „Ampelkarte“, die Veit-Laurin Wettklo nach 75 Minuten sah (diese allerdings „nur“ wegen wiederholten Foulspiels).

„Das haben die Jungs dann gut gemacht, auch wenn nicht alles perfekt war“, lobte Spvgg.-Trainer Zouhair Allali sein in Überzahl dominantes Team. Lange Zeit hatte der A-Lizenzler wenig zu loben, die Aufreger für ihn waren ein fahriges Aufbauspiel und eine Menge von Fehlern in der Verteidigung, die früh zum 1:0 für Brackel führte (3.; Tor durch Viktor Schumacher).

„25 Minuten lang hat uns der Gegner auseinander genommen“, räumte Allali ein. Erst als sich die Rothemden halbwegs berappelt hatten, wackelte Brackel – und dort lagen die Nerven blank.

 Dass in Überzahl und erst in der Schlussphase das Spiel verdientermaßen gewendet war, lag an mehreren Faktoren: Thomas Hildwein und Ridvan Avci, die für den erkrankt fehlenden Mohamed Bamba im Sturm aufgeboten waren, nutzten endlich ihre Freiräume, sorgten für Konfusion bei den Brackelern. Und mit Stjepan Filipovic, der als Stoßstürmer ins Spiel gebracht wurde, gelang Allali ein Glücksgriff. Gleich die erste Flanke auf den Kopf des bulligen Kroaten versenkte dieser zum 1:1 (73.).

 In der Schlussphase gab es gegen zunehmend überforderte Brackeler Einbahnstraßenfußball total. Fast: Einmal noch musste Philipp Kunz fantastisch gegen Mirza Basic retten (84.). Auf der anderen Seite hätte es fast noch ein Schützenfest gegeben, so viele „Hundertprozentige“ ergaben sich plötzlich für die Gäste. Ridvan Avci, dem Mann mit der feinen Schusstechnik, war es vorbehalten, die siegbringenden Treffer in der 78. und 87. Minute zu erzielen.

Von Olaf Krimpmann

Zum Seitenanfang