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schalke_04Schalke und das Vest – es ist, es bleibt eine innige Beziehung. 3 000 waren am Dienstag ins Stimberg-Stadion gekommen, zu einer nicht gerade attraktiven Uhrzeit. Und das, um eine verstärkte königsblaue B-Mannschaft zu sehen. Der Mythos Schalke – er lebt, trotz Tabellenplatz 17 in der Bundesliga.


  
 
Das haben die Königsblauen mit der Spvgg. Erkenschwick in diesen Tagen gemeinsam. Auch der NRW-Ligist hinkt in der Tabelle hinterher. Und gestern seinen Gästen. Mit 7:1 (4:0) siegte Königsblau – leicht und locker. Wahrscheinlich müssen sie im Training unter „Quälix“ Magath mehr tun.
Aber das zählte gestern nicht. Es war eine Goodwill-Aktion der Gelsenkirchener, die mit dem lockeren Kick an traditionsreicher Stätte die Bundesliga-Spielpause überbrückten. „Für unsere jungen Spieler war das doch eine hervorragende Möglichkeit, dass sie spielen können“, meinte Felix Magath.

Er war der Star des Abends, keine Frage. Selbst weit nach Spielschluss und im einsetzenden Regen noch gewährte der 57-Jährige den meist jungen Fans geduldig Autogrammwünsche. Darauf hatten die meisten unter den 3 000 gewartet. Getoppt wurde Magaths Schreibwahn wohl noch vom Spanier Raúl.
Nun muss man Verständnis für den Champions-League-Rekordtorschützen aufbringen, der gestern den Fuß nur zweimal auf den heiligen Rasen des Stimberg-Stadions setzte: Beim Hereingehen und beim wieder Hinausgehen. Schon in Nürnberg sei der Stürmer-Star behandelt worden, sagte Magath. „Da müssen wir heute nichts riskieren.“ Raúl selbst zeigte sich wortkarg. „No“, ein Interview wolle er nicht geben. Nun gut.
Autogramme gab er dafür mehr als genug. Gut, dass es Zäune gibt im Stimberg-Stadion. Die kleinen und großen Fans hätten den Spanier in der Halbzeitpause wohl erdrückt, so sehr lechzten sie nach der Unterschrift des verletzten Weltklasse-Fußballers.
Einer allerdings, der das Prädikat „Weltklasse“ noch nicht ganz erreicht hat, stahl Raúl dafür auf dem Platz die Schau: Thorben Menne, defensiver Mittelfeldspieler bei der Spvgg. Keiner vom Schlage eine Ballzauberers, sondern eines Fußball-Arbeiters. Dem 19-Jährigen glückte mit Schlusspfiff das, was wohl niemand mehr für möglich gehalten hatte: Er köpfte ins Schalker Tor. Hätte Menne Kinder, er könnte ihnen davon jetzt erzählen.
Der 19-Jährige jubelte mehr innerlich. „Wenn die mich so frei köpfen lassen…“, meinte er lapidar auf die folgenreiche Szene in der 90. Minute, in der er Schalke-Torhüter Matthias Schober keine Abwehrchance ließ. Gefreut hat’s ihn allemal: Thorben Mennes Lieblingsklub in der Bundesliga ist ausgerechnet Borussia Dortmund.

Erkenschwick: Götz (46. Müller) – Schurig (81. Reinert), Falkowski, Schmidt (65. Brüggenkamp), Drontmann (46. Kokot) – Menne, Makarchuk, Simon (46. Herold), Batman (81. Bozjak), Opitz (46. Glembotzki) – Oerterer (65. Ostdorf)
Schalke: Schober – Höwedes, Plestan, Metzelder (46. Kayoglu), Escudero – Kluge, Stevanovic, Baumjohann, Jurado (46. Darwiche), Schmitz – Edu (46. Hoffmann)
Schiedsrichter: Altgeld (Witten)
Tore: 0:1 Edu (8.), 0:2 Schmitz (11.), 0:3 Baumjohann (21.), 0:4 Stevanovic (34.), 0:5 Höwedes (48.), 0:6 Hoffmann (72.), 0:7 Darwiche (85.) 1:7 Menne (90.)

von Olaf Krimpmann