1918: Vom "wilden" Fußball zum ordentlichen Spielbetrieb

Im Herbst 1918 wurde der 1. Weltkrieg beendet. Bitter war die Erkenntnis, dass der Krieg manchen Sportkameraden hinweggerafft hatte.

Spvgg erkenschwick alt Aus dem Sportverein Erkenschwick wurde der offizielle Name "Sportfreunde Erkenschwick". Hatte man sich in der Gründerzeit und den Anfangsjahren unregelmäßig zu Spielen getroffen und mehr oder weniger "wild" gespielt, so schl0ß man sich mit Ablauf des Jahres 1918 dem Emschertaler Spielverband an, um in einem ordentlichen und geregelten Spielverkehr gegen andere Mannschaften antreten zu können.

Das erste offizielle Fußballspiel wurde 1918 gegen den Ortsnachbarn von Teutonia Datteln ausgetragen und endete mit einer deutlichen und nicht erwarteten 0-8 Niederlage.

Der Mannschaftskader im 1. Spiel: F. Bury, Wojciechowski, H. Huthwelker, E. Wassmer, F. Huthwelker, Schwammberger, Nötzold, Kasper, Zyron, A. Bury, Billatz. 

1920 bis 1922

Das erste wirkliche Ziel war der Anschluss an den Westdeutschen Spielverband.

Man gehörte zwar schon zum Emschertaler Spielverband, dies war jedoch nur eine Notlösung um erst mal einen geregelten Spielbetrieb zu haben. Jedoch war es nicht ganz so einfach sich dem Westdeutschen Spielverband anzuschließen, nur durch eine Fusion mit dem heutigen TuS 09 Erkenschwick war es möglich sich 1921 dem Westdeutschen Spielverband anzuschließen. Diese Mitgliedschaft war der Grundstein zur sportlichen Weiterendwicklung der Sportfreunde Erkenschwick.

Mit der Einreihung in die damalige C-Klasse des Kreises Recklinghausen konnte nun ein ordentlicher Spielbetrieb aufgenommen und gepflegt werden. In die gleiche Spielklasse waren der BV 1919 Recklinghausen-Süd, TuS 05 Sinsen, DJK Schwarz-Weiß Röllinghausen, TV 1863 Recklinghausen-Ost und Borussia Suderwich eingereiht. Das erste Meisterschaftsspiel führte die Männer von Stimberg nach Recklinghausen zum BV 1919. Das Spiel ging 1-3 verloren. Das Selbstbewusstsein blieb jedoch ungebrochen, der Idealismus wurde nicht geschmälert. In echt sportlicher Kameradschaft wurden alle Beschwernisse der damaligen Zeit überbrückt.

 Saison 1922/1923

Das Jahr 1922 kann man als Gründungsjahr der heutigen "Spielvereinigung Erkenschwick" angesehen werden.

Neben den "Sportfreunden Erkenschwick" bestand in der Nachbarschaft noch ein Verein mit dem Namen "Blau-Weiß Oer". Zu Recht erkannte man bald, dass ein Zusammenschluss beider Vereine die Spielstärke und somit auch das gesamte Vereinsleben nur stärken und festigen könne. Der Gedanke einiger beherzter Männer wurde kurzfristig in die Tat umgesetzt.

Im Spieljahr 1922/23 war der Zusammenschluss (Fusion) bereits vollzogen und fortan existierte nur noch der Name "Spielvereinigung 1916 e.V. Erkenschwick".

C-Klasse Recklinghausen Saison 1923/1924

Wie "fruchtbringend" der Zusammenschluß (Fusion) sein sollte, wurde bereits nach Ablauf des Spieljahres 1923 bewiesen. Die Spielvereinigung wurde Meister der C-Klasse.

Das Aufstiegsspiel in die B-Klasse wurde gegen den SV Disteln 1912 mit 1-0 gewonnen. Das "goldene Tor" erzielte Max Wojchiechowski. Und bemerkenswert: zu diesem Spiel kamen 1. 000 Zuschauer in die Viktoria-Kampfbahn in Recklinghausen.

Wenn auch Fussballtaktik und Strategie nicht so beherrscht wurden, so war man doch mit Leib und Seele dabei. Der Verein war auf dem besten Wege, die Voreingenommenheit gegen den Fußball in den Herzen der Erkenschwicker Bevölkerung schwinden zu lassen.  

B-Klasse Recklinghausen Saison 1924/1925

Im Spieljahr 1924 wurde ein weiterer großer Erfolg errungen. Die Spielvereinigung sicherte sich die Tabellenspitze der B-Klasse. Das hier notwendige und entscheidende Aufstiegsspiel zur A-Klasse wurde gegen den TV 1863 Recklinghausen-Ost sicher mit 3-0 gewonnen. Die Tore schossen Nowak, Eising und Pastory.

Im edlen Kameradschaftsgeist, der naturgemäß durch die gleichen Arbeitsbedingungen der Spieler auf der Schachtanlage "Ewald-Fortsetzung" schon gefestigt war, sah man den Verein an der Tabellenspitze der B-Klasse. Das entscheidende Aufstiegsspiel gegen den TV 1863 Recklinghausen-Ost wurde sicher mit 3-0 gewonnen. Die Tore schossen Nowak, Eising und Pastory. Das Losungswort "11 Freunde müsst ihr sein, wollt ihr Siege erringen" hatte wiederum Früchte getragen.

Aufgrund dieser stolzen Erfolge in den Jahren 1922 bis 1924 wuchs die Vereinsmitgliederzahl zusehends.

A-Klasse Gruppe Recklinghausen Saison 1925/1926

Der erste Übungsleiter tritt in Aktion

Lusenheide 1928

Mit dem Aufstieg in die A-Klasse im Jahre 1925 des Kreises Recklinghausen konnte der Verein stolz und zufrieden sein. Seitens des Vorstandes gab man sich aber keinen Illusionen hin. Man wußte, daß in der A-Klasse ein härterer und auch gekonnterer Fussball gespielt wurde. Um auch in dieser Klasse bestehen zu können, wurde ein konsequenter Weg und ein konsequentes Training für die Mannschaften unbedingt erforderlich.
Daher wurde mit Beginn des Spieljahes 1925 auch der erste Übungsleiter (Trainer) für die 1. Mannschaft verpflichtet. Es war der Gelsenkirchener Sportfreund Josef Nowak, der vom VfL Resse 08 zur Spielvereinigung kam.
Seine technischen Fähigkeiten der Mannschaft zu vermitteln, war oberstes Gebot. Josef Nowak verstand es, der Elf ein systemvolles Spiel einzuprägen. Das intensive Training machte sich bei einigen talentierte Spielern besonders bemerkbar. Beispielsweise bei Werner Trapp und Willi Eising.

Platz Mannschaft Sp. Pkt.
01 SuS 1913 Recklinghausen 14 20-08
02 DJK SW Röllinghausen 14 19-09
03 TV 1863 Recklinghausen-Ost 14 17-11
04 Spvgg. Erkenschwick 1916 14 15-13
05 BV 1919 Recklinghausen-Süd 14 15-13
06 Nordvesta Sinsen 14 10-18
07 SuS 1912 Hüls 14 10-18
08 Gerta Hillerheide 14 10-18
  • Aufsteiger in die Bezirksliga: SuS 1913 Recklinghausen
  • Absteiger in die B-Klasse Recklinghausen: Gerta Recklinghausen
  • Aufsteiger in die A-Klasse Recklinghausen: VfL Drewer 1914, VfL Suderwich.
A-Klasse Gruppe Recklinghausen Saison 1926/1927
 Der neu verpflichtete Trainer Nowak sah es für sich als Aufgabe an, neben dem Fussballsport auch einen "Ausgleichs-sport". zu betreiben. So kam die 1. Mannschaft.auch zur Leichtathletik. Bei den leichtathletischen
Wettkämpfen konnte die Spielvereinigung die Sportkameraden Höckelmann, Schwamberger, Knieper und Scheidt zu stolzen Erfolgen verhelfen.
Platz Mannschaft Sp. Pkt.
01 SuS 1912 Hüls 14 19-09
02 BV 1919 Recklinghausen-Süd 14 19-09
03 Spvgg. Erkenschwick 1916 14 17-11
04 VfL 09 Suderwich (N) 14 16-12
05 Nordvesta Sinsen 14 16-12
06 DJK SW Röllinghausen 14 16-12
07 TV 1863 Recklinghausen-Ost 14 12-16
08 VfL Drewer 1914 (N) 14 10-18
  • Aufsteiger in die Bezirksliga: SuS 1912 Hüls
  • Absteiger in die B-Klasse Recklinghausen: Keiner
  • Aufsteiger in die A-Klasse Recklinghausen: Union 05 Recklinghausen, Gerta Hillerheide, DJK Datteln-Hagem, SV Titania Essel 1926. VfL SW Rapen 1926

Die A-Liga Gruppe Recklinghausen wurde auf 12 Vereine aufgestockt.

A-Klasse Gruppe Recklinghausen Saison 1927/1928

In den Spieljahren 1927 bis 1930 konnte die 1. Mannschaft in der A-Klasse immer einen guten Tabellenplatz behaupten. Es reichte zwar nie zur Meisterschaft, aber in akute Abstiegsgefahr geriet man ebenfalls nicht.

Wie schwer die spielerische Behauptung in der A-Klasse war, wird unterstrichen durch die Tatsache, daß fast alle auszutragenden Spiele einen "örtlichen Charakter" und somit rivalisierenden Gedanken hatten.
Allein aus der Nachbarstadt Recklinghausen hatte man es mit 6 (sechs) Vereinen zu tun. Gegner waren SuS 1913 Recklinghausen, Union 1905 Recklinghausen, TV 1863 Recklinghausen-Ost und andere. 

Platz Mannschaft Sp. Pkt.
01 Union 05 Recklinghausen (N) 22 20-04
02 VfL Drewer 1914 22 18-06
03 SV Titania Essel 1926 (N) 22 16-08
04 Spvgg. Erkenschwick 1916 22 16-08
05 BV 1919 Recklinghausen-Süd 22 16-08
06 Nordvesta Sinsen 22 15-09
07 TV 1863 Recklinghausen-Ost 22 10-14
08 Gerta Hillerheide (N) 22 10-14
09 VfL 09 Suderwich 22 09-15
10 DJK SW Röllinghausen 22 06-18
11 VfL SW Rapen 1926 (N) 22 05-19
12 DJK Datteln-Hagem (N) 22 03-21
Nach Abscnluß dieses Spieljahres gab es eine angeordnete Umstrukturierung im Fussballverband Westfalen. Dies hatte insbesondere Auswirkung auf die Gruppenzugehörigkeit.

Als Folge daraus zogen sich Vereine vom Spielbetrieb zurück oder lösten sich gänzlich auf. Beispielsweise die beiden Recklinghäuser Vereine BV 1919 und TV 1863.

A-Klasse Gruppe Westfalen-West Saison 1928/1929
 
Platz Mannschaft Sp. Gesamt  Tore  Pkt.
01 SC Viktoria Recklinghausen 1909 14 09-03-02 42:19 21-07
02 SV Union Recklinghausen 1905 14 10-01-03 38:24 21-07
03 Spiel und Sport Recklinghausen 1913 14 07-01-06 24:23 15-13
04 Germania Datteln 14 06-02-06 32:43 14-14
05 BV Lünen 1905 14 06-01-07 33:28 13-15
06 BV Einikeit Marl 1919 14 04-03-07 26:29 11-17
07 Spiel und Sport Hüls 1912 14 04-02-08 23:35 10-18
08 Spvgg. Erkenschwick 1916 14 03-01-10 22:39 07-21
  • Tabellarisch war Viktoria 09 Recklinghausen der Gruppenmeister. Doch das Torverhältnis zählte nicht. Im Entscheidungsspiel verlor man gegen Union 05 Recklingbausen mit 1-2. Die Unioner stiegen somit in die Bezirksklasse auf.
  • SV Germania Datteln und BV Einigkeit Marl zogen zurück.

Die A-Klasse wurde aufgestockt auf insgesamt 12 Vereine.

Durch die Aufstockung stieg damit die Spielvereinigung Erkenschwick nicht ab!

A-Klasse Gruppe Westfalen-West Saison 1929/1930
Stand am 31.12.1929
Platz Mannschaft Sp. Pkt.
01 SuS 1912 Hüls 12 20-04
02 BV Rheine 1909 12 18-06
03 SuS 1913 Recklinghausen 12 16-08
04 Viktoria 09 Recklinghausen 12 16-08
05 Spvgg. Erkenschwick 1916 12 16-08
06 Westfalia Ahlen 12 15-09
07 Vorwärts Gronau 09 12 10-14
08 Borussia Rheine 12 10-14
09 SC Münster 08 12 09-15
10 Schwarz-Weiß Münster 12 06-18
11 SVA Bockum-Hövel 12 05-19
12 BV 05 Lünen 12 03-21
Anmerkung: Die Tabelle ist unvollstängig! Hilfe gesucht! Bitte Ergänzungen an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Abschlußtabelle A-Klasse Gruppe Westfalen-West Saison 1930/1931
 
Platz Mannschaft Sp. Pkt.
01 SC Münster 08 22 37-07
02 Viktoria 09 Recklinghausen 22 35-09
03 Union 05 Recklinghausen 22 32-12
04 SC Preussen Münster 22 31-13
05 Westfalia 08 Scherlebeck 22 29-15
06 SVA Bockum-Hövel 22 23-21
07 Spvgg. Erkenschwick 1916 22 22-22
08 SG Gronau 09 22 21-23
09 BV Rheine 09 22 21-23
10 SC Greven 09 22 17-27
11 BV Hamm 09 22 14-30
12 Spvgg. 07/12 Herten 22 12-32

Annmerkung: Aufgrund sich anbahnender wirtschaftlicher, sozialer und politischer Veränderungen stellte die Spielvereinigung beim WFV den Antrag, ab 1931 in der A-Klasse der Gruppe Gelsenkirchen/Recklinghausen spielen zu dürfen. Dem Antrag wurde entsprochen.

Zwischentabelle A-Klasse Gruppe Gelsenkirchen/Recklinghausen 1931/1932

Das Spieljahr 1931/32 brachte einen sensationellen Erfolg. Die Spielvereinigung wurde Meister der A-Klasse Gruppe Gelsenkirchen/Recklinghausen und stieg in die Bezirksklasse Gruppe Münster auf.

Unten der Tabellenstand nach dem 6. Spieltag gemäß einer Ausgabe der "Recklinghäuser Zeitung".

Platz Mannschaft Sp. Tore Pkt.
01 SuS 1912 Hüls 6 21:10 09-03
02 TuRa Bergkamen 09 6 13:5 08-04
03 BV Lünen 05 6 13:7 08-04
04 SV Westfalia Wickede 6 19:11 06-06
05 Spvgg. Erkenschwick 1916 6 14:12 06-06
06 SuS Kaiserau 6 16:20 05-07
07 BV 09 Heeren 6 15:17 04-08
08 SV Germania Datteln 1916 6 11:19 04-08
09 SSV Werne 1916 6 9:20 03-09
10 VfB Waltrop 1912 6 6:23 02-10
11 VfL Münster 6 4:22 02-10
12 SSV Buer 07* 0 0:0 00-00
*SSV Buer 07 zurückgezogen

Anmerkung: Die Tabelle ist unvollstängig! Hilfe gesucht! Bitte Ergänzungen an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Abschlußtabelle Oberliga/Sonderklasse Westfalen Saison 1932/1933
Dieses Spieljahr erbrachte ein durchschnittliches Ergebnis in der Bezirksklasse. Ursprünglich sollte sie "Gruppe Münster" benannt werden. Doch der Verband änderte auf höhere Anweisung die Spielklasse in "Oberliga/Sonderklasse Westfalen".
Platz Mannschaft Sp. Tore Pkt.
01 Spvgg. 07/12 Herten 18 44:27 25-11
02 SC Preußen Münster 18 41:21 23-13
03 Westfalia 08 Scherlebeck 18 36:33 22-14
04 SuS 1913 Recklinghausen 18 32:20 21-15
05 Viktoria 09 Recklinghausen 18 35:27 19-17
06 SC Münster 08 18 30:29 17-19
07 Spvgg. Erkenschwick 1916 18 33:35 17-19
08 Union 05 Recklinghausen 18 26:32 17-19
09 VfL Werne 18 21:34 13-23
10 SC Greven 09 18 22:37 12-24
Anmerkung: Aus den handschriftlichen Aufzeichnungen des ehemaligen Gäschäftsführers Josef Ziolkowski ist ersichtlich, daß ab 1932 eine Vielzahl von Sportkameraden aus unterschiedlichen Gründen in der 1. Mannschaft eingesetzt wurden. Das führte dazu, daß die Spielstärke nie konstant gehalten wurde. Ein gewisses "Spielsystem" war kaum vorhanden. Trotzdem reichte es zum Klassenerhalt, was durchaus als Erfolg gewertet werden konnte.

In der Endphase der Saison fand bereits nach der „Machtübernahme“ durch die Nationalsozialisten statt.

Am 30.10.1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg einen neuen Reichskanzler. Es war Adolf Hitler, geb. 20.4.1889 in Braunau/Inn und +30.4.1945 Berlin.

Von den umwälzenden Veränderungen und Gleichschaltungen blieb auch der Fußball nicht verschont. Auch der Deutsche Fußball-Bund war von den Veränderungen betroffen.

Am 28. April 1933 wurde der Posten des Reichskommissars für Turnen und Sport geschaffen und mit dem SA-Mitglied Hans von Tschammer und Osten besetzt. Der bisher bestehende Deutsche Reichsausschuss für Leibesübungen löste sich „freiwillig“ auf. Damit hatten die Nationalsozialisten den Anfang gemacht, den gesamten Sport unter ihre Kontrolle zu bringen; weitere Schritte sollten folgen. Die Vereine mussten sich im Mai alle eine Einheits-Satzung geben. Wesentliche Punkte waren dabei die Einführung des Führerprinzips und der Ausschluss jüdischer Mitglieder. 

 

Zur Saison 1933/1934

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