benkovic wessendorfAls die 120 Minuten Schwerstarbeit im Montanhydraulik-Stadion, das irgendwie schon nach harter Arbeit klingt, erfolgreich erledigt waren, da schienen die Rothemden vom Stimberg kaum noch die Kraft zu haben, die Hände zum Jubel in die Höhe zu reißen. 3:1 hatte die Spvgg. Erkenschwick gerade den Holzwickeder SC besiegt, nach Verlängerung. Der Mannschaft von Trainer Zouhair Allali wurden etliche Male in diesem Spiel die Grenzen aufgezeigt.

So jubelt ein Torjäger: Ivan Benkovic hat in der Verlängerung gerade das 1:2 erzielt, Eugene Ofosu-Ayeh (links) und Dennis Weßendorf sind die ersten Gratulanten.  Foto: Olaf Krimpmann

  Aber sie hat auch ihre eigenen überschritten. Und sich deshalb diesen Pokalsieg redlich verdient. „Da war wirklich alles drin in diesem Spiel“, pustete selbst der Trainer ganz tief durch.

Der 34-Jährige selbst glänzte wie zu früheren Zeiten als Aktivposten – nur, dass er nun am Spielfeldrand und auf roter Asche statt auf dem Spielfeld stand, sein Team von außen unaufhörlich antrieb, verbesserte und auch in Phasen, in denen es wankte, immer wieder aufbaute.

Das 0:1, das Ivan Benkovic nach einem an ihm selbst verschuldeten Foulelfmeter erzielte (36.), fiel dabei keine Sekunde zu früh. Gerade war Holzwickede drauf und dran, das Spiel in seine Richtung zu lenken. Tim Oberwahrenbrock, am Sonntag ein großer Rückhalt seiner Mannschaft, hatte bereits einen Kopfball von Abufaiad Mertens von der Linie kratzen müssen (33.) und kurz darauf Glück gehabt, dass Schmerbeck das Rund an die Unterkante der Torlatte donnerte (35.).

Das 0:1 beruhigte das Geschehen wieder ein wenig, und fast schien es so, als sollten die Gäste das Resultat danach ganz gut über die Zeit bringen. Wenig ließen sie zunächst zu, schafften es aber auch nicht, sich eine Verschnaufpause zu verschaffen.

So mussten die Gäste ackern bis zum sprichwörtlichen Umfallen. Aber sie fielen eben nicht. In der 81. Minute erzielte Robin Schultze aus dem Gewühl heraus zwar das verdiente 1:1 für die Platzherren, aber die Antwort folgte prompt: Semih Demiroglu zwang HSC-Schlussmann Kevin Beinsen noch in der regulären Spielzeit zu einer Glanzparade (89.). Es war ein wichtiges Signal, denn die Gäste mussten erst den Ausgleich wegstecken, dann nacheinander auf die Aktivposten Ibrahim Erdem (73.) und in der Verlängerung David Sawatzki (102.) verzichten, bei denen einfach nichts mehr ging.

Viel ging dafür bei Ivan Benkovic: In der 95. Minute setzte sich Emre Kosgin auf dem linken Flügel durch, bediente Erkenschwicks Stürmer, der nach einer halben Körperdrehung aus acht Metern abzog und zum 1:2 traf.

Auch wenn zuvor viele Angriffe durch ungenaue Zuspiele oder falsche Entscheidungen bei Pass- und Laufweg versandet waren, war es im Prinzip damit dann doch ein sehr effizientes Spiel, das die Gäste zeigten. Und ein mega aufwendiges dazu. 25 Minuten ackerten die Gäste noch, einmal rettete erneut Oberwahrenbrock klasse (einen Kopfball von Schultze; 110.). Dann entwischte Eugene Ofosu-Ayeh der Holzwickeder Deckung und machte mit dem 1:3 alles klar (118.).

Der gebürtige Ghanaer feierte seinen Treffer in Manier von Pierre-Emerick Aubameyang – per Salto. Alle Spieler, selbst der Trainer, stürmten auf den Platz und jubelten mit dem Torschützen. Zwei Minuten später war das Pokalspiel vorbei – nur, dass es diesmal etwas dauerte, bis die Mannschaft begriff, was sie eben geleistet hatte.

Etliche Akteure fielen zu Boden, ausgepumpt, aber glücklich. „Gegen Schwicker kann man mal verlier’n“, sang derweil der mitgereiste Anhang. Sie gaben alles – wie die Mannschaft über 120 Minuten zuvor auch. Zur „Welle“ mit den Fans war sie wieder wach und ließ sich feiern. Harte Arbeit soll schließlich belohnt werden. Der nächste Gegner im Westfalenpokal heißt nun wahrscheinlich Preußen Münster.

von Olaf Krimpmann

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