avci ridvan 7"Das ist Powerfußall, wie ich ihn spielen lassen will“, sagte Spvgg.-Trainer René Lewejohann nach turbulenten zweiten 45 Minuten. Ärgerlich nur, dass der Powerfußball nicht von Erfolg gekrönt war. Denn als es darauf ankam, hatten es seine Mannen versäumt, die Handbremse zu ziehen. Oder noch einen Gang höher zu schalten. Wie auch immer, das 3:4 war nicht das gewünschte Ergebnis für Lewejohann. Das Spiel brauchte lange, um Fahrt aufzunehmen. Brackel hatte zunächst etwas mehr vom Spiel und ging nach 14 Minuten durch Patrick Sacher in Führung – zuvor hatte Mirza Basic Dennis Weßendorf überlaufen.

Ridvan Avci kann seinem Gegenspieler enteilen. Foto: Olaf Krimpmann

Es war nicht der einzige Fehler, den sich die Erkenschwicker Viererkette erlaubte. 

 Als die Schwarz-Roten endlich ins Spiel gefunden hatten, wurden sie umgehend belohnt: Ridvan Avci hatte im Brackeler Strafraum noch genügend Zeit, um zu einer Körpertäuschung anzusetzen, ehe der als Stürmer aufgebotene „Schwicker“ überlegt zum 1:1 einschoss (30.). Viel mehr gab es nicht zu berichten aus Hälfte eins.

 Durchgang zwei begann dafür spektakulär: Patrick Sacher sah sich nach exakt 42 Sekunden Spielzeit im Eins-gegen-Eins-Duell Spvgg.-Keeper Marvin Kröger entgegen, der sich ihm entgegen warf. Der Brackeler nahm die Einladung an, um einen Elfmeter herauszuholen (der es wohl nicht war). Schiri Christoph Dastig hatte zuvor zweimal generös über Foulspiele in den Strafräumen hinweg gesehen, hier pfiff der Unparteiische. Basic sorgte vom Elfmeterpunkt für die erneute Gäste-Führung (46.).

 Der Strafstoß war der Weckruf für eine turbulente zweite Hälfte, in der die Spvgg. den Gegner unter Druck setzte. Erst glich Avci, dessen Schuss noch abgefälscht wurde, aus (60.). Dann drosch Philipp Mandla einen Freistoß zum 3:2 ins kurze Eck (70.).

Chancen zum 4:2 waren durchaus vorhanden.

 Und die „Schwicker“ wollten mehr, hatten die große Chance durch Avci, der aber aus spitzem Winkel nur den Torpfosten traf – ein Pass in die Mitte wäre wohl die bessere Wahl gewesen. In der 75. Minute hatte Philipp Mandla das 4:2 auf dem Fuß, Brackels Torhüter David Graudejus rettete mit einem Fußreflex.

 Vor allem der eingewechselte Kevin Hegel belebte nun das Spiel und erhielt später ein Sonderlob seines Trainers – die Punkte wären dem jungen Offensivmann wohl lieber gewesen. Brackel schüttelte sich und fand ungeahnte Räume vor – kaum zu glauben, angesichts des Spielstands. Die Spvgg. ließ sich bei eigener Führung auskontern. Patrick Sacher traf nach 77 Minuten zum 3:3, ein Ende des Torspektakels war aber nicht in Sicht.

 Lewejohann trieb seinen Mannen nach vorne: „Glaubt an euch, wir machen noch einen“, brüllte der 34-Jährige aufs Feld. Dann schüttelte Patrick Sacher mit dem vollen Körpereinsatz Eleftherios Ilias ab, der links den Vorzug vor Danny Tottmann erhalten hatte, passte in die Mitte und fand in Mirza Basic einen Abnehmer zum 3:4.

 Ilias den Fehler anzukreiden war Lewejohann zu billig: „Da müssen eben auch die Alten Verantwortung übernehmen.“ Es bleibe noch viel Arbeit, so der Ex-Profi, der umgehend bildlich die Ärmel aufkrempelte: „Aber dafür bin ich ja hier.“

von Olaf Krimpmann / Medienhaus Bauer

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