gllogjani bernad 9Wenn ein Trainer sagt: „Der Matchplan ist voll aufgegangen“, dann ist er mit dem Spiel seiner Mannschaft zufrieden. Das war Erkenschwicks Coach Ahmet Inal nach dem 3:0 über den Lüner SV sichtlich. Respekt hatte Inal vor dem Gegner im Vorfeld einigen gehabt. „Ein paar gute Zocker“ habe er bei seinen Spionagetouren im roten Lüner Trikot gesehen, sagte der 37-Jährige. Von denen war am Sonntag auf dem Kunstrasen der Jule-Ludorf-Sportanlage wenig zu sehen. Eigentlich nichts.

 

Den berühmten Schritt zu spät kommt in dieser Situation Erkenschwicks Bernhard Gllogjani. Foto: Olaf Krimpmann

 Die Torschussstatistik wies bereits zur Halbzeit ein 5:0 auf, nach dem Seitenwechsel wurde es noch klarer.

 Erkenschwicks Keeper Philipp Kunz hätte sein Trikot ungewaschen in den Schrank zurücklegen oder gar den Dienst quittieren und die Frühlingssonne genießen können: Nicht einmal hatte der Schlussmann ernsthaft eingreifen müssen.

 Was natürlich ein Verdienst seiner Vorderleute war, die so in das Spiel gingen, wie es sich jeder Trainer wünscht: Aufmerksam und ballorientiert, ohne ein zu hohes Risiko zu gehen. „Erkenschwick war uns heute einen Tick voraus, sie wollten mehr“, fand LSV-Trainer Mario Plechaty.

 Hatten sich die Schwarz-Roten in den vergangenen Partien stets ein frühes Gegentor eingefangen, hielt die Festung diesmal. Und da Lünen nicht gerade souverän agierte und vor allem bei allen zweiten Bällen stets das Nachsehen hatte, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann das erste Tor fällt.

 Trotz klarster Chancen – David Sawatzki kam zweimal (11. und 24.), Philipp Mandla einmal (17.) aus nächster Nähe zum Abschluss, scheiterten aber an LSV-Keeper Florian Fischer, dazu touchierte Gllogjanis Distanzschuss die Latte des Lüner Tores (36.) – musste sich der eigene Anhang bis zur 52. Minute gedulden.

Conde steht da, wo ein Stürmer zu stehen hat

 Und wieder war es Timo Conde, der traf. Der Angreifer ist in der Rückserie merklich aufgeblüht und belohnte sich mit dem Abstaubertor zum 1:0 selbst. Denn zwei Minuten zuvor war der 19 Jahre junge Dattelner alleine aufs Lüner Tor zugestürmt, ehe er von hinten abgegrätscht wurde. Die logische Konsequenz aus der Aktion: Lünens Innenverteidiger Adjany Ideme sah wegen Notbremse die Rote Karte (50.).

 Den Freistoß von Gllogjani aus knapp 18 Metern Torentfernung konnte Keeper Fischer nur abklatschen. Und dann stand eben Conde da, wo ein Stürmer in solch einer Situation stehen muss: Am Rande des „Fünfers“, von wo aus die Erkenschwicker Spitze den Ball mit Wucht in die Maschen hämmerte.

 Letztlich hätte Schiri Lasse Lütke-Kappenberg die Partie jetzt vorzeitig abpfeifen können, denn in Unterzahl fiel Lünen bis auf ein paar sporadische Entlastungsangriffe nicht viel ein. Weil eben auch die Hausherren nicht lockerließen, weiter pressten und aufs nächste Tor spielten. Das sei der Matchplan gewesen, sagte Ahmet Inal später.

 Und der wurde dann rechtzeitig zur Perfektion gebracht: In der 71. Minute erzielte Bernhard Gllogjani auf Vorarbeit von Conde das 2:0, dann ließ Skandar Soltane in der 77. Minute einen fulminanten Schuss ins lange Eck zum 3:0 folgen – und einen Jubel-Salto dazu, der Miroslav Klose zu größter Ehre gereicht hätte.

von Olaf Krimpmann / Medienhaus Bauer

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