Soltane skandar4In Lünen lief alles auf eine Nullnummer hinaus. Dann ließ die Spvgg. Erkenschwick kurz vor Schluss in Überzahl einen Konter zu – und kassierte so den entscheidenden Treffer. Es war nicht so, dass René Lewejohann es nicht hatte kommen sehen: „Dass es uns mal erwischen würde, war klar“, meinte der Ex-Profi nach der 0:1-Niederlage am Schloss Schwansbell. Aber so? Weder war sein Team das schlechtere von zwei eher bieder arbeitenden Westfalenliga-Mannschaften noch das weniger oder stärker zwingende oder das klar unterlegene.

 

Typische Szene des Spiels am Schloss Schwansbell: Skandar Soltane ist erfolgreich im Bodenkampf, Dennis Weßendorf eilt zu Hilfe. Foto: Olaf Krimpmann

 Letzten Endes, und das räumte auch Lünens Coach Mario Plechaty ein, lief alles, aber auch wirklich alles an diesem verregneten Tage auf eine ehe trostlose Nullnummer hinaus.

 Bis zur 85. Minute. „Ich hatte meiner Mannschaft schon vor dem Spiel gesagt, dass heute Kleinigkeiten entscheiden können“, meinte Plechaty. Genau so kam es.

 Es lief die 85. Minute, die Begegnung hatte einen Prickel-Faktor von höchstens drei auf der nach unten offenen Spannungsskala erreicht. Die Gäste waren seit zwölf Minuten mit einem Spieler mehr auf dem Feld, nachdem Lünens Ersin Kusakci wegen wiederholten Foulspiels die Ampelkarte gesehen hatte (73.). Ein Sturmlauf war es nicht gerade, den die Rothemden nun veranstalteten.

 Aber das Bemühen, vielleicht doch noch den entscheidenden Treffer zu setzen, war erkennbar jetzt. Lünen fing den Ball auf der linken Abwehrseite ab und startete einen der wenigen Konter. Dass der zum Erfolg führte, lag zum einen an der Cleverness von Talha Temur, der den Ball im Erkenschwicker Strafraum an zwei Abwehrspielern vorbei lupfte.

 Und an einer ziemlich fahrlässigen Aktion: David Sawatzki ließ den Lüner Offensivmann auflaufen, Schiedsrichter Pascal Emrich – zuvor ein eher kleinlicher Spielleiter – zögerte nicht und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Marcel Ramsey verwandelte den Strafstoß sicher. „Wir sind für unsere Dummheit bestraft worden“, ereiferte sich Trainer Lewejohann.

 Die Fehlerkette vor dem einzigen Treffer begann weit vorne, weil keiner der Offensivkräfte den Mumm zeigte, sich beherzt in die Aktionen zu werfen, ging übers Mittelfeld, das weit aufgerückt war und das den Konter nicht unterband, und fand sein ärgerliches Ende in der Abwehr.

 Die etwa 150 Zuschauer am Schloss Schwansbell waren zuvor eher leidlich unterhalten worden, klare Torchancen konnten weder Lewejohann noch Plechaty ausmachen. „Wir wussten, das Erkenschwick in der Abwehr gut steht, aber auch wir waren gut organisiert“, meinte Plechaty. „Das Spiel hat im Prinzip nur im Mittelfeld stattgefunden“, sagte Lewejohann.

 Ramsey prüfte früh mit einem Schuss aus der Drehung Spvgg.-Keeper Florian Gabisch, der für den beruflich verhinderten Philipp Kunz das Tor hütete (10.). Philipp Mandla zwang mit einem Freistoß Lünens Keeper Florian Fischer zu einer Parade (38.). Zwei Schüsse – einer von Lünens Mirza Basic (52.), einer von Bernhard Gllogjani (64.), beides im Strafraum – wurden je zur Ecke abgefälscht. Viel mehr war nicht.

von Olaf Krimpmann / Medienhaus Bauer

Zum Seitenanfang