SpvggI_EisenkopfSeine letzte tragende Rolle beim NRW-Ligisten Spvgg. Erkenschwick hatte Daniel Eisenkopf im Spätsommer im Kreispokalspiel beim Lokalrivalen Grün-Weiß. Der Mittelfeldspieler stand mit der Fahne an der Seitenlinie und zeigte an, wann der Ball im Seitenaus gelandet war.



 
Es war eine Rolle, die dem mittlerweile 28 Jahre alten Recklinghäuser sichtlich nicht gefiel. Was auf seine ganze Situation zutraf: Am Ende wurde „Eisi“ bei der Auflistung der verletzten fehlenden Spieler bei der Spvgg. schon gar nicht mehr genannt.
Kurz vor Weihnachten entschloss sich Daniel Eisenkopf daher, einen Schlussstrich zu ziehen. „Ich hab’ mich abgemeldet. Es war besser für mich, denn es hatte alles keinen Zweck mehr.“
Seit einem Jahr hat Daniel Eisenkopf nun nicht mehr gegen den Ball getreten. Es war ein Jahr voller Hoffnungen und ebenso vieler Rückschläge: Schmerzen, die aus dem unteren Rückenbereich bis in den hinteren rechten Oberschenkel ausstrahlen, lassen keinen Einsatz mehr zu. Ein halbes Dutzend Ärzte, Heilpraktiker und Physiotherapeuten hat Eisenkopf mittlerweile konsultiert, ebenso oft lag der Recklinghäuser in der „Röhre“. „Es wurde alles untersucht: Halswirbel, Rücken, Lendenwirbel, alles ohne Ergebnis. Körperlich bin ich offenbar gesund und trotzdem habe ich diese Schmerzen“, sagt der Mittelfeldspieler. Auf den zweifelhaften Ruf eines medizinischen Phänomens hätte Daniel Eisenkopf liebend gerne verzichtet. „Ich bin erst 28, das kann’s doch nicht gewesen sein mit dem Fußball“, sagt „Eisi“.
Zu den körperlichen Qualen kamen zuletzt auch seelische Schmerzen. Tatenlos zuzusehen, wie die Mannschaft trainiert und spielt, das war für Daniel Eisenkopf beinahe noch schlimmer als die chronischen Schmerzen. Was letzten Endes den Ausschlag dafür gegeben hat, um eine Vertragsauflösung am Stimberg zu bitten. Eisenkopf: „Ich hatte nicht mehr das Gefühl dazuzugehören.“
Seinen Ausstand will er noch geben, als Zuschauer bei Heimspielen will er der Spvgg. weiter die Daumen drücken. „Vielleicht schaffe ich es ja mal, irgendwann bei einem Spielchen Fünf gegen Zwei mitzumachen“, sagte er dann. An mehr wagt er noch nicht zu denken.
Mittlerweile zeigen sich erste Erfolge. Auf dem Laufband hält der Recklinghäuser inzwischen schon wieder gut durch. Überbewerten will Daniel Eisenkopf den Etappensieg nicht – zu oft hatte er in den letzten zwölf Monaten gehofft, wieder angreifen zu können. Zu oft wurden diese Hoffnungen nach den ersten Minuten auf dem Trainingsplatz zerstört.
Läuft es ganz dumm für den Recklinghäuser, der mit fünf Jahren seine Karriere bei der SSV Buer begann und dann über die SG Hillen und den FC 96 Recklinghausen zur Spvgg. Erkenschwick kam, muss er sich demnächst sogar in einer Spezialklinik einer stationären Behandlung unterziehen. Was mit ein Grund war, jetzt die Reißleine zu ziehen. „Der Mannschaft“, sagt Daniel Eisenkopf, „hätte ich eh’ nicht mehr helfen können.“
Mittlerweile fragt er sich, ob er überhaupt wieder wird Fußball spielen können. Wollen würde er auf jeden Fall, deshalb will Daniel Eisenkopf auch nicht von einem Karriereende sprechen.
„Blödsinn“, sagt er dann. Um seine Rückkehr auf den Fußballplatz kämpfen werde er weiterhin. Nur wann das sein wird, diese Prognose wagt Daniel Eisenkopf nicht zu wagen, der ironischerweise als kaufmännischer Angestellter im Gesundheitswesen von Berufs wegen mit Behandlungen aller Art zu tun hat. Nur seine eigene klappt nicht. Daniel Eisenkopf bleibt damit bis auf weiteres ein medizinisches Phänomen. Wider Willen.

von Olaf Krimpmann

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