Meisterschaft und Meisterrunde

Nur Optimisten deuteten zu Beginn des Spieljahres an, was Realität wurde! Man traute der Spielvereinigung vom  "Stimberg" eine bedeutende Rolle im Kampf um die Amateuroberliga-meisterschaft zu. Unter der Trainingsleitung von Jürgen Wittkamp begann alles recht positiv. Sage und schreibe erst am 18. Meisterschaftsspieltag (!) gab es die erste Punktspielniederlage.

logo oberligaVorsitzender Anton Stark wagte vor der Saison einen finanziellen Kraftakt, als er Spieler wie Werner Gmeiner und Rainer Urban vom letzjährigen Westfalenmeister ASC Schöppingen und Jörg Breski von Rot-Weiß Essen loseiste.

Das Risiko zahlte sich aus. Aber reibungslos hatte sich die Spvgg. Erkenschwick in der Oberliga-Saison 1986/87 nicht zum Titel gekickt.

Im Dezember 1986 versetzte der Klub die ganze Liga in Aufregung. - Jürgen Wittkamp, erfolgreicher Trainer, strich vor einem Heimspiel gegen die Amateure des VfL Bochum seinen Libero Peter Dewitz aus der Startelf. Der fühlte sich düpiert und weigerte sich, auf der Ersatzbank Platz zu nehmen. Auf offener Bühne, vor allem aber hinter den Kulissen eskalierte der Streit. Wittkamp forderte, Dewitz zu suspendieren. Präsident Stark lehnte ab. "Wittkamp war ein super Trainer?, sagt Stark. "Aber ich konnte mich nicht so unter Druck setzen lassen.? Der ehemalige Profi, Kopf der Meister-Elf von 1980, machte seine Drohung wahr und trat zurück - als Tabellenführer!

"Haben wir den 1. April", fragte Helmut Horsch, Trainer des Top-Favoriten Preußen Münster. Zwei Tage später reiste die Spvgg. zum Spitzenspiel nach Münster und verlor vor 12.000 Zuschauern 0:2 - nach 17 Spielen ohne Niederlage. Zur Rückrunde heuerte der Klub Dieter Tartemann an. "Er hatte neben Wittkamp mit seiner Arbeit großen Anteil am Titel", sagt Heinz Niggemeier, damals Verteidiger. Die Spvgg. behauptete im Frühjahr einen knappen Vorsprung vor Münster.

Zwei Spieltage vor Schluss feierte der Klub den Titel - mit einem 2:0 gegen den FC Gütersloh. Dessen Trainer Heribert Bruchhagen, später Vorstandschef von Eintracht Frankfurt, erinnerte sogleich an den Architekten des sportlichen Aufschwungs: "Ich gratuliere Jürgen Wittkamp, meinem alten Freund, und Dieter Tartemann, meinem Kollegen.

In der anstehenden Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga bewies die Spielvereinigung ebenfalls, daß man mitmischen konnte. Hier wurde allerdings das sportliche gesteckte Ziel nicht erreicht.

 Spielerkader 1986/87
  • Meister-Erkenschwick 871Tor: Bernd Giese, Dirk Nösler
  • Verteildiger: Mike Tönnishoff, Heinz Niggemeier, Hans-Werner Melis, Ingo Stange, Rainer Urban, Peter Dewitz
  • Mittelfeldspieler: Werner Gmeiner, Jörg Breski. Gisbert Horsthemke, Thomas Bunte, Toni Schreier, Frank Kämper, Uhrig
  • Stürmer: Dieter Götz, Polenz, Jürgen Biermann
  • Trainer: Jürgen Wittkamp (bis Dez. 1986), Dieter Tartemann (ab Dez. 1986)  

Zugänge: Gmeiner, Urban (beide ASC Schöppingen), Nösler (SG Langenbochum), Kemper (Rot-Weiß Erkenschwick), Götz (VfB Kirchhellen), Uhrig (DSC Wanne-Eickel), Toni Schreier (VfL Bochum/ während der Saison).

Abgänge: Zagorny, Russok (beide FC Recklinghausen), Günter Rausching (Spvgg. Herten), Michael Dömer (TSV Marl-Hüls), Siggi Riemann, Manfred Tapken.

Ergebnisse Oberliga Westfalen
Spt. Datum Begegnung Ergebnis Zuschauer
01  10.08.1986 Spvgg. Erkenschwick - Westf. Herne  1:1 (0:0) 2.000
02  17.08.1986 VfL Bochum Am. - Spvgg. Erkenschwick  1:2 (0:1) 400
03  24.08.1986 Spvgg. Erkenschwick - Pr. Münster  1:1 (0:0) 3.000
04  31.08.1986 TuS Paderborn-N. - Spvgg. Erkenschwick  1:1 (0:1) 1.200
05  07.09.1986  Spvgg. Erkenschwick - SC Verl  2:1 (0:1) 1.200
06  14.09.1986 Wattenscheid Am. - Spvgg. Erkenschwick  1:2 (1:0) 700
07  21.09.1986  Spvgg. Erkenschwick - Eintr. Hamm  4:1 (1:0) 1.400
08  27.09.1986  Recklinghausen - Spvgg. Erkenschwick  1:1 (1:0) 4.000
09  12.10.1986  SuS Hüsten 09  - Spvgg. Erkenschwick  0:1 (0:1) 500
10  19.10.1986  Spvgg. Erkenschwick - ASC Schöppingen  3:1 (1:0) 1.500
11  26.10.1986  Spvgg. Erkenschwick - Wanne-Eickel  2:2 (1:1) 2.000
12  02.11.1986 RW Lüdenscheid - Spvgg. Erkenschwick  1:1 (0:0) 600
13  09.11.1986 Spvgg. Erkenschwick - VfL Reken  3:0 (1:0) 1.500
14  19.11.1986 FC Gütersloh - Spvgg. Erkenschwick  0:1 (0:1) 1.500
15  23.11.1986 Spvgg. Erkenschwick - Hammer Spvg.  2:0 (1:0) 1.400
16  30.11.1986 Westf. Herne - Spvgg. Erkenschwick  2:4 (0:2) 5.000
17  07.12.1986 Spvgg. Erkenschwick - VfL Bochum Am.  2:1 (0:1) 1.300
18  14.12.1986  Pr. Münster - Spvgg. Erkenschwick  2:0 (1:0) 10.000 
21  08.03.1987 Spvgg. Erkenschwick - Wattenscheid Am.  3:1 (1:0) 1.200
22  15.03.1987  Eintr. Hamm - Spvgg. Erkenschwick 0:2 (0:0)* 640
23  22.03.1987  Spvgg. Erkenschwick - Recklinghausen  3:1 (1:0) 4.300
26  29.03.1987  Wanne-Eickel - Spvgg. Erkenschwick  2:1 (2:1) 2.000
19  09.04.1987  Spvgg. Erkenschwick - Paderborn-N.  2:1 (0:0) 800
24  12.04.1987  Spvgg. Erkenschwick - SuS Hüsten 09  3:1 (1:1) 1.400
25  16.04.1987 ASC Schöppingen - Spvgg. Erkenschwick  1:0 (1:0) 2.200
27  20.04.1987  Spvgg. Erkenschwick - RW Lüdenscheid  4:0 (2:0) 1.500
28  26.04.1987  VfL Reken - Spvgg. Erkenschwick  2:1 (1:1) 1.500
20  03.05.1987  SC Verl - Spvgg. Erkenschwick  2:2 (0:1) 1.300
29  10.05.1987  Spvgg. Erkenschwick - FC Gütersloh  2:0 (0:0) 3.000
30  17.05.1987  Hammer Spvg. - Spvgg. Erkenschwick  2:2 (0:1) 1.521

*Das besondere Spiel: Spvgg. gewinnt "Glücksspiel unter freien Himmel"

Schneebedeckter Boden in Hamm-Heessen. Alle Kicker rutschten mehr schnee fussballals rannten, Schiedsrichter Michael Liedke dagegen blieb standfest. Vor allen, als ihn beide Spielführer zur Halbzeit bestürmten, dem Glücksspiel unter freiem Himmel ein Ende zu bereiten. Liedtke ließ sich auf nichts ein und bat die Kicker nach fast 25minütiger Pause wieder aufs Parkett. Am Ende waren die Erkenschwicker froh: sie gewannen nach einer gewaltigen Steigerung und Toren von Jörg Breski (55.) und Dieter Götz (80.) mit 2:0 und nahmen eine wichtige Hürde zum Oberliga-Titel.

BILANZ 86/87 Sp. S U N Tore Punkte
Heim 15 12 3 0 37:12 27:03
Auswärts 15 6 5 4 21:18 17:13
Gesamt 30 18 08 04 58:30 44:16
 Die Spvgg. Erkenschwick erreichte damit die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga
Abschlußtabelle Oberliga Westfalen Saison 1986/1987
Platz Mannschaft Sp. Gesamt Tore Diff. Punkte 
01  Spvgg. Erkenschwick 30 18-08-04 58:30 +28 44-16
02  Preußen Münster 30 16-07-07 63:35 +28 39-21
03  Westfalia Herne 30 13-08-09 60:46 +14 34-26
04  DSC Wanne-Eickel 30 13-08-09 48:46 +2 34-26
05  Wattenscheid 09 Am. (N) 30 12-09-09 55:49 +6 33-27
06  TuS Paderborn-Neuhaus 30 11-10-09 39:34 +5 32-28
07  ASC Schöppingen (M) 30 13-07-11 46:34 +12 31-29
08  FC Gütersloh 30 10-10-10 36:37 -1 30-30
09  SC Verl (N) 30 10-09-11 56:53 +3 29-31
10  VfL Reken 30 10-09-11 40:37 +3 29-31
11  Rot-Weiß Lüdenscheid 30 09-10-11 47:48 -1 28-32
12  Hammer Spvg. 30 09-08-13 50:57 +3 26-34
13  VfL Bochum Am. 30 10-06-14 41:55 -14 26-34
14  SuS Hüsten 09 30 08-08-14 37:54 -17 24-36
15  1. FC Recklinghausen 30 06-10-14 35:59 -24 22-38
16 SC Eintracht Hamm 30 07-05-18 35:73 -38 19-41
 

Teilnehmer Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga:

spvgg erkenschwick 2014Spvgg. 1916 Erkenschwick (siehe unten).

 

pfeil-fallend Absteiger in die Verbandsliga:

sus huesten 091 FC Recklinghausensc eintracht hammSuS Hüsten 09 (in die Verbandsliga 2), 1. FC Recklinghausen, SC Eintracht Hamm (beide in die Verbandsliga 1).

 

pfeil-steigend Aufsteiger in die Amateuroberliga:

spvg marlbor. dortmundsc hasselSpvg. Marl (Meister Verbandsliga 1), Borussia Dortmund Amateure (Meister Verbandsliga 2), SC Hassel (Zweiter Verbandsliga 1).

 
Torschützenliste 1986/1987

Dieter Götz war der erste ESV-Spieler der die Torjägerkrone der Oberliga Westfalen eroberte. Im Sommer 1987 wechselte er zum FC Schalke 04.
Platz Name Verein Tore
1. Dieter Götz Spvgg. Erkenschwick 22
2. Norbert Lücke DSC Wanne-Eickel 18
3. Gisbert Paus SC Preußen Münster 17
4. Olaf Klack Westfalia Herne 16
5. Stefan Grädler SC Preußen Münster 12
  Ulrich Gäher ASC Schöppingen 12
7. Jan Hubiak Hammer Spvg. 11
  Hans-Dieter Mangold Westfalia Herne 11
  Klann  Rot-Weiß Lüdenscheid 11
 
ESV-Statistik Oberliga 1986/1987

Es wurden für die Spielvereinigung Erkenschwick 18 Spieler eingesetzt:

spvgg erkenschwick 2014Breski, Götz, Tönnishoff (je 30 = alle Spiele), Niggemeier, Urban (je 29), Melis (27), Giese, Horsthemke (je 26), Dewitz, Gmeiner (je 24), Bunte (23), Biermann (21), Schreier (20), Kämper (15), Polenz (14), Stange (12), Nösler (5), Stratmann (1)

12 Spieler erzielten 58 Tore: Götz (22 Tore, damit Torschützenkönig in der Oberliga Westfalen), Gmeiner (8), Breski (7), Horsthemke (5), Biermann (4), Urban (3), Dewitz, Bunte, Melis (je 2), Stange, Tönnishoff(je 1), dazu kommt noch ein Eigentor von Hacket (VfL Reken). 

Zeitstrafen (6): Dewitz (2), Horsthemke, Melis, Schreier, Urban (je 1).

Vorrundentabelle: 1. Platz 24-6 Punkte; 27:12 Tore. Rückrundentabelle: 1. Platz 20-10 Punkte; 31:18 Tore.

Zuschauertabelle 1986/1987
Platz  Verein Spiele Gesamt Schnitt
01  Preußen Münster 15 40.700 2.713
02  Spvgg. Erkenschwick 15 27.500 1.833
03  Westfalia Herne 15 23.490 1.566
04  FC Gütersloh 15 28.600 1.240
05  SC Verl 15 16.050 1.070
06  Spvg. Hamm 15 15.430 1.029
07  TuS Paderborn-Neuhaus 15 13.250 883
08  ASC Schöppingen 15 13.110 874
09  1. FC Recklinghausen 15 11.850 790
10  Rot-Weiß Lüdenscheid 15 11.550 770
11  DSC Wanne-Eickel 15 10.800 720
12  Eintracht Hamm 15 9.780 652
13  VfL Reken 15 9.600 640
14  SuS Hüsten 09 15 6.500 433
15  VfL Bochum Amateure 15 4.380 292
16  Wattenscheid 09 Amateure 15 3.190 213
   G E S A M T 240  238.780 982
Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga
Viel Zeit zum Verschnaufen verblieb den Kickern vom Stimberg nicht. Exakt eine Woche nach Ende der Oberliga-Serie, begann die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. 

Teilnehmer an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga:

spvgg erkenschwick 2014sv meppenSbvl_remscheidpvgg. Erkehertha bscnschwiarminia hannoverck (Westfalenmeister), BVL Remscheid (Niederrhein-Meister), Hertha BSC Berlin (Berlin-Meister) sowie Arminia Hannover und der SV Meppen (die beiden Erstplatzierten aus der Oberliga-Nord).

logo_bundesligaAls Oberliga-Meister und krasser Außenseiter war die Spielvereinigung in die Aufstiegsrunde eingezogen. Bei BVL Remscheid, SV Meppen und erst recht in Berlin wurde unter Profibedingungen gearbeitet. Das Erstaunliche aber war: Schwarz-Rot hielt vorzüglich mit und scheiterte am Ende nur an der kläglichen Chancenverwertung.

Dem verdienten 0:0 zum Auftakt gegen Remscheid folgten ein 0:0 in Berlin, ein 0:3 gegen Arminia Hannover, ein höchst unglückliches 1:2 in vorletzter Minute beim SV Meppen sowie ein 0:0 in Remscheid. Nach dem 2:1 gegen die Hertha hatte die Spvgg. plötzlich eine reelle Aufstiegschance. Ein Sieg musste her am folgenden Mittwoch bei Arminia Hannover.

Doch wieder reichte es nur zum Remis (2:2). Diesmal vergab die Elf noch mehr Chancen als in den Partien zuvor. Die Fans, die drei Tage zuvor der Mannschaft noch zugejubelt hatten, pfiffen jetzt auf ihr Team.

Dieter Tartemann ereifert sich noch heute, wenn er an Hannover, an das Spiel der verpassten Möglichkeiten denkt. "Wie Werner Gmeiner einen Meter vor der Torlinie am Ball vorbeigetreten hat. Oder wie Gisbert Horsthemke den Elfmeter verschossen hat. Unfassbar!?

Damals lieferte Tartemann in der ersten Erregung den Spruch zur Aufstiegsrunde: "Zwei Mal stand ich schon mit Rot-Weiß Essen in einer Aufstiegsrunde", sagte er. "Wenn wir da so gespielt hätten, die Fans hätten uns glatt erschossen.? Zur Waffe griffen die Erkenschwicker Anhänger nicht. Unter ihnen machte schnell das Gerücht die Runde: Die wollten gar nicht. Gab es damals gar eine Regieanweisung, nicht aufzusteigen, weil die 2. Liga nicht zu finanzieren gewesen wäre? "Unsinn?, wehrt Anton Stark ab. Vielleicht habe einigen der älteren Spielern der Biss gefehlt, weil sie sich das Abenteuer 2. Liga ohnehin nicht mehr angetan hätten. "Aber finanziell wäre alles viel leichter geworden für uns, wir hätten viel mehr eingenommen."

Drei Tage später feierte der SV Meppen ein 4:2 am Stimberg und gemeinsam mit dem BVL Remscheid den Aufstieg. Die Spielvereinigung habe eine große Chance verpasst, glaubt Anton Stark noch heute. Und trotzdem erinnert sich auch der langjährige Präsident wehmütig zurück an den großen Erkenschwicker Fußballjahrgang 86/87, an die voll besetzten Ränge, die Euphorie und daran, wie sein "Dorfclub" der großen Hertha den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga vermasselt hat.

Ergebnisse Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga
Spt. Datum Begegnung Ergebnis Zuschauer
01 24.05.1987  Spvgg. Erkenschwick - Remscheid  0:0 7.000
01 24.05.1987  Arm. Hannover - SV Meppen  2:2 (0:0) 5.000
02 27.05.1987  Hertha BSC - Spvgg. Erkenschwick  0:0 4.389
02 28.05.1987  Remscheid - Arm. Hannover  2:0 (2:0) 5.000
03 31.05.1987  SV Meppen - Remscheid  1:1 (1:0) 8.500
03 31.05.1987  Arm. Hannover - Hertha BSC  0:1 (0:1) 5.000
04 03.06.1987  Hertha BSC - SV Meppen  2:2 (1:2) 5.000
04 03.06.1987 Spvgg. Erkenschwick - Arm. Hannover  0:3 (0:2) 5.000
05 07.06.1987  SV Meppen - Spvgg. Erkenschwick  2:1 (1:0) 8.500
05 07.06.1987  Remscheid - Hertha BSC  1:2 (0:2) 8.000
06 10.06.1987  SV Meppen - Arminia Hannover  1:1 (1:1) 8.500
06 10.06.1987  Remscheid - Spvgg. Erkenschwick  0:0 4.000
07 14.06.1987 Arm. Hannover - Remscheid  1:4 (0:0) 3.500
07 14.06.1987 Spvgg. Erkenschwick - Hertha BSC 2:1 (0:1)* 5.000
08 17.06.1987  Remscheid - SV Meppen  0:0 4.500
08 18.06.1987  Hertha BSC - Arm. Hannover  3:1 (1:1)  
09 21.06.1987 Arm. Hannover - Spvgg. Erkenschwick  2:2 (1:1) 800
09 21.06.1987  SV Meppen - Hertha BSC  1:1 (0:0) 15.000
10 24.06.1987  Spvgg. Erkenschwick - SV Meppen  2:4 (0:0) 4.000
10 24.06.1987  Hertha BSC - Remscheid  1:3 (1:0) 12.000
*Das besondere Spiel: Berliner Fiasko beim Dorfclub

hertha bscEin Fußballtag der Superlative, ein Husarenstreich!? Selbst ein von Bundesliga und WM erprobter Journalist geriet ins Schwärmen an diesem 14. Juni 1987. Das Stimberg-Stadion wollte er in seinem Kommentar glatt umbenennen lassen - in "Stimmungsstadion".

Und wirklich: So ausgelassen, so enthusiastisch wie das 2:1 über Hertha BSC Berlin in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga ist lange kein Erfolg mehr gefeiert worden am Stimberg. Und danach erst recht nicht. "Ganz sicher war es einer der Höhepunkte in meiner Zeit als Vorsitzender", sagt Anton Stark, Bergwerksdirektor a.D. und damals Präsident der Spielvereinigung.

Trainer Sundermann JürgenDie Geschichte des Spiels beginnt indes nicht erst mit dem Anpfiff. Vor dem Beginn der Aufstiegsrunde, drei Wochen zuvor, hatte Hertha-Trainer Jürgen Sundermann (Bild) den Fußball-Norden gegen sich aufgebracht. "Jetzt müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht von einem Dorfclub überraschen lassen", soll er gesagt haben.

Das Zitat bestritt der ehemalige Bundesligatrainer des VfB Stuttgart hinterher vehement. Aber es war nun mal in der Welt, und Sundermann hatte ein Problem. Dieter Tartemann, den Erkenschwicker Trainer, amüsiert das noch heute. Eine Steilvorlage sei das gewesen, für alle Berliner Gegner. In Erkenschwick fühlte man sich besonders angesprochen. "In der Kabine brauchte ich nicht mehr viel erzählen", berichtet Tartemann. "Es waren alle heiß auf dieses Spiel." Und so kickte seine Mannschaft an diesem Sonntag vor 5000 Zuschauern auch: Elf Erkenschwicker rannten und ackerten voller Hingabe - und spielten auch noch sehenswert Fußball. Auch Schlumbergers 0:1 nach 37 Minuten brachte die Schwarz-Roten nicht vom Weg ab - nach der Pause wendeten sie das Blatt.

Ausgerechnet Rainer Urban wurde nachher als Spieler des Tages gefeiert. Der Mittelfeldmann, der als Abräumer und umsichtiger Ballverteiler eine glänzende Saison gespielt hatte. Ihn beorderte Tartemann gegen die Hertha in den Angriff - anstelle des angeschlagenen und formschwachen Torjägers Dieter Götz.

Unmittelbar nach der Pause schlug Gisbert Horsthemke den Ball vors Hertha-Tor, Urban wuchtete sich in die Flanke und traf per Kopf. Es war der Auftakt zu einer stürmischen zweite Halbzeit, in der die entfesselt aufspielenden Schwarz-Roten die viel höher eingeschätzten Berliner in ihre Hälfte einschnürten. In der 85. Minute schlug Urban - auf Zuspiel von Hans-Werner Melis - zum zweiten Mal zu und löste damit eine nicht für mögliche gehaltene Begeisterung aus.

Kleinlaut schlichen die Berliner aus dem Stadion - nur die Fans gaben nicht klein bei: Schon in der Halbzeit hatten sich die "Hertha-Frösche? eine zünftige Schlägerei mit Schalker Anhängern geliefert. Hinterher hatten 150 Polizeibeamte alle Hände voll zu tun, bis die Berliner Krawallbrüder endlich die Heimreise antraten. Anton Stark wünschte Jürgen Sundermann beim Abschied süffisant eine schöne Heimkehr in sein Dorf.

Am Stimberg fühlten sich in dem Moment alle, wie die Gallier bei Asterix und Obelix, die den übermächtigen Römern mal wieder ein Schnippchen geschlagen hatten. Auch wenn allen klar war, dass dieses 2:1 Episode bleiben würde, man nie würde mithalten können mit dem beliebtesten Klub der Millionenstadt. Zumindest die Erkenschwicker Fußball-Auswahl des Jahres 1987 konnte es.

"Wenn ich so zurückblicke?, sagt Frank Kämper, damals einer der Jüngsten im Team, "muss ich feststellen: In einer besseren Mannschaft habe ich nie wieder gespielt.? Dass Besondere seien nicht die Einzelkönner gewesen, meint Dieter Tartemann: "Die gab es auch. Aber es war der Teamgeist, der die Mannschaft ausgezeichnet hat." In Essen oder Wuppertal, wo Tartemann in den 80er Jahren ebenfalls gearbeitet hatte, "war mehr Geld im Spiel. Es ging professioneller zu. Das Geheimnis in Erkenschwick war der Zusammenhalt."

Tabelle Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga
Platz  Mannschaft Spiele Gesamt Tore Diff. Punkte
1. bvl_remscheid BVL 08 Remscheid 8 3-4-1 11:05  +6 10-06
2. sv_meppen SV Meppen 8 2-6-0 13:10  +3 10-06
3. hertha_bsc Hertha BSC 8 3-3-2 11:10  +1 09-07
4. spvgg_erkenschwick Spvgg. Erkenschwick 8 1-4-3 07:12  -5 06-10
5. arminia_hannover Arminia Hannover 8 1-3-4 10:15  -5 05-11

Damit steigen BVL 08 Remscheid und SV Meppen in die 2. Bundesliga auf

ESV-Statistik Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga 1986/1987

spvgg erkenschwick 2014Es wurden für die Spielvereinigung insgesamt 18 Spieler eingesetzt: Breski, Niggemeier, Schreier, Tönnishoff, Urban (je 8 = alle Spiele), Gmeiner, Horsthemke, Melis (je 7), Dewitz, Götz, Kämper (je 6), Nösler, Stange (je 5), Biermann, Giese (je 4), Polenz (2), Bunte, Uhrig (je 1).

4 Spieler erzielten 7 Tore: Urban (3), Götz (2), Gmeiner, Horsthemke (je 1).

Pokalsaison 1986/1987

Pokalspiele Kreispokal: 

  • BVH Dorsten - Spvgg. Erkenschwick 0:6
  • Spvgg. Herten - Spvgg. Erkenschwick 1:2

Pokalspiele auf Landesebene:

  • 1. Runde: VfB Hüls - Spvgg. Erkenschwick 0:3
  • 2. Runde: Spvgg. Erkenschwick - VfL Bochum Am. 2:0 
  • 3. Runde: Spvgg. Erkenschwick - SV Merkur 07 Dortmund 4:0
  • 4. Runde: Spvgg. Erkenschwick - Rot-Weiß Lüdenscheid 5:2
  • Halbfinale: Spvgg. Erkenschwick - Spvgg. Beckum 2:1

Nicht nur die Meisterschaftsspiele liefen erfolgreich, die Spielvereinigung erreichte zum ersten Mal seit Jahren die erste Hauptrunde zum DFB-Vereinspokal.

Endspiel Westfalenpokal: 

Mittwoch, 29. Juli 1987 (Preußen-Stadion)

Preußen Münster - Spvgg. Erkenschwick 1:2 (1:1)

preussen muensterspvgg erkenschwick 2014nster: Mester - J. Stech, Bennett, Hrubesch, Chr. Stech (75. Knauer), Vollmer, Silberbach, Koop, Pickenäcker (75. Grädler), Riemann.

  • Spvgg.: Giese - Stange, Niggemeier, Melis, Gmeiner, Kemper, Urban, Troiani (46. Davids), Breski, Paus, Schreier.
  • SR: Worthmann (Hagen)
  • Zuschauer: 600
  • Tore: 1:0 Hrubesch (25.), 1:1 Gmeiner (43. FE), 1:2 Gmeiner (60.)

dfbpokalVor 650 Zuschauern in Münsmeisterschaleter ein verdienter Sieg der Stimberg-Elf, die durch Rainer Urban (Foulelfmeter) und Werner Gmeiner zu den Toren kam. Herbert Hrubesch hatte für die Halbzeitführung der Preußen gesorgt. Obwohl noch nicht in Bestbesetzung, hinterließ der Sieger einen mannschaftlich geschlossenen Eindruck, während beim Gegner noch nicht viel zusammenlief. Einen Mißton gab"s zum Schluß: Nach einer Rangelei sahen Münsters Frank Vollmer und der Erkenschwicker Jörg Breski die Rote Karte.

Westfalenpokalsieger 1986/1987:

spvgg erkenschwick 2014Spvgg. 1916 Erkenschwick

Mit den Sieg im Preußenstadion holte die Spvgg. Erkenschwick das "Double" (Westfalenmeisterschaft und Westfalenpokalsieg) in der Saison 1986/87! Das war zuvor noch keiner Mannschaft im Landesverband Westfalen geglückt!

 Freundschaftsspiele 1986/1987
Die Spiele im Überblick:
Wappen Gegner Ergebnis
logo polizei nrw Polizeiauswahl Westfalen (H) 2:1
gw hausduelmen SV Grün-Weiß Hausdülmen (A) 8:0
sg hillen SG DJK/RW Hillen (A) 14:0
vfl drewer VfL Drewer 1914 (A) 4:1
tsv marl huels

TSV Marl-Hüls (A)

1:1
tsg duelmen TSG Dülmen (A) 1:2
VfL Witten 07 VfL Witten 07 (A)* 3:1
1 FC Recklinghausen 1. FC Recklinghausen (A)* 0:2
dsc wanne eickel 1969 2000 DSC Wanne-Eickel (A)* 4:0
 BILANZ:  9 Spiele, 6 Siege, 1 Unentschieden, 2 Niederlagen, 37:8 Tore
 * Turnier in Dortmund-Hombruch. Die Spvgg. belegte dort den 3. Platz und gewann damit 750 DM Preisgeld.
 zur Saison 1987/1988

 

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