jubel in wiemelhausen 2018 2Die Reaktionen in der Leichtathletik-Szene reichten von ungläubigem Zweifel bis hin zu blankem Unverständnis. Dass ein 400-Meter-Läufer wie Lorenz Niedrig von jetzt auf gleich bei einem Westfalenligisten anheuert, das erschien vielen doch allzu abenteuerlich. Selbst die Kollegen aus der deutschen 4x400-Meter-Staffel von der U20-Europameisterschaft in Italien im vergangenen Jahr hätten ihre Fragen gehabt, berichtet Lorenz Niedrig: „Aber grundsätzlich waren sie auf meiner Seite. Und demnächst wollen sie sogar mal vorbeikommen und zuschauen.“

 

    Mittendrin: Lorenz Niedrig (vorn 2. v.r.) und die Erkenschwicker Kicker feiern mit den Anhängern den Erfolg im Spitzenspiel in Bochum. Foto: Krimpmann

Seit dem 3:1-Erfolg der Spvgg. Erkenschwick im Spitzenspiel bei Concordia Wiemelhausen am Sonntag dürfte man auch in der Leichtathletik registrieren: Der Oer-Erkenschwicker meint es ernst. Sogar einen Niedrig-Treffer könnte es in Liga sechs zu sehen geben.

 Am Ostermontag hatte Lorenz Niedrig in der Bezirksliga-Elf der Spvgg. sein erstes Pflichtspiel seit rund zwei Jahren absolviert. Am Freitag dann teilte Trainer René Lewejohann dem 20-Jährigen mit, dass er in Wiemelhausen zum Kader des Westfalenligisten gehören würde.

 Auf viel habe er da nicht gehofft, so Niedrig: „Vielleicht einen Kurzeinsatz in den letzten fünf Minuten – bei einer klaren Führung. Dass es so laufen würde, hätte ich nie gedacht.“ Denn Niedrig durfte bereits eine Viertelstunde vor dem Ende ran: Als die Partie auf Messers Schneide stand, die er in der 90. Minute mit dem Treffer zum 1:3 für die Spvgg. entschied.

 Als Dennis Weßendorf flankte, Ridvan Avci den Ball aufs Tor zog, lauerte Niedrig jedenfalls dort, wo ein Torjäger zu stehen hat, und bugsierte den Abpraller von Concordias Torhüter Bruno Staudt ins Netz.  Von Ungefähr kam der Einsatz in Wiemelhausen nicht. „Der Junge hat sich hier super eingefügt und setzt im Training um, was ich von ihm erwarte“, sagt Spvgg.-Trainer René Lewejohann. „Auf der Bank zu sitzen hatte er sich redlich verdient.“

Alles Weitere sei dem Spielverlauf und seiner „Bauchentscheidung“ geschuldet. Erkenschwicks Angriffsspitze Philip Mandla hatte viel gearbeitet, sich 75 Minuten aufgerieben fürs Team. Lewejohann: „Lorenz fehlt zwar noch die Ruhe am Ball. Aber ich wollte einen schnellen Konterspieler auf dem Platz haben. Und er ist sich nicht zu schade, die nötigen Meter zu machen.“

Was bei der sportlichen Vorgeschichte kein Wunder ist. Aber dass einer in der Westfalenliga ein Tor schießt, der noch vor knapp zwei Monaten bei einer Leichtathletik-DM in der Dortmunder Körnig-Halle am Start war, ist dagegen alles andere als selbstverständlich. Und hat mit Leichtathletik nichts tun.

„Das ist eben eine dieser Geschichten“, sagt René Lewejohann abgeklärt, „die der Fußball so schreibt.“

von Thomas Braucks / Medienhaus Bauer

Zum Seitenanfang