siegenZitat des Fanvertreters der Sportfreunde Siegen, Herrn Uwe Koelsch,
vom 28.02.2011 im Forum der Sportfreunde:

Aber bei einem Gegner wie Erkenschwick kann man einfach in jeder Hinsicht sehen und erleben, wie schön Amateurfußball sein kann.

Der Stimberg ist ein wunderschönes Stadion, dessen langjährige Tradition man regelrecht erfühlen kann. Keine architektonisch austauschbare "Arena", irgendwo in einem Gewerbegebiet in der Pampa. (Paderborn ist da für mich eines der abschreckendsten Beispiele!) Ein Stadion inmitten einer Wohnsiedlung, in sein Umfeld integriert. Da grenzen die Vorgärten der Nachbarn direkt an den Eingang an, nichts ist ausgelagert und abgegrenzt, einfach herrlich.



Die Verpflegung kommt von einem Holzkohlengrill, genau wie es sein soll! Leider bin ich nicht dazu gekommen, mir mal das Vereinsheim anzuschauen.

Und die Leute: Heimzuschauer, Ordner, Vereinsmitarbeiter und die Polizei, ich muss einfach mal ein generelles Lob an alle aussprechen.

Heimzuschauer: Da der Heimblock der Erkenschwicker am anderen Ende der Tribüne stand, habe ich nicht immer sehr viel von ihnen mitgekriegt. Aber die Eindrücke, die bei mir ankamen, waren solche eines schönen Oldschool-Supports. Die Ultras mögen da eine andere Sichtweise haben, ich persönlich empfand die Stimmung als regelrecht "klassisch". So war der Fußball, der mich über Jahrzehnte hinweg als Fan geprägt hat. Allerdings hat dieses beinahe von einer Grundnostalgie geprägte Empfinden auch einen traurigen Hintergrund: In Erkenschwick wie bei vielen anderen Vereinen fehlen junge Fans!

Wer heute als Kind oder Jugendlicher den Weg zum Fußball findet, wird beinahe zwangsläufig eine Sozialisierung zum Ultra erleben. Die großen Gruppen mit ihren Angeboten, Choreographien und dem "Gesamterlebnis" führen junge Fans im Ruhrgebiet beinahe zwangsläufig zu den Großvereinen und ihren entsprechenden Gruppen. Kleine Vereine wie Erkenschwick, Wattenscheid, Hüls oder Speldorf sind dagegen im Vergleich nicht "sexy", haben keine Anziehungskraft. Trotzdem war Erkenschwick etwa an der Essener Hafenstraße mit ähnlich vielen Leuten da wie wir.

Ich habe einen ungebrochenen Respekt vor jenen, die inmitten all der Großvereine an ihrem eigenen Verein festhalten. Support your local team!

(Für Interessierte an der Fußballtradition ein Lesetipp: "Jungens, euch gehört der Himmel: Die Geschichte der Oberliga West 1947-1963" von Hans-Dieter Baroth. Das Buch ist im Klartext-Verlag erschienen. Der Titel bezieht sich auf unseren Gegner von gestern Nachmittag, die Spielvereinigung Erkenschwick, die einmal eine sehr gute Rolle im Ruhrgebietsfußball spielte. Gerade wenn man sich auf Fußballtradition beruft, ist es hilfreich, sich mit dieser auseinanderzusetzen. Ein weiterer Tipp ist der Bildband "Fußballtage im Westen" aus dem gleichen Verlag.)

Ein ganz großes Lob erteile ich der Polizei, die am gestrigen Nachmittag das Spiel abgesichert hat! Die eingesetzten Beamten waren präsent und klar in ihren Anordnungen, dabei aber sehr entspannt und freundlich.
Und einige von ihnen zeigten sich sehr gut informiert und fußballinteressiert. Als wir etwa auf das Spiel unserer zweiten Mannschaft in der Vorsaison am Stimberg zu sprechen kamen, welches dank etlicher Abstellungen aus der Ersten gewonnen wurde, konnten sich einige Beamte bestens daran erinnern und äußerten klare, fundierte Meinungen. Auch dies ist nicht alltäglich, dass ich mich Polizisten in ruhiger Atmosphäre über Fußball unterhalten kann.

Mein Kollege vom Stimberg, mit dem ich bereits im Vorfeld mehrfach ausführliche Gespräche führte, die Stadionsicherheit und die Helfer im Stadion, alle waren einfach top! Genau so sollten ehrenamtliche Helfer arbeiten, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Als Fanvertreter der Sportfreunde Siegen und auch persönlich möchte ich mich für die gestrige Arbeit sehr herzlich bedanken!

Wer den Amateurfußball so liebt wie ich, für den ist eine Auswärtsfahrt zum Stimberg wie ein Feiertag. Natürlich habe ich mich auch über Spiel und Ergebnis aus unserer Sicht gefreut. Aber für Euren "Oldschool-Uwe", und sicher auch einige andere von uns, ist allein schon eine solche Fahrt zu einem solchen Verein ein Erlebnis.
Dies ist einfach nur Fußball, ohne Werberummel, ohne Brimborium. Mit feuchter Jacke und klammen Füßen, aber dafür jenem herrlichen Gesamterlebnis, was mir keine zwölf verschiedenen Kameraeinstellungen jemals ermöglichen werden.

In solchen Stadien wie dem Stimberg und bei solchen Vereinen wie der Spielvereinigung Erkenschwick schlägt für mich das Herz des Fußballs. Und auch wenn ein solches Spiel niemals in 198 Länder übertragen wird, bin trotzdem gern bei einer Begegnung wie gestern Nachmittag einer der "Männer die auf Siegen starren"!

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