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derby gegen GWEWenn sich die Spieler gegenseitig beleidigen, Trainer ausrasten, Zuschauer den Schiedsrichter bepöbeln und es nach Spielschluss zu einer Rudelbildung am Mittelkreis kommt, dann ist wieder Kreisliga-Derby. Da machte das unterm Strich gerechte 1:1 (0:1)-Remis am Sonntag zwischen der Spvgg. II und GWE, bei dem gut 150 Fans bei herrlichem Sonnenschein auf dem Kunstrasenplatz am Stimberg-Stadion für eine tolle Kulisse sorgten, keine Ausnahme.

 

Nach Schlusspfiff tauschten die Beteiligten noch einige Nettigkeiten aus.

Die „Frösche“ vom Nußbaumweg waren nach dem frühen Führungstor von Nico Weißfloh aus der zwölften Minute nah dran am ersten Sieg gegen die Schwarz-Roten seit November 2012. Ahmet Oezcan machte den Gästen mit dem 1:1 in der 70. Minute aber einen Strich durch die Rechnung.  GWE-Trainer Thomas Synowczik fühlte sich und seine Mannschaft von Schiedsrichter Dieter Schewe (Dorsten) benachteiligt. Vor allem eine Szene Mitte der zweiten Hälfte beim Stande von 0:1 brachte den 34-jährigen A-Lizenzinhaber auf die Palme. Piet Wienstein hatte sich nach einem Konter auf der rechten Seite durchgesetzt, wollte den Ball gerade quer legen auf den mitgelaufenen Daniel Christensen, als ihn der Unparteiische zurückpfiff. „Das wäre das 0:2 gewesen – ganz klar“, echauffierte sich Synowczik. Doch weil sich offenbar ein kleines Kind mit einem Ball in unmittelbarer Nähe auf dem Spielfeld befand, pfiff Schewe den Angriff ab. Für den Spielleiter offenbar eine vertretbare Entscheidung, die er nach Abpfiff Synowczik auf seine eigene Art erläuterte. „Wenn das dein Kind ist da auf dem Platz und es passiert was, dann bringst du mich um“, meinte Schewe, der auch nach den hoch emotionalen und dramatischen 90 Derbyminuten noch alle Hände voll zu tun hatte. Weil Robin Bergner, der zuvor ein grandioses Derby ablieferte, den Unparteiischen gefragt hatte, ob dieser blind sei, gab’s „Rot“ nach Abpfiff obendrauf.

 Sportlich bot das Duell Grün-Weiß gegen Schwarz-Rot beste Unterhaltung. Chancen gab’s reichlich für beide Teams – in Durchgang eins meistens für die „Frösche“, nach gut einer Stunde überwiegend für die Elf von Daniel Bergmannshoff. Nico Weißfloh, der schon beim 1:1 im Hinspiel den Führungstreffer erzielte, brachte GWE mit seinem 19. Saisontor in Führung. Nach einem Lupfer von Bergner in den Strafraum kam Weißfloh vor Keeper Lukas Walter an den Ball, spitzelte diesen über den Schlussmann hinweg und köpfte aus kurzer Distanz ein.

 Auch danach war GWE dank eines nahezu perfekten Umschaltspiels bei Kontern gefährlich. Florian Tritter, der nach einem ungeahndeten Foul bei Halbzeit verletzt in der Kabine blieb, scheiterte an Lukas Walter (36.), Weißfloh war kurz darauf zu eigensinnig (38.). Auf der anderen Seite vergab Oezcan die beste Chance der Spvgg., als er den Ball nach einer zu kurzen Abwehr in die Arme von Florian Gabisch schoss (44.). So blieb’s beim 0:1 zur Pause.

 Nach dem Wechsel ging’s munter hin und her mit Chancen auf beiden Seiten. Und in der 70. Minute war es dann Ahmet Oezcan für die Spvgg, der das Leder mit seinem schwächeren rechten Fuß aus 18 Metern unhaltbar für Gabisch ins Tor streichelte. Mit dem 1:1 wollten sich beide Teams aber nicht zufriedengeben und spielten weiter mit offenem Visier.

 Und in der 86. Minute hatte die Spvgg.-Reserve erneut Glück, als Weißfloh das vermeintliche 1:2 erzielte. Schiri Schewe hatte den Torschützen beim Zuspiel von Dennis Zimmermann knapp im Abseits gesehen und gab den Treffer nicht – strittig. Trösten konnte das Spvgg.-Coach Bergmannshoff mit Blick auf die Tabelle auch nicht mehr: „Das 1:1 ist für uns eindeutig zu wenig.“ Spitzenreiter Hillerheide hat durch einen 8:2-Sieg gegen Genclik Spor den Vorsprung wieder auf sieben Punkte ausgebaut.

von Olaf Nehls